Wahlmanipulation im Saarland? Nein.

Andre Wolf, 27. März 2017

Derzeit wird in einem Blogartikel behauptet, dass im Saarland auf zwischendurch knapp 250.000 Wahlberechtigte “verschwunden” seien. Zumindest statistisch erscheinen diese vorübergehend angeblich nicht mehr.

Zu dieser These wird ein Screenshot aufgeführt, welcher von der offiziellen Webseite Statistikextern.saarland.de stammt und lediglich 548.990 Wahlberechtigte zeigt. Angeblich solle diese Manipulation aufgefallen sein und gegen 21 Uhr habe man auf der Webseite Statistikextern die Zahlen “angepasst” und auf 774.947 gesetzt.

Nun, dieser Screenshot ist so weit kein Fake, doch dieser Screenshot mit der Angabe von 548.990 Wahlberechtigten ist auch problemlos erklärbar.

Kein Bevölkerungsschwund um 30%

Was in der These wie eine großangelegte Verschwörungstheorie anmutet, erklärt sich bei genauerem Hinschauen im Grunde selbst. In dem Screenshot ist zu lesen, dass es sich um einen Auszählungsstand von lediglich 46 der 52 Gemeinden handelt. An dieser Stelle kann man auf einfache Weise rein rechnerisch bemerken, wo diese fehlenden Stimmen stecken.

Ausgangslage: 548.990 Wahlberechtigte werden für 2017 angezeigt, später sollen es dann auf einmal 774.947 gewesen sein. Dazwischen liegt nun diese Differenz von 225.957 Wahlberechtigten. Wo diese nun herkommen, ist ebenso einfach: sie waren schlichtweg zum Zeitpunkt der Entstehung des ersten Screenshots noch nicht ausgezählt! Wie bereits angemerkt, zeigt der Screenshot auch an, dass 6 Gemeinden fehlen. Darunter auch die bevölkerungsreiche Gemeinde “Saarland”. Es fehlten also:

An dieser Stelle kann man nun ein Rechenprogramm der eigenen Wahl nutzen un bekommt am Ende das folgende Ergebnis: diese 6 Gemeinden ergeben 225.957 Wahlberechtigte.

Da diese Gemeinden während der Entstehung des ersten Screenshots noch nicht ausgezählt waren, konnten sie also auch noch nicht im Gesamttopf der Stimmberechtigten angezeigt werden. Das erklärt die “Lücke und gleichzeitig auch, warum diese wiederum logischerweise aufgefüllt wurde.


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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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