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Die WHO sagte nicht, dass COVID-19 nicht gefährlicher als Grippe ist!

Ralf Nowotny, 16. Dezember 2020
Die WHO sagte nicht, dass COVID-19 nicht gefährlicher als Grippe ist!
Artikelbild: Shutterstock.com / Von S_E

COVID-19 soll nicht gefährlicher als die Grippe sein, soll die WHO angeblich behauptet haben.

Auf einem Sharepic wird behauptet, dass die WHO bei einer Sondersitzung am 5. Oktober die Führungsspitze der WHO ankündigte, dass das neue Coronavirus keineswegs so tödlich sei, wie alle vorhergesagt hätten.

Um diesen Text handelt es sich:

Corona nicht gefährlicher als Grippe
Corona nicht gefährlicher als Grippe

Die Behauptung lautet, dass die Weltbevölkerung etwa 7,8 Milliarden Menschen betrage, davon schätzungsweise 10 Prozent mit Corona infiziert seien, also 780 Millionen Fälle.
Da die weltweite Todesrate aber bei etwas über eine Million läge, entspräche die Infektionstodesrate nur etwa 0,14 Prozent.

Somit sei de Todesfallrate 24 Mal niedriger als die von der WHO im März geschätzte Todesfallrate von 3,4 Prozent.

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Die Quelle der Behauptung

Im Text wird die Sondersitzung des Exektivrates der WHO vom 5. Oktober angegeben, welche man sich online ansehen kann (siehe HIER).
Dazu gehe man auf der rechten Seite auf „Session 1“, bei Position 1:01:33 fällt folgender Satz:

„Unseren derzeit besten Schätzungen zufolge könnten etwa zehn Prozent der Weltbevölkerung mit diesem Virus infiziert sein. Dies variiert je nach Land, es variiert von Stadt zu Land, es variiert zwischen verschiedenen Gruppen.“

Die Entstehung der Zahlen

Erstens sei deutlich gemacht, dass es sich bei den 10 Prozent um eine Schätzung handelt, die sogar positiv zu bewerten ist, denn wenn dem so sein sollte, ist die Sterberate tatsächlich ziemlich niedrig, etwa im Grippebereich, wo die Sterberate bei 0,1% – 0,2% liegt.

Als Zweites sei deutlich gemacht, dass die WHO von einer besten Schätzung spricht, also dem bestmöglichen Zustand, der sein könnte, das absolute Optimum.

Nun gibt es aber ein Problem, was das Vergleichen von Corona und Grippe angeht:
Die Anzahl von Corona-Toten sind bestätigt, die Anzahl der Grippe-Toten kann jedoch nur geschätzt werden, indem man die Übersterblichkeit betrachtet und eine Dunkelziffer hinzuzieht.

Die falsche Berechnung der Corona-Kritiker

Der Fehler schleicht sich an der Stelle ein, wenn die Kritiker die bestätigte Anzahl der Todesfälle auf die geschätzte Anzahl der Infektionen anwenden, weil dadurch eine statistische Unschärfe entsteht – gesicherte Zahlen werden mit geschätzten Werten verglichen.

Hinzu kommt noch, dass im Gegensatz die Zahl der Grippe-Toten ebenfalls nur geschätzt werden kann, während die Zahl der Corona-Toten bestätigt ist.

Die Annäherung an den echten Wert

Je mehr Menschen getestet werden, umso genauer kann die Sterberate bei Corona bestimmt werden. Die bisherigen Ergebnisse variieren allerdings je nach Ort ziemlich stark, so dass man kaum auf eine allgemeine Sterberate bei COVID-19 kommen kann.

Beispielsweise liegt die weltweite Sterberate derzeit bei 2,22%.
Utah in den USA hat eine Sterberate von nur 0,45%.
Die komplette USA hingegen hat eine Sterberate von 1,81%.
Deutschland hat eine Sterberate von 1,69%.
Italien hat eine Sterberate von 3,52%.
(Berechnungen basiend auf den Zahlen vom 16.12.2020)

Die starken Schwankungen beruhen unter anderem auch auf das Durchschnittsalter der Erkrankten und die Behandlungsmöglichkeiten. Italien sticht da beispielsweise stark hervor, da auch das Durchschnittsalter dort höher ist, vor zwei Monaten gab es dort noch eine Sterberate von 9,53%.

Und wenn die WHO-Schätzung richtig ist?

Nochmal: Die WHO geht von einer bestmöglichen Schätzung aus. Wenn diese sich bewahrheiten sollte, was aufgrund der bisherigen Werte mehr als optimistisch ist, gibt es aber noch ganz andere Probleme, da ein Vergleich von Corona und Influenza hinkt.

  • Der Impfstoff gegen COVID-19 ist noch sehr neu, während gegen die Grippe nicht nur Impfungen, sondern auch eine gewisse Grundimmunität besteht
  • COVID-19 bricht zumeist sehr viel später als eine Grippe aus, Infizierte können tagelang andere infizieren, ohne von der Erkrankung zu wissen
  • Der Krankheitsverlauf bei COVID-19 ist oftmals schwerer als bei Grippe
  • Immer öfter werden Folgeschäden durch COVID-19 festgestellt, die es bei einer Grippe eher selten gibt

Fazit

Nicht nur, dass der Vergleich von geschätzten Werten mit realen Werten eine statistische Unschärfe erzeugt (es fehlt beispielse dann eine Dunkelziffer von Menschen, die an Corona starben, von denen man aber nichts weiß), ist auch der Vergleich mit der Grippe nicht sehr sinnvoll.

Weitere Quellen: schwäbische, nu

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