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Zeitungsausschnitt „Warnings of Virus in 1981“ – der Faktencheck

Kathrin Helmreich, 28. April 2020
Zeitungsausschnitt "Warnings of Virus in 1981" - der Faktencheck
Zeitungsausschnitt "Warnings of Virus in 1981" - der Faktencheck

Ein Zeitungsausschnitt besagt, ein Buchautor habe bereits 1981 vor dem neuen Coronavirus gewarnt und auch eine Prophezeiung aus 2008 sei eingetreten. Das steckt dahinter:

Erneut erreichen uns Anfragen zu einem Zeitungsausschnitt auf Englisch, dessen Titel auf Deutsch in etwa „Warnung vor dem Virus in 1981“ bedeutet.

So sollen zwei Autoren den Ausbruch des Coronavirus bereits schon vor Jahrzehnten vorhergesagt haben. Zum einen geht es hier um den Thriller „The Eyes of Darkness“ von Dean Koontz und dem Buch „End of the Days“, das von einer amerikanischen Hellseherin namens Sylvia Browne stammt.

Screenshot Anfrage an mimikama.at
Screenshot Anfrage an mimikama.at

WARNINGS OF VIRUS IN 1981

TWO authors appeared to predict corona virus decades before the outbreak.
Dean Koontz’s thriller The eyes of the darkness, published in 1981, tells the story of a lethal man-made virus in Wuhan – the same Chinese city where coronavirus broke out.
In another spooky coincidence, the doomsday book End of the days – written by American psychic Sylvia Browne and published in 2008 – predicted there would be a pneumonia-like global pandemic in 2020.

Zum einen gibt es also ein Buch, dass 1981 die Geschichte eines tödlichen, von Menschenhand geschaffenen Virus in der chinesischen Großstadt Wuhan erzählt, und zum anderen eine Prophezeiung, die 2008 in einem weiteren Buch veröffentlicht wurde und für 2020 eine lungenentzündliche globale Pandemie vorhersagt.

Der Faktencheck

Wie Kollege Ralf schreibt, stammt der Artikel aus dem englischen Boulevardblatt „Daily Star“ und erschien am 20. Februar 2020. Diese Zeitung publizierte unter anderem auch, dass Elvis noch lebt und ein Zeitreisender ein Foto aus 2118 mitbrachte.

Sehen wir uns nun den genannten Roman „The Eyes of Darkness“ von Dean R. Koontz an, der damals unter dem Pseudonym „Leigh Nichols“ schrieb. Das Buch erschien erstmals 1981 und handelt von einer Frau, die auf der Suche nach ihrem vermeintlich toten Sohn ist. Dieser wird in einem unterirdischen Versuchslabor gefangen gehalten, um einen tödlichen Virus an ihm zu testen. So geht es eigentlich nicht direkt um den Virus selbst, sondern um diese Frau und ihre Suche.

Das Virus wird in der englischsprachigen Ausgabe das erste Mal in Kapitel 39 erwähnt, wo er im Original noch „Gorki-400“ heißt. Er wurde erst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 in der Neuauflage in „Wuhan-400“ umbenannt. Auch unterscheidet sich dieses fiktive Virus in einigen Punkten dem neuen Coronavirus – man stirbt spätestens 24 Stunden nach der Infektion, die Sterblichkeitsrate liegt bei fast 100 Prozent und es greift den Gehirnstamm an.

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Und nun zum Buch „End of Days: Predictions and prophecies about the end of the world“ von Sylvia Browne, welches erstmals 2008 erschien. Hier findet sich folgender Abschnitt:

Um das Jahr 2020 wird sich eine schwere, lungenentzündungsähnliche Erkrankung über den ganzen Globus ausbreiten, die die Lunge und die Bronchien angreift und sich allen bekannten Behandlungen widersetzt.

Nachdem die Vorhersagen des Buches über das Jahr 2012 (Ende des Maya-Kalenders) nicht zutreffend waren, erhielt es keine Neuauflage mehr. Das heißt, die Prophezeiung über den Virus ist nur eine von vielen in diesem Buch. Angeblich sollte es seit 2012 eine Heilung für Lähmung und Parkinson geben, und 2020 werde Blindheit der Vergangenheit angehören.

Die Vorhersage wurde nur wenige Jahre nach dem Ausbruch des SARS-Virus getroffen. Sieht man sich die Abstände an, in denen Viren der Coronafamilie in etwa aufgetaucht waren, könnte es sich hierbei auch um einen „statistischen Glücksgriff“ handeln. (siehe Absatz SARS und MERS)

Und auch wenn es noch keinen Impfstoff gegen COVID-19 gibt, kann die Krankheit sowohl mild als auch schwer verlaufen. Bei vereinzelten Patienten in Thailand erzielte eine Mischung verschiedener Medikamente recht gute Ergebnisse. Auch wenn das noch lange nicht bedeutet oder beweist, dass es ein Heilmittel für COVID-19 gibt, ist es beileibe nicht so, dass sich das neue Coronavirus „allen bekannten Behandlungen widersetzt“.

Unsere ausführlicheren Artikel in dem Zusammenhang findest du hier:

Fazit:

Der Artikel der „Daily Star“ kann als Sensationsmeldung ohne faktische Basis eingestuft werden.


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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