VW-Mitarbeiter stirbt – Kollegen müssen neben Leichnam weiterarbeiten (Faktencheck)

Kathrin Helmreich, 5. März 2020
VW-Mitarbeiter stirbt - Kollegen müssen trotz Leichnam weiterarbeiten (Faktencheck)
VW-Mitarbeiter stirbt - Kollegen müssen trotz Leichnam weiterarbeiten (Faktencheck)

59-Jähriger bricht im Dezember 2019 während der Arbeit in einem VW-Werk tot zusammen. Die Kollegen mussten weiterarbeiten.

VW-Mitarbeiter stirbt – Kollegen müssen wenige Meter von dem Leichnam entfernt weiterarbeiten

Ein Zeitungsausschnitt berichtet von einem Todesfall in einem VW-Werk.
Offenbar mussten die Kollegen bis zur Abholung des Leichnams nur wenige Meter entfernt weiterarbeiten.

Wir erhielten erneut Anfragen zu einem Todesfall, der sich in einem VW-Werk in Wolfsburg zugetragen hat. Mitarbeiter hatten den Vorfall in einer Betriebszeitung geschildert:

Screenshot mimikama.at
Screenshot mimikama.at

VW Wolfsburg Halle 12: Arbeiter stirbt, Produktion geht weiter | arbeitsunrecht in deutschland

Der Faktencheck

Hinweis: Update zu unserem Artikel vom 28. Februar 2020. Eine Quelle des Artikels liegt nun vor.

Wir haben über diesen Vorfall das erste Mal am 28. Februar 2020 berichtet. (siehe hier)

Der Todesfall hatte sich im Dezember 2019 zugetragen. Volkswagen bestätigte diesen in Teilen auf eine Anfrage gegenüber Regional heute. Mediale Bekanntheit erlangte der Fall durch einen auf Facebook und Twitter verbreiteten Ausschnitt eines Zeitungsartikels mit der Überschrift „Grenzenlos pietätlos“. Der Bericht wurde anonym verfasst und berichtet von einem 59-jährigen Kollegen, der während der Nachtschicht am 10.12.2019 im VW-Werk Wolfsburg an Herzversagen verstarb.

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Die Kollegen mussten offenbar zwei Stunden lang neben dem rund 10 Meter entfernten Leichnam weiterarbeiten, der hinter Materialkisten versteckt und mit einer Plane abgedeckt wurde. Der Webseite aktion ./. arbeitsunrecht liegt die entsprechende Ausgabe der Betriebszeitung Vorwärtsgang als pdf vor. Hier kann der Artikel auf Seite 8 eingesehen werden.

Regional heute zufolge erklärt ein Sprecher von Volkswagen, man habe den Leichnam nicht hinter Materialkisten versteckt, sondern mit Fahrzeugen des Werkschutzes von Beginn der Wiederbelebungsversuche, bis zum Abtransport durch den Bestatter, einen Sichtschutz gebildet. Die Zeitung sei ebenfalls bekannt, aber es handele sich um keine Mitarbeiterzeitung, sondern um ein Infoblatt der Marxistischen-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD). Die MLPD distanziert sich jedoch gleichfalls auf Anfrage von Regional heute von der Zeitung, schließt jedoch nicht aus, dass auch Parteimitglieder an dem dort ebenfalls bekannten Blatt mitwirken.

Ein offizielles Statement von Volkswagen steht indessen noch aus.

Fazit:

Ja, im Dezember 2019 war ein VW-Mitarbeiter während seiner Schicht verstorben.

Der Bericht zu dem Vorfall wurde anonym verfasst und erschien in einer Betriebszeitung mit dem Namen Vorwärtsgang. Volkswagen selbst sowie die MLPD distanzieren sich von dem Blatt.


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