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Werden gerade fast alle Facebook-Konten gehackt?

Ralf Nowotny, 10. September 2018

In einem Facebook-Beitrag wird behauptet, dass derzeit fast alle Facebook-Konten gehackt werden. Der Text soll in Kettenbrief-Manier kopiert und somit weiter verteilt werden.

Um jenen Text handelt es sich:

„Wichtiger Hinweis!
Gerade passiert (!), deshalb bitte lesen:
Aufgepasst, fast alle Facebook Konten wurden oder werden gehackt. Das Profilbild und Euer Name wird dazu verwendet um ein neues FB-Konto zu eröffnen. Dann versuchen sie Eure Freunde zu überreden, Euch als Freund erneut zu adden… und voilà, sie versuchen Euer Leben zu ruinieren! Eure Freunde werden denken, es ist Euer Konto und akzeptieren die Freundschaftsanfrage. Von diesem Moment an können diese Piraten in Eurem Namen schreiben was immer sie wollen…
Ich teile Euch heute mit, das ich KEIN neues Konto eröffnen werde, also akzeptiert bitte keine zweite Einladung von mir!
Kopiert und postet diese Nachricht auf Eure Startseite, damit Eure Freunde gewarnt sind. Nicht weiterleiten oder teilen, sondern kopieren und posten.
Es gibt außerdem offenbar ein neues Hackerhobby auf Facebook:
Negative, beleidigende Kommentare werden zwischen den Kommentaren Deiner Kontakte oder Freunde gesetzt.
Diese Kommentare sind gemein, teils primitiv, und scheinen von Dir zu stammen. Du kannst sie nicht sehen – Deine Freunde hingegen schon. Dies kann zu einem bösen Missverständniss führen.
Falls Ihr als meine Freunde/Kontakte etwas Widerliches oder Beleidigendes in Zusammenhang mit meinem Namen entdecken solltet: ES STAMMT NICHT VON MIR!
Kopiert diesen Text und stellt ihn als Warnung auf Eure FB-Seite“

Die Kurzfassung: Betrüger kopieren Facebook-Profile und schreiben dann mit jenem Profil die Freunde an und/oder geben beleidigende Kommentare ab.

Die Profile wurden und werden nicht gehackt, sondern kopiert!

Die Methode

Es wird von einem Betrüger eine neue Facebook-Identität mit einem gleichlautenden Namen und dem bislang verwendeten Profilbild + Titelbild erstellt.

Danach besucht der Internetbetrüger das Original-Profil und durchforstet die gesamte Freundesliste des Opfers, die dann wiederum erneut eine Freundschaftsanfrage erhalten. Ein Großteil der Nutzer nimmt diese Anfragen auch an, denn man “kennt” sich ja.

Bestätigt man diese, eröffnet einem der neue Freund, mittels einer Nachricht, sofort die Bitte nach der Mobilfunkrufnummer und den Zahlencodes, welche unmittelbar nach Preisgabe der Nummer empfangen werden. Dabei ist absolute Vorsicht geboten: Diese kleinen und unscheinbaren Zahlencodes sind bares Geld wert!

Mit der Weitergabe der Zahlencodes wird es den Betrügern möglich, diese bei Zahlungsdienstleistern einzulösen und dadurch die Handyrechnung des Opfers zu belasten. Die alleinige Weitergabe der Handyrufnummer führt jedoch nicht zu einer Belastung der eigenen Mobilfunkrechnung.

Generell ist es wichtig, auch vermeintlichen Freunden – sei es über Messenger oder über soziale Netzwerke – niemals per SMS zugesendete Bezahl- oder Bestätigungscodes weiterzugeben.

Was kann ich dagegen tun?

Zuallererst frag man den Freund bzw. die Freundin, von der man diese vermeintliche erneute Anfrage bekommen hat, ob dieser / diese tatsächlich eine neue Anfrage geschickt hat. Das passiert natürlich am besten von Angesicht zu Angesicht.

Man kann sich auch merken, dass eine erneute Freundschaftsanfrage dann logisch ist, wenn besagter Freund aus der Freundesliste zuvor verschwunden ist – trotzdem sollte man auch in diesem Fall nachfragen.

Eine Anzeige beim jeweiligen Landeskriminalamt legen wir nahe. Angesichts der steigenden Zahlen von Internet-Kriminalität wurden hier Spezialeinheiten aufgebaut. Das sogenannte Cyber Crime Competence Centrum arbeitet technisch hoch professionell und vernetzt.

Die Facebook-Betrugsmasche mit gefälschten Profilen ist den Beamten hinlänglich bekannt. Einigen organisierten Banden konnte so auch schon das Handwerk gelegt werden – auch im Bereich der Facebook-Profil-Kopien.

Dafür sind die Beamten natürlich auf Anzeigen und damit die Mithilfe der Betroffenen angewiesen. Die Dunkelziffer ist nach Angaben des LKA Sachsen bei derartigen Betrugsfällen nach wie vor sehr, sehr hoch.

