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Was sind die Zeiten turbulent. Sondierungsgespräche für eine auf Bundesebene nie da gewesene Koalition laufen, Deutschland ist im Begriff, seine Klimaziele für 2020 zu verfehlen, der dicke Raketengnom Kim Jong-Un aus Nordkorea und der kriegslüsterne US-amerikanische Staatskürbis Trump sind drauf und dran, die Welt in einen Atomkrieg zu stürzen. Und die Leute haben Angst vor dem Zipfelmann bei Penny.

Was sind die Zeiten turbulent. Sondierungsgespräche für eine auf Bundesebene nie da gewesene Koalition laufen, Deutschland ist im Begriff, seine Klimaziele für 2020 zu verfehlen, der dicke Raketengnom Kim Jong-Un aus Nordkorea und der kriegslüsterne US-amerikanische Staatskürbis Trump sind drauf und dran, die Welt mit ihrem nicht einmal in Summe angemessenen Urteilsvermögen in einen Atomkrieg zu stürzen und in der Türkei lässt der rückständige Hobby-Despot Erdogan alles und jeden verhaften, der auch nur im Verdacht steht, ihm und seinem Türkei-über-alles-Weltbild widersprochen zu haben.

Wen mag es da wundern, dass das deutsche Bürgertum sich solchen hochkomplexen Themen, wie die Weltpolitik sie bietet, lieber verschließt und den Blick auf greifbarere Themen richtet.

Und nirgends ist der Deutsche derzeit so verletzlich wie an seiner Kultur. Als die Flüchtlingskrise 2015 ihren Anfang nahm, besann man sich in besorgten Kreisen relativ schnell darauf, dass deutsche Traditionen und Werte bis aufs Blut gegen die muselmanischen Invasoren zu verteidigen seien – unabhängig davon, ob es überhaupt etwas gibt, wogegen man sie verteidigen müsste.

Und damit meinte man es sehr ernst. Betrachten wir hierzu kurz einige Beispiele.



Kreuz da, Kreuz weg

Im Spätsommer bot die Supermarktkette Lidl eine Reihe griechisch angehauchter Produkte an. Die Verpackung zeigte dabei ein Motiv von der griechischen Ferieninsel Santorin. Unter anderem ist darauf eine Kirchenkuppel zu sehen. Jedoch war diese auf dem Bild von Lidl nicht wie im Original mit einem Kreuz auf der Spitze versehen. Dieses hatte man wegretuschiert. Verstehen Sie? WEGRETUSCHIERT! Die Tragweite dieses Sakrilegs ist einigen bis heute nicht klar, aber zum Glück verfügt Deutschland über ein politisches Frühwarnsystem für versuchte Kulturverwässerung. Das Wort hat die buchstäbliche Trümmerfrau Erika Steinbach:

Da haben wir es. “Unterwerfung”. Das Christentum hat verloren, jetzt haben sie uns. Ein eklatanter Eingriff in deutsches Kulturgut. Hier wurde auf unsere hohe Staatsreligion gespuckt, dass es eine Art hat. Der Deutsche verfiel sofort in empörte Raserei. Nunja… nicht sofort, aber sofort nachdem ein belgisches Nachrichtenportal ihn darauf aufmerksam gemacht hat. Zugegeben, eine wirkliche Begründung, warum man die Kreuze auf dem Bild entfernt hat, hat Lidl nicht geliefert. Aber die muslimische Machtübernahme, die uns prophezeit wurde, blieb dann irgendwie auch aus.

Aber das war ja auch noch nicht alles.

1001 besorgte Bürger

Berlin Neukölln. Ein neuer Spielplatz für 220.000 € wurde gebaut. Schick sieht er aus, mit seinen vielen Spiel- und Klettermöglichkeiten. Doch was ist das? Eines der Spielgeräte schließt oben mit einer orientalisch anmutenden Kuppel ab. Darauf thront ein gelber Halbmond.

Und was, frage ich euch, kann das anderes bedeuten als den Beginn (ja, schon wieder) einer umfassenden Islamisierung? Nun beginnt man schon bei Kindern mit der muslimischen Indoktrinierung! Na, wenn das so ist, dann hat man damit zu meinen Kindertagen aber auch schon angefangen, denn auch mir hat meine Mutter seinerzeit die Geschichte von Ali Baba und den 40 Räubern vorgelesen.

Und – man mag es kaum glauben – genau an dieses Märchen ist der Spielplatz angelehnt. Spielplätze mit derlei durch Märchen inspirierten Thematiken seien in Neukölln keine Seltenheit, ließ die Bürgermeisterin dazu verlauten. Nur sei eben die Geschichte von Ali Baba und den Räubern im Gegensatz zu den bisher aufgegriffenen Themen – etwa Pippi Langstrumpf, Käpt’n Blaubär, Robin Hood und dergleichen – nicht der abendländischen, sondern der morgenländischen Folklore entsprungen.

Und das soll nun schon wieder ein Zeichen für die Islamisierung sein? Hätte man das Märchen vorher lieber in Alfons Wattuschek und die 40 Tunichtgute umbenennen und anstelle der orientalischen Kuppel einen Miniatur-Plattenbau mit Satellitenschüssel oben drauf auf den Spielplatz stellen sollen?

Männer und ihre Zipfel

Und als wären die bisher genannten Fälle des Hochverrats an der christlichen Kultur nicht bereits genug, vergeht man sich nun auch noch an den Grundfesten des Christentums: an Weihnachten.

Naja, nicht direkt an Weihnachten. Eher am Weihnachtsmann…

Aus Weihnachtsmann wird Wintermann. Gerade gesehen bei AWG, eine Islamisierung findet nicht statt… https://blog.halle-leaks.de/konsequent-weihnachtsmarkt-jetzt-wintermarkt-also-weihnachtmann-wintermann/

Posted by Halle.leaks.06 on Sonntag, 22. Oktober 2017

Ooohja, Leute, jetzt wird es ernst. Da kann man ruhig mal ordentlich gegen protestieren. Naja, oder man schaut sich das einfach nochmal in Ruhe an. AWG hat nämