Weihnachtsmarkt im Käfig: Der Faktencheck

Andre Wolf, 2. November 2019
Weihnachtsmarkt Berlin
Weihnachtsmarkt Berlin

Der eingezäunte Weihnachtsmarkt: Ein Sharepic, das auf Facebook und WhatsApp verteilt wird, schafft Unmut zur Weihnachtszeit. Werden Weihnachtsmärkte in Zukunft zum Schutz in Käfigen veranstaltet?

Zumindest bekommt man den Eindruck, wenn man dieses Sharepic anschaut. Es scheint so, als sehe man einen hohen Zaun. Die Aufbauten in Hintergrund lassen tatsächlich auf einen Weihnachtsmarkt schließen. Die Beschreibung zu dem Bild lautet:

Weihnachtsmarkt in Berlin…
So weit ist es gekommen…
Wir feiern Weihnachten in Käfigen

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Die Beschreibung an sich ist in weiten Teilen korrekt. Da man im Hintergrund die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche unschwer erkennen kann, wurde dieses Bild, welches zur folgenden Nachricht auf WhatsApp gehört, in Berlin aufgenommen.

Weihnachtsmarkt im Käfig: Screenshot WhatsApp
Weihnachtsmarkt im Käfig: Screenshot WhatsApp

Der Faktencheck: Weihnachtsmarkt im Käfig

Um genau zu sein, wurde dieses Bild am Breidscheidplatz in Berlin aufgenommen. Das ist der Platz, an dem Anis Amri am 19. Dezember 2016 mit einem Lkw einen Anschlag verübt hatte, bei dem zwölf Menschen getötet und mehr als 70 verletzt wurden (siehe hier).

Das Bild in der WhatsApp-Nachricht ist nicht neu. Es zeigt nicht den aktuellen Aufbau des Weihnachtsmarkts am Breidscheidplatz, sondern wurde bereits während der Aufbauphase des Markts im Jahr 2018 aufgenommen. Es handelt sich dabei um ein Foto das dpa (vergleiche).

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Interessant an dieser Stelle: Das Foto wurde aus einer niedrigen Perspektive aufgenommen. Dadurch wird der Anschein erweckt, dass es sich um einen hohen Zaun handelt. Das ist jedoch nicht der Fall.

Der Weihnachtsmarkt am Breidscheidplatz wurde tatsächlich 2018 besonders gesichert. Im Vorjahr wurde der Weihnachtsmarkt noch mit Betonsperren gesichert, danach wurde jedoch ein Pilotprojekt der Senatsverwaltung für Inneres und Sport angewendet: Zum ersten Mal kamen hier Gitterkäfige zum Einsatz, die mit Sandsäcken gefüllt wurden und somit am Ende ein Gewicht von 3-5 Tonnen erreichen sollten. Aus der „Normalperspektive“ fotografiert erkennt man, dass es sich nicht um einen hohen Käfigzaun handelt, sondern um Gitterkörbe (siehe hier).

Wie man auf den Bildern ebenso erkennen kann, haben diese Körbe in etwa eine Höhe wie die daneben stehenden Sicherheitsbaken. Diese Sicherheitsbaken sind klassischerweise 1,20 – 1,40 Meter hoch (vergleiche).

Dieser Absperrschutz wurde übrigens auch beim Ostermarkt 2019 ebenfalls wieder errichtet und blieb danach stehen, so dass er jetzt beim aktuellen Weihnachtsmarkt wieder zu sehen sein wird. Für die Zukunft soll jedoch ein neues Konzept angewendet werden. Der Tagesspiegel schrieb hierzu im April 2019:

Dass die Barrieren in aktueller Gestalt keine dauerhafte Lösung sein können, stellt keiner der Beteiligten infrage. „Klar ist, dass dauerhafte Sicherungselemente nicht so aussehen können wie diese“, sagte Pallgen, man müsse für den „notwendigen Schutz“ sorgen, dürfe aber „kein Angstszenario durch Sperrelemente“ hervorrufen.

Fazit:

Ja, das Foto ist echt. Aufgrund seiner ungewöhnlichen Perspektive wirken die Gitterkörbe jedoch wie ein hoher Zaun. Die Aussage, dass Weihnachten in Zukunft nur noch in Käfigen gefeiert wird, so wie das Sharepic sagt, ist streitbar, da übertrieben. Selbst in Berlin, wo die Gitterkörbe eingesetzt werden, ist man sich der unschönen Optik bewusst und will diese in Zukunft ändern.

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