An dieser Stelle möchten wir Euch aufzeigen wie Ihr in 4 Schritten euer Facebook-Profil so gut es nur geht schützen könnt, damit es eben zu keiner Kopie kommen kann.

1. SUCHE ZUERST NACH EINER KOPIE DEINES KONTOS

Verwende die Facebook-SUCHE und suche einmal deinen Namen. Auch deine Freunde sollten dich bei der Suche unterstützten, denn die Betrüger blockieren meist das ORIGINAL-Profil und so kann es sein, dass es dein Profil 2x gibt, du es aber nicht findest.

Hast du oder einer deiner Freunde eine Kopie entdeckt, dann MELDET das kopierte Profil sofort.

2. VERBIRG DEINE FREUNDESLISTE

Sobald ein Konto die Freundesliste auf “Nur ich” gestellt hat, ist es für die Internetbetrüger bereits uninteressant. Klicke dazu in deinem Profil auf “Freunde” (unter dem Titelbild). Auf der rechten Seite findest du einen “Stift” vor.

Screenshot mimikama.at
Screenshot mimikama.at

Hier kannst du die Einstellungen für deine Freundesliste bearbeiten.

3. POSTE, WENN MÖGLICH, NIE “ÖFFENTLICH”

Es muss nicht immer JEDER alles wissen. Es reicht völlig aus, wenn deine FREUNDE etwas erfahren.
Die Einstellung dafür kannst du direkt im Statusbeitrag festlegen. Dies betrifft reine Textbeiträge, aber auch Fotos und Videos.

Screenshot mimikama.at
Screenshot mimikama.at

4. NIMM BITTE AUCH NOCH FOLGENDE EINSTELLUNGEN VOR:

Inhalte, Kontakte und Suchen

Wer kann deine zukünftigen Beiträge sehen: “Freunde”
Wer kann die Freundschaftsanfragen senden: “Alle” oder “Freunde von Freunden”. Unsere Empfehlung: “Freunde von Freunden”
Wessen Nachrichten sollen in meinem Postfach gefiltert werden: “Strenges Filtern”

Häkchen entfernen

Möchtest du, dass andere Suchmaschinen einen Link zu deiner Chronik enthalten: Häkchen ENTFERNEN

Sichtbarkeit einschränken

Wer kann in deiner Chronik posten: “Freunde”
Markierte Beiträge zuerst prüfen: “Aktiviert”
Wer kann markierte Beiträge sehen: Unsere Empfehlung: “Freunde”
Wer kann sehen, was andere in deiner Chronik posten: Unsere Empfehlung: “Freunde”
Nutzer-Markierungsvorschläge: “Aktiviert”
Deine Handlungen mit Werbeanzeigen kombinieren: “Niemand”

Weiterführende Artikel zu diesem Thema:

Verbraucherzentralen unterstützen!

Betroffene und Ratsuchende können sich zudem in einer der Beratungsstellen der 16 Verbraucherzentralen beraten lassen.

Neben persönlichen Beratungsgesprächen, die für Sachsen unter der Nummer des sachsenweiten Termintelefons 0341-6962929 vereinbart werden können, ist auf der Website der Verbraucherzentrale Sachsen auch eine Email-Beratung möglich.

Eine telefonische Beratung wird ebenfalls gewährleistet. Alle Infos dazu gibt es auf unserer Website: https://www.verbraucherzentrale-sachsen.de/telefonberatung

Wie kann ich mein Profil sicherer machen?

Melde das Profil bei Facebook.

Ruf die jeweilige Chronik / das kopierte Profil auf.

  1. Klicke auf das –“…” Symbol und wähle „Melden“
  2. Wähle „Dieses Konto melden“
  3. Wähle „Diese Chronik täuscht vor, ich oder jemand, den ich kenne, zu sein.“
  4. Klicke nun “Mich” an.
  5. (Hinweis: Sollte der / die Betrüger dein Profil blockiert haben, dann sollen deine Freunde das Profil melden und hier “Jemand, den ich kenne” anklicken.)
  6. Sende dies an Facebook zur Überprüfung.
Screenshot mimikama.at
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Vorsorgen

So etwas kann nur dann passieren, wenn Ihr Eure Freundesliste auf  “ÖFFENTLICH” gestellt habt! Am besten ist es, Ihr stellt diese auf “FREUNDE” – oder wenn man möchte, dass NIEMAND die Freundesliste sieht, auf “NUR ICH” ein!

Screenshot mimikama.at
Screenshot mimikama.at

Ergebnis:

Auch wenn nicht “fast alle” Konten betroffen sind, handelt es sich hier um eine reale Bedrohung.

Also Augen auf bei Freundschaftsanfragen! Denn durch das digitale Zeitalter können wir oft nicht wissen, wer sich wirklich hinter einem Profil verbirgt.


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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