West-Nil-Virus – Was man darüber wissen muss

Ralf Nowotny, 25. Oktober 2019
Das West-Nil-Virus

Zum derzeitigen Stand wurde bereits bei drei Personen eine Infektion mit dem West-Nil-Virus nachgewiesen. Wie gefährlich ist das Virus, wie verbreitet ist es?

In den letzten Tagen berichten viele Medien darüber, dass sich wahrscheinlich Hunderte mittlerweile mit dem West-Nil-Virus angesteckt haben, ohne überhaupt davon zu wissen. Da solche Schlagzeilen verständlicherweise beunruhigen, möchten wir hier die wichtigsten Fakten und den derzeitigen Stand der Dinge zusammenfassen.

Woher kommt das Virus?

Erstmals wurde das Virus 1937 im West-Nile-District von Uganda bei einer älteren Frau entdeckt, daher trägt es auch den Namen „West-Nil-Virus“. In den 1960er-Jahren trat es erstmals in Europa in Erscheinung, damals allerdings hauptsächlich bei Pferden.

Wie wird das Virus übertragen?

Hauptsächlich Vögel tragen das Virus in sich. Übertragen wird es von Mücken, die sich an Vögeln infizieren, welche vorher infizierte Mücken fraßen. In anderen Tieren, wie beispielsweise Pferden, kann sich das Virus nicht sehr gut entwickeln, es gibt somit keine Ansteckungsgefahr von Pferden zu Menschen. Auch Menschen sind sogenannte Fehlwirte: Mücken können das Virus nicht durch den Stich eines Menschen bekommen und dann weitertragen.

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Wie kam das Virus nach Europa?

Mit aller Wahrscheinlichkeit nach durch Zugvögel. Mücken sind eher weniger dafür bekannt, Kontinente zu überqueren, Zugvögel jedoch haben sich anscheinend mit dem Virus während ihrer Überwinterung in Afrika infiziert und das Virus mit nach Europa gebracht.

Bereits 1999 wurden die ersten Fälle von Infektionen in der westlichen Hemisphäre registriert. Dr. Deborah Asnis entdeckte das Virus bei zwei Patienten in einem Krankenhaus in Queens, die an Lähmungen litten.

2004 gab es erste Fälle in Ungarn, 2009 tauchte das Virus dann bei Vögeln in Österreich auf, wie Norbert Nowotny, klinischer Virologe der Universität für Veterinärmedizin in Wien, der Wiener Zeitung berichtete. Damals war die „österreichische Variante“ des Virus für Menschen aber noch eher ungefährlich.

2018 wurde in Deutschland das Virus erstmal bei Tieren in Deutschland festgestellt, im August 2019 wurde dann die erste, nachweisbare Infektion bei einem Menschen entdeckt.

Wie können sich Menschen infizieren?

Hauptsächlich dadurch, dass sie von einer Mücke gestochen werden, die das Virus in sich trägt. Aber auch durch Organtransplantationen und Bluttransfusionen kann das Virus übertragen werden. Blutspendedienste und Ärzte können sich deshalb auf den Seiten des ECDC immer aktuell informieren, in welchen Regionen das Virus aufgetaucht ist und gemeldet wurde.

Wie gefährlich ist eine Infektion?

Knapp 80 Prozent aller Infektionen verlaufen ohne jegliche Symptome, weswegen diese auch nicht erkannt und untersucht wurden. Bei etwa 20 Prozent der Infizierten kommt es zu milden Symptomen wie Fieber und Hautausschlag; ebenfalls in den wenigsten Fällen ein Grund, den Arzt aufzusuchen.

In etwa 1 Prozent aller bisher aufgetretenen Fälle jedoch kann es zu schweren Neuroinfektionen kommen. Betroffen davon sind zumeist ältere Menschen mit Vorerkrankungen, wie beispielsweise der erste, entdeckte Patient in Deutschland, ein 70-jähriger Mann aus Sachsen, der durch das Virus an einer Hirnhautentzündung erkrankte, mittlerweile aber wieder genesen ist.

Die beiden anderen Patienten, beide aus Leipzig und Umgebung, sind allerdings erst 35 Jahre alt. Sie werden auf Verdacht gegen das Virus behandelt, zum jetzigen Zeitpunkt wurde es allerdings noch nicht abschließend diagnostiziert.

Kann man sich gegen eine Infektion impfen?

Seit über 20 Jahren wird bereits an einem Impfstoff gegen das West-Nil-Virus geforscht. Zwar gingen in der Zeit mehrere Impfstoffe in die klinische Testphase, jedoch gibt es bis heute keine wirksame Impfung, so Sebastian Ulbert vom Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie, Abteilung für Immunologie.

Problematisch bei der Entwicklung eines Impfstoffs ist unter anderem auch die hohe Fähigkeit des Virus, zu mutieren und eventuell irgendwann auch auf anderem Wege übertragbar zu sein, was eine eventuelle Epidemie extrem unvorhersehbar macht. Auch sind die Kosten für die zumindest halbwegs wirksamen Impfstoffe, die bisher getestet wurden, immer noch extrem hoch, sprich: Sie würden viel kosten, der Nutzen ist aber sehr unsicher.

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Fazit

Durch die verbreitete Übertragung ist es tatsächlich möglich, dass bereits Hunderte mit dem Virus infiziert sind. Die meisten Menschen werden dies nicht mitbekommen, aber etwa 1 Prozent kann daran ernsthaft erkranken. Da das Virus auch irgendwann mutieren kann, besteht ebenfalls die theoretische Gefahr, dass sich diese Zahl noch steigert.

Ein Grund zur Panik ist dies jedoch nicht. Frühzeitig erkannt, können durch das Virus ausgelöste Erkrankungen behandelt werden, es kommt also nicht zwangsläufig zu Todesfällen.

Zwischen Juli und September 2019 wurde das Virus bei insgesamt 37 Vögeln und 5 Pferden in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen nachgewiesen. Da zudem nun im Herbst die Anzahl der Stechmücken stark zurückgeht, ist eine Infektion mit dem West-Nil-Virus derzeit sehr unwahrscheinlich.

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