Das Ende der „YouTube-University“ via Empfehlungen?

Andre Wolf, 28. Januar 2019
Artikelbild von Ink Drop / Shutterstock.com
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Wer kennt es nicht? Man startet ein Video auf YouTube und die empfohlenen Folgevideos zeigen sich als recht eigentümliche Kreationen.

Speziell dann, wenn die Inhalte etwas mit Pseudomedizin oder Verschwörungstheorien zu tun haben. Auf YouTube gibt es unzählige Videos, die man häufig gar nicht zu Gesicht bekommen würde, wenn man nicht zufällig durch die automatischen Empfehlungen dort hineinrutscht.

Empfehlungen auf Youtube sind ja grundsätzlich ok, gerade wenn es darum geht, einen neuen Song zu finden oder sich von einer Rezeptidee zur anderen treiben zu lassen. Deshalb aktualisiert YouTube das Empfehlungssystem und will sicherstellen, dass Videos vorgeschlagen werden, die die Leute tatsächlich sehen wollen. Und nun will YouTube weiter daran arbeiten und informiert über den eigenen offiziellen Blog zu diesem Thema.

Bereits vor einigen Jahren seien Nutzerinnen und Nutzer beispielsweise von Clickbait-Videos und deren irreführenden Titeln und Beschreibungen verärgert („Sie werden nicht glauben, was als nächstes passiert!“). YouTube reagierte, indem das System bearbeitet wurde. Die Videos sollten stärker nach Nutzervorlieben eingeblendet werden und somit die unsinnigen Clickbait-Videos verschwinden.

Diese Verbesserungen sollen nun fortgeführt werden, einschließlich einer genaueren Prüfung von Inhalten, die dicht an der Grenze zur Verletzung der Gemeinschaftsleitlinien gelagert ssind, diese jedoch noch nicht überschreiten. Zu diesem Zweck hat YouTube angefangen, Empfehlungen von grenzwertigen Inhalten und Inhalten, die die Nutzer auf schädliche Weise falsch informieren könnten, zu reduzieren – wie Videos, die für ein falsches Wundermittel gegen eine schwere Krankheit werben, oder jene Videos die behaupten, die Erde sei flach. Aber auch Videos, die eklatante falsche Behauptungen über historische Ereignisse wie den 11. September aufstellen.

Nach Angaben von YouTube dürfte diese Verschiebung für weniger als ein Prozent der Inhalte auf YouTube gelten, jedoch geht man davon aus, dass die Einschränkung der Empfehlung dieser Art von Videos ein besseres Erlebnis für die YouTube-Community bedeuten wird. Diese Veränderung betrifft nur Empfehlungen, welche Videos angeschaut werden sollen, nicht, ob ein Video auf YouTube verfügbar ist.

Weiterhin können die Nutzer auf alle Videos zugreifen, die den Community-Richtlinien entsprechen, und wenn relevant, können diese Videos in Empfehlungen für Kanalabonnenten und in Suchergebnissen erscheinen. YouTube ist an dieser Stelle der Ansicht, dass diese Änderung ein Gleichgewicht zwischen der Aufrechterhaltung einer Plattform für freie Meinungsäußerung und der Wahrnehmung unserer Verantwortung gegenüber den Nutzern herstellt.

In der offiziellen Mitteilung gibt YouTube an, dass diese Veränderung auf einer Kombination aus maschinellem Lernen und realen Menschen beruhe. YouTube arbeitet mit menschlichen Gutachtern und Experten aus den gesamten Vereinigten Staaten zusammen, um die maschinellen Lernsysteme zu trainieren, die diese Empfehlungen generieren. Diese Gutachter werden nach öffentlichen Richtlinien geschult und liefern einen kritischen Beitrag zur Qualität eines Videos. So lautet es zumindest aus der Information des YouTube-Blogs.

Zunächst wird es sich jedoch nur um  eine schrittweise Änderung auf die Empfehlungen einer sehr kleinen Anzahl von Videos in den Vereinigten Staaten handeln. Im Laufe der Zeit, wenn die Systeme genauer werden, werden diese Änderung in weiteren Ländern eingeführt.

Und wird es was bringen?

Zumindest dürfte ein ungewollter Einstieg in eine Reihe von sehr fragwürdigen Videos verhindert werden. Also eine Verhinderung der „Anfangsverschwurbelung“ bei Leuten, die sich von Empfehlung zu Empfehlung klicken.
Allerdings erscheinen die Videos ja immer noch, wenn man direkt die Suchworte eingibt, somit isses zwar niedlich, aber im Endeffekt wird es nicht viel bewegen

via YouTube

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