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Versuchte Zugentgleisung – Medien schwiegen nicht!

Ralf Nowotny, 22. September 2020
Versuchte Zugentgleisung - Medien schwiegen nicht!
Versuchte Zugentgleisung - Medien schwiegen nicht!

Ein 15-jähriger wollte bereits im April einen Zug entgleisen lassen – angeblich schwiegen die Medien darüber.

Am 25. April legte ein Jugendlicher mehrere Betonplatten auf die Gleise einer Bahnstrecke bei Osterhofen, um eine Zugentgleisung herbeizuführen. Glücklicherweise nahm jedoch nur der darüberfahrende ICE Schaden, die Polizei nahm die Ermittlungen auf.

So berichtete die Bundespolizeidirektion München zwei Tage später über den Vorfall und rief Zeugen auf, sich bei der Polizei zu melden, es wurde wegen Gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr ermittelt.

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Täter ermittelt

Vereits vier Tage später, am 29. April, wurde der Täter ermittelt: Es handelte sich um einen 15-jährigen Jugendlichem mit syrischer Staatsangehörigkeit.

Die Medien schweigen?

In einem Artikel, der zur Zeit wieder kursiert und auf den 6. Mai datiert ist, wird behauptet, dass  die „Merkel-Presse“ den Vorfall und den Tatverdächtigen verschweigen würden.

Die Medien schweigen?
Die Medien schweigen?

Zusätzlich scheinen die Schreiber auch noch bei der Vernehmung des Jugendlichen dabeigewesen zu sein, wie sonst könnten sie schreiben, dass der 15-jährige die Tat „ganz locker und ohne Anzeichen von Reue“ gestanden hätte?

Von Schweigen keine Spur

Bereits einen Tag vorher, am 5. Mai, berichteten nicht nur der Bayerische Rundfunk, der in dem Artikel sogar verlinkt wurde, darüber, sondern unter anderem die Süddeutsche Zeitung, Passauer Neue Presse, RND, idowa, Bild, Spiegel, Oberpfalz Aktuell, Donaukurier und OVB.

Mehrere regionale und überregionale Seiten berichteten also nicht nur über den Vorfall, sondern erwähnten auch, dass es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen 15-jährigen syrischen Jugendlichen handelte.

Ebenso wurde auch erwähnt, dass die Anklage auf Versuchten Mord erweitert wurde, über das Verhör wurde lediglich geschrieben, dass der Jugendliche die Tat „weitgehend gestanden hat“.

Google ist Dein Freund

Wir möchten die Tat und das mögliche Motiv des Jugendlichen keinesfalls verharmlosen!

Was wir allerdings anprangern, sind Lügen und Falschbehauptungen:

  • Bereits einen Tag vor dem tendentiell hassschürenden Artikel berichteten zahlreiche Medien von der Ermittlung des Täters
  • Auch wurde seine Nationalität genannt, ebenso die Erweiterung der Anklage auf versuchtem Mord
  • Nicht bekannt ist hingegen, wie der Jugendliche zu seiner Tat steht, die Behauptung, er habe die Tat „ganz locker und ohne Anzeichen von Reue“ gestanden, ist eine reine Mutmaßung

Das hätte auch jene Seite und jeder Nutzer ganz locker durch die Nutzung von Google herausfinden können, doch Leser solcher Seiten erkundigen sich eher selten in anderen Quellen.

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Oberstaatsanwalt empört

Wie PNP berichtet, ist der leitende Oberstaatsanwalt Rudolf Helmhagen in Deggendorf „empört“ und „stinksauer“ über den tendenziösen Artikel von „europastatteu“.

So werden folgende falsche Punkte an dem Artikel kritisiert:

  • Der ICE entgleiste nicht, trotzdem zeigt das Artikelbild einen entgleisten Zug (der nicht einmal ein deutscher Zug ist)
  • Bei dem Jugendlichen auf dem Artikelbild handelt es sich nicht um den Täter
  • Die Behauptung, der Täter habe die Tat „ganz locker und ohne Anzeichen von Reue gestanden“ entspricht keinesfalls den Tatsachen
  • Zum Motiv, der Täter habe die Tat „gegen Ungläubige“ gerichtet, wisse man noch gar nichts
  • Der Täter stellte die Tat als „Jugendstreich“ dar, was aber mit Skepsis zu betrachten ist . es gibt aber auch keine Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund
  • Der Oberstaatsanwalt gab mehreren Medien Interviews zu den Ermittlungen, der Vorwurf der schweigenden „Merkel-Presse“ ist somit auch nicht haltbar
  • Einzig korrekt ist, dass der Jugendliche einen Pflichtverteidiger bekam – was allerdings auch jedem Deutschen zusteht und in der Europäischen Menschenrechtskonvention festgelegt ist

Fazit

Die Tat an sich und das mögliche Motiv sind schlimm genug. Ist es da wirklich nötig, noch zusätzlich Öl ins Feuer zu gießen, indem man einen Artikel mit Lügen und Falschbehauptungen aufbauscht?

Artikelbild: Teile der Betonplatten, über die ein ICE am Bahngleis bei Osterhofen gefahren ist, Quelle: PP


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