Faktencheck: Waldbrände in Tschernobyl, Reaktor in Gefahr?

Kathrin Helmreich, 15. April 2020
Faktencheck: Waldbrände in Tschernobyl
Faktencheck: Waldbrände in Tschernobyl

In der Sperrzone von Tschernobyl brennt es. Viele Menschen machen sich Sorgen, die Flammen könnten die Ruine des Atomkraftwerks erreichen.

In der Sperrzone von Tschernobyl wüten seit 10 Tagen Brände

Diese Waldbrände sollen außer Kontrolle sein und radioaktiven Rauch verursachen.
Regen soll die Brände nun eingedämmt haben. Die ukrainische Regierung sieht keine Gefahr für die Ruinen des Atomkraftwerks.

Aktuell erhalten wir viele Anfragen zu einem Sharepic, wonach unkontrollierte Waldbrände in Tschernobyl wüten. Die Flammen sollen nur mehr 2 Kilometer von „Reaktor 4“ entfernt sein. Es geht dabei um folgendes Bild:

Screenshot mimikama.at
Screenshot mimikama.at

Waldbrände in Tschernobyl nicht unter Kontrolle.
Die Flammen sind nur mehr 2km von Reaktor 4 entfernt.
Durch den Brand der verseuchten Bäume ist die Radioaktivität im Moment 14 mal so hoch als in den letzten 30 Jahren. Zwischen 17. und 19. April geht ein Luftstrom Richtung Europa und nimmt radioaktiven Rauch mit. Ich glaube es macht Sinn zuhause zu bleiben.
Nach 34 Jahren bekommen wir wieder radioaktiv verseuchten Regen in Europa.
Ich bin gespannt was dieses Unglücksjahr noch so alles bringt…

(Video ist vom 13.04.2020)
Quelle: Tschernobyl Private Excursion Tour

Der Faktencheck

Ja, seit 10 Tagen tobte ein Feuer in der Sperrzone von Tschernobyl. Der Tagesschau zufolge, soll es nun jedoch geregnet haben. Noch gibt es aber keine neuen Informationen von Feuerwehrleuten, die die Zone umfliegen und die aktuellen Brände in der Sperrzone feststellen.

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Laut Medienberichten (siehe weiter unten den Punkt „Weitere Quellen“) gäbe es „widersprüchliche Angaben“. Die Regierung beteuert, dass momentan keine Gefahr für die Ruinen des Atomkraftwerks Tschernobyl bestehe. Die radioaktive Grundstrahlung in der Stadt Kiew und in der Region um Kiew sowie der Sperrzone entspräche den Normen.

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Die Menschen bleiben dennoch misstrauisch. Umweltschützer warnen vor der Rauchwolke und viele fühlen sich an die Atomkatastrophe im Jahr 1986 erinnert, als die damalige Sowjetführung versucht hatte, alles möglichst lange geheim zu halten.

In der Ukraine kommt es immer wieder zu Feuer und Waldbränden. Die Polizei vermutet Brandstiftung, nachdem ein 27-Jähriger am 3. April mehrere Haufen von Laub und Zweigen in Brand gesteckt hatte. Die Strafe für illegal entzündete Feuer soll auf umgerechnet mehrere Tausend Euro erhöht werden.

Fazit:

Ja, in der Sperrzone von Tschernobyl kam es in den letzten 10 Tagen immer wieder zu unkontrollierten Bränden, die tatsächlich der Reaktorruine sehr nahe kamen.

Laut Medienberichten soll es nun aber geregnet haben. Die Regierung betont, dass sich das Atomkraftwerk außer Gefahr befindet – dennoch zeigt sich die Bevölkerung sowie Umweltschützer besorgt. Sie warnen vor den Rauchwolken, die nach Kiew ziehen könnten.

Passend zum Thema: Kein Fake: Ausflüge nach Tschernobyl

Weitere Quellen: DiePresse, Kurier, Stern, Die Süddeutsche

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