Zwangssterilisation von Rechtsextremen? Na, einfach mal hingeschaut!

Andre Wolf, 11. Juni 2018

Skandal or not? „Nach dem gestrigen Vorschlag, Hartz-IV-Empfängern Kondome und die Pille durch die Krankenkasse bezahlen zu lassen, gehen die Grünen heute noch einen Schritt weiter: Rechtsextreme sollen zwangssterilisiert werden.”

Eine Geschichte, die sich ganz leicht entlarven lässt, sofern man das überhaupt will. In diesem Fall haben wir es mit einer mittlerweile doch bekannteren Plattform zu tun, welche die verrückte Geschichte um die Zwangssterilisation von Rechtsextremen veröffentlicht hat.

Selbige Webseite hat es bereits mit den Themen „Papst kapituliert vor Islam?” und „Verkaufsverbot für Alkohol im Ramadan”?“ geschafft, eine gewisse Verwirrung zu stiften. Das ist auch durchaus gewollt so, jedoch mit ein paar Klicks und etwas Zeit, die man sich nehmen sollte, kann man anhand ihrer Gattung erkennen, was hinter diesen Geschichten steckt.

imageScreenshot: Berliner-Express

Wir wiederholen daher an dieser Stelle, weil sich im Grunde nichts geändert hat:

Faktencheck bei unbekannten Inhalten

Was man bei unbekannten Inhalten, bzw. Webseiten immer machen sollte: Schaue dir an, wer dort schreibt, warum dort ein Inhalt steht und warum dort wie geschrieben wurde. Im Falle vom „Berliner-Express” ist das recht einfach. Das wichtigste ist lediglich, dass man überhaupt auf die Idee kommt, einen Faktencheck durchzuführen.

Ein überspitzte Darstellung eines Inhaltes unter Auslassung von weiterführenden Erklärungen sollte ein erstes Alarmsignal sein. Viel Meinung, wenig Inhalt, eine kaum belastbare Quelle, wenn überhaupt vorhanden, sowie stark verkürzte und nahezu auf Schlagzeilen komprimierte Darstellungen sollten dazu führen, dass man zumindest mal schaut, was es mit einem Text auf sich hat.

Hier ist Satire Programm!

Schaue in das Impressum einer Webseite oder eines Blogs. Hast Du es mit transparenten und seriösen Angaben zu tun oder eher einer wahllosen und nicht nachvollziehbaren Adressangabe eines Postfaches in Mittelamerika? Oder ist vielleicht sogar gar kein Impressum vorhanden? Nicht vorhandene Ansprechpartner sind eher kritisch einzuordnen. Ist ein „About me / Über uns” vorhanden? Diese Angaben sind oftmals sehr hilfreich. Und das ist bei dem Angebot der Webseite „Berliner-Express” der Fall, es gibt einen Teil, der sie selbst beschreibt.

Hier erfährt man, dass es sich bei der Webseite um ein Satireangebot handelt, welches sich nach eigenen Angaben neben dem Postillon und der Tagespresse etablieren will. Ferner haben die Betreiber, analog der Kürzel von presseagenturen wie (dpa), ihr eigenes Kürzel geschaffen, mit dem die Artikel eingeleitet werden. Es handelt sich in diesem Falle um das Kürzel (fna), welches für „Fake News Agency“ steht.

Lediglich das Impressum der Webseite gestaltet sich ein wenig intransparent, hier dürfte ein wenig Nachbesserung notwendig sein, denn die Portale, mit denen der Vergleich gezogen wird (also Postillon und Tagespresse), habe ein durchweg transparentes Impressum.

Prinzipiell greift Mimikama keine Satire auf, um auf Satire hinzuweisen. Bei Satire handelt es sich übrigens auch nicht um eine Form der Fake-News, sondern Satire ist eben eine Satire und auch als solche zu konsumieren. Wir behandeln Satireseiten zumeist dann, wenn die Quelle nicht deutlich als Satire erkennbar ist, sie eine Scheinsatire betreibt oder es sich, so wie hier, um eine junge und noch kaum bekannte Webseite handelt. Problemfall hier: andere Webseiten haben diesen Inhalt des Berliner Express bereits übernommen, ohne dass dort der satirische Zusammenhang deutlich wird oder die Quelle genannt wird (vergleiche hier).

 

[vc_message message_box_color=“green“ icon_fontawesome=“fa fa-check“]MERKE: Berliner Express = Satire[/mk_info]

Oft passiert es, dass Leser/innen nur beim so genannten “Teaser” (Facebookvorschau) hängenbleiben und den Inhalt oft gar nicht selbst auf seinen Charakter prüfen.

Dabei kann es sehr einfach sein, einer Satire nicht auf den Leim zu gehen.

 

Welche Fragen sollte man sich als Leser/in stellen?

  • Wer schreibt? (Impressum)
  • Welchen Charakter hat die Webseite?
  • Welcher Gattung gehört der vorliegende Text an? (entsprechende Anmerkung über dem Inhalt oder unter dem Inhalt vorhanden?)

Darauf basierend knüpfen dann die klassischen Prüfpunkte an (falls überhaupt noch notwendig):

  • Inhaltlicher Gegencheck –> Suchmaschinen nutzen
  • Bildercheck –> Rückwärtssuche

Auch wenn es ein bisschen mehr Arbeit bedeutet, als schier eine Überschrift zu lesen, lohnt es sich am Ende! Allein schon, weil man seine Nerven schonen kann, die eine Empörung in Wallung bringt. Im Notfall Ruhe bewahren! Wer hinter die Kulissen blickt, entdeckt, dass man sich oft gar nicht so sehr in etwas reinzusteigern braucht.


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
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