Windkraftanlagen: Abriss nicht zwangsläufig wegen Subventions-Wegfall

Charlotte Bastam, 25. November 2020
Shutterstock / Tobias Arhelger
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Wegen einer Facebook-Seite könnte man diesen Eindruck aber erhalten. Angeblich, weil die Förderung der EEG für einige Anlagen ausläuft. Doch so einfach ist das nicht.

Der Post ist bereits älter, doch die irreführenden Behauptungen daraus geistern immer noch durchs Netz. Am 21. Januar postete die Facebook-Seite ein Bild mit dem Schriftaufzug: „Abriss alter Windräder: Tonnenweise Sondermüll“. Als Quelle wird ein NDR-Artikel angegeben, bei dem es um den Rückbau alter Windkraftanlagen geht. Laut CORRECTIV wurde die Seite bereits gelöscht, doch bis dahin wurde der Beitrag über 18.000 Mal geteilt.

Die zentralen Behauptungen aus dem Post fokussieren sich darauf, dass Windräder nicht mehr rentabel sind, sobald Subventionen auslaufen, wobei die Windkraftanlagen noch funktionsfähig sind, beim Abriss entstehe tonnenweise Sondermüll und der Abriss sei kostengünstiger als der Weiterbetrieb. Doch wie sich herausstellt, sind die Aussagen nur teilweise richtig, jedoch auch teilweise falsch oder unbelegt.

Um die Aussagen zu prüfen, hat Correctiv einen Faktencheck unternommen und mit dem Bundesumweltamt gesprochen. Demnach ist die bereits im NDR enthaltende Zahl von 6.000 Anlagen falsch. Außerdem sagt der NDR nicht, dass alle Anlagen noch funktionieren würden. Als Gründe für einen Abriss nennt der Artikel, dass die Anlagen ihr Lebensende erreicht hätten, oder dass die EEG-Förderung auslaufe.

Laut Umweltbundesamt gab es 2019 in Deutschland circa 29.000 Windkraftanlagen

Ganz genau lasse sich die Zahl aber nicht bestimmen, da es bei kleineren Anlagen nicht immer klar ist. Auch heißt es gegenüber Correctiv, dass fast alle älteren Anlagen vom Erneuerbare-Energie-Gesetzes (EEG) gefördert werden. Für neuere Windkraftanlagen trifft das nach der Reform 2017 nur noch teilweise zu.

In dem Text des NDR wurde behauptet, dass 6.000 Windkraftanlagen abgerissen werden sollten. Hierfür galt eine Studie des Bundesumweltamts als Quelle. Jedoch sagt jenes gegenüber Correctiv etwas anderes: „Zu Anfang 2021 fallen ca. 4.500 Windenergieanlagen mit einer Leistung 3.762 MW aus der Förderung“. Dennoch weist Petra Weißhaupt vom Umweltbundesamt daraufhin, dass der Rückbau sich als schwierig erweisen könnte. Deswegen wurde bereits ein Konzept entwickelt.

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In Bezug auf das Abschalten der Windkraftanlagen wegen der auslaufenden Förderung durch das EEG teilt Weißhaupt Correctiv mit: „Ein Weiterbetrieb der Anlagen ist auch ohne EEG-Förderung möglich, wenn die erzielbaren Gewinne durch die direkte Vermarktung am Strommarkt die notwendigen Betriebskosten übersteigen“.

Correctiv führt noch Christoph Zipf vom Interessenverband Bundesverband Windenergie an, der die Rentabilität tatsächlich kritisch einschätzt, ob die Betriebskosten der Anlagen durch Strompreise gedeckt werden können.

Dennoch werden Windkraftanlagen nicht einfach abgebaut, weil die Förderung ausläuft. Es kommt vielmehr darauf an ob sie danach noch rentabel sind. Die Subventionen nach dem EEG laufen nun Ende des Jahres 2020 für über 4000 Windkraftanlagen aus. Ob sie dann noch betrieben oder abgebaut werden, richtet sich also mehr an den erzielten Strompreisen.

Was ist mit der Behauptung, der Rückbau sei günstiger als der Weiterbetrieb?

„Der Rückbau einer Anlage ist nicht kostengünstiger als der weitere Betrieb“, erklärt Weißhaupt Correctiv. Denn auch mit dem Rückbau seien gewissen Kosten verbunden, die früher oder später unweigerlich auftreten. (PDF, ab S. 140). Dafür legen die Betreiber Geld zurück – sogenannte Rückstellungen.

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Aber sind sie denn alle noch funktionsfähig?

Auch dazu hat Correctiv eine Antwort von Weißhaupt erhalten: „Selbstverständlich gibt es in Deutschland defekte Windenergieanlagen. Für gewöhnlich nehmen Betreiber in einem solchen Fall Reparaturen vor und stellen die Funktionstüchtigkeit wieder her.“ Somit lässt sich auch die Behauptung „alle noch funktionsfähig“ nicht belegen.

Beim Abbau entsteht aber wohl wirklich tonnenweise Müll. Laut Correctiv handelt es sich aber nur bei einem Teil davon um Sondermüll, der mit Hilfe eines speziellen Verfahrens entsorgt werden muss. Auch wir berichteten bereits über das schwierige Recyceln der Windturbinenräder.


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