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Die WHO änderte nicht das COVID-19 PCR-Testverfahren!

Ralf Nowotny, 2. Februar 2021
Die WHO änderte nicht das COVID-19 PCR-Testverfahren!
Artikelbild: Drazen Zigic / Shutterstock

Einschlägige Seiten behaupten, am Tag der Amtseinführung Bidens habe die WHO das COVID-19 PCR-Testverfahren geändert – Die Pandemie wäre folglich praktisch vorbei.

Diverse einschlägige Seiten sowie Sharepics verbreiten die Behauptung, die WHO habe nun schlagartig das PCR-Testverfahren auf COVID-19 geändert. Auch wird hervorgestellt, dass dies am Tag der Amtseinführung von Joe Biden als US-Präsident geschah.

Dies sorgt natürlich auch sogleich für Verschwörungstheorien:
Die WHO habe dies getan, damit mit Biden als Präsident die Corona-Fallzahlen in den USA schlagartig fallen und er dann als Bezwinger der Pandemie gefeiert werde. Dies würde jedoch voraussetzen, dass die WHO tatsächlich das Testverfahren änderte…..

Die Schlagzeilen diverser Seiten und Sharepics
Die Schlagzeilen diverser Seiten und Sharepics

Jene Seiten sind sich darüber einig, dass die WHO in einer Information vom 20. Januar, welche von den meisten Seiten sogar verlinkt wurde, bestätigt, dass das Testverfahren geändert wurde und somit automatisch weniger Menschen positiv auf COVID-19 getestet wurden.

Was die WHO tatsächlich mitteilte

Mit dem Datum vom 20. Januar 2021 veröffentlichte die WHO die angesprochene Information (siehe HIER). Sie bezieht sich auf Nukleinsäuretest-Technologien (NAT), die die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) zum Nachweis von SARS-CoV-2 verwenden.

Dies ist übrigens keine komplett neue Mitteilung: Bereits am 14. Dezember (siehe HIER) veröffentlichte die WHO eine Information mit der gleichen Thematik; die neue Information, welche die alte ersetzt, spezifiziert sie aber nochmal – also eigentlich hätten jene Seiten schon im Dezember die Behauptung aufstellen können.

Kommen wir aber zum wichtigen Punkt: Was steht da nun genau?
Für die Ungeduldigen hier die ultimative Kurzfassung der Aussage der WHO-Information:

RTFM – Read The Fucking Manual

Natürlich formuliert die WHO dies gediegener. Die Beschreibung des Problems lautet:

„Die WHO bittet die Anwender, bei der Interpretation der Ergebnisse für Proben, die mit der PCR-Methode getestet wurden, die Gebrauchsanweisung (IFU) zu beachten.“

Sie weisen darauf hin, dass die Zyklusschwelle, der sogenannte Ct-Wert, welche zum Virusnachweis benötigt wird, umgekehrt proportional zur Viruslast eines Patienten ist.
Sprich: Je höher die Zyklusschwelle für einen Nachweis ist, umso weniger Viren sind noch vorhanden.

Da aber mit einem genügend hohen Zyklus zu viele positive PCR-Tests entstehen würden, sollten Patienten, deren klinisches Bild nicht mit dem Testergebnis übereinstimmen, nochmals getestet werden, die Ergebnisse neu ausgewertet werden.

Zudem empfieht die WHO den Laboren zu überprüfen, ob die Hersteller eines Testgerätes eine manuelle Anpassung der PCR-Positivitätsschwelle empfehlen.

Warum erinnert die WHO daran?

Für eine solche Information muss es ja auch einen Grund geben. Also fragte AFP direkt bei der WHO an (siehe HIER), warum es nötig ist, auf die Gebrauchsanleitung der PCR-Geräte hinzuweisen.

Die Antwort der WHO lautet:

„Seit Anfang 2020 hat die WHO 10 Berichte über Probleme im Zusammenhang mit PCR-Tests für den Nachweis von SARS-CoV-2 erhalten… Die Berichte betrafen Fehldiagnosen, sowohl falsch positive als auch falsch negative Ergebnisse.

Nach eingehender Untersuchung bestätigte die WHO, dass die Tests nicht immer sachgemäß und entsprechend den Anweisungen des Herstellers verwendet wurden.

Insbesondere stießen die Anwender in den Laboren auf Probleme mit diesen Tests, wenn sie nicht den empfohlenen Positivitätsschwellenwert anwandten – dies kann entweder zu falsch negativen Ergebnissen (wenn der angewendete Schwellenwert niedriger ist) oder zu falsch positiven Ergebnissen (wenn der Schwellenwert höher ist) führen.

Am 14. Dezember 2020 gab die WHO eine Informationsmitteilung heraus, um zu erklären, was passiert war, und empfahl die korrekte Verwendung von Anweisungen. Die Bekanntmachung mit denselben Empfehlungen wurde am 20. Januar 2020 mit einigen sprachlichen Änderungen erneut herausgegeben, um eine größere Klarheit zu gewährleisten.“

Der WHO wurden also 10 (in Worten: Zehn!) Berichte über falsch-positive oder falsch-negative Ergebnisse mitgeteilt. Nicht sonderlich viele, wenn man bedenkt, dass die WHO bereits knapp 297 Millionen Testergebnisse verzeichnet hat (siehe HIER).

Doch natürlich kennt man die Dunkelziffer nicht, also falsche PCR-Ergebnisse, die der WHO nicht mitgeteilt wurden, weswegen es natürlich ratsam ist, dass erneut auf die Feineinstellungen der Geräte hingewiesen wird.

Fazit

Mit der veröffentlichten Information, die auch brav in den meisten Artikeln darüber verlinkt wurde, änderte die WHO nicht das PCR-Testverfahren, sondern wies darauf hin, dass bei den vielen, unterschiedlichen Geräten auch die Gebrauchsanweisungen beachtet werden müssen.

Auch aus diesem Grund gibt es keinen einheitlich festgelegten Ct-Wert (wie gerne behauptet wird). Den könnte die WHO gar nicht festlegen, da dazu die PCR-Testgeräte viel zu unterschiedlich sind: Für das Ergebnis eines Geräts mit einem Ct-Wert von 20 braucht ein anderes Gerät vielleicht 35 Zyklen.

Bei den Schlagzeilen, dass die WHO das PCR-Testverfahren plötzlich änderte und die Pandemie damit faktisch vorbei sei, handelt es sich somit um reine Falschbehauptungen.

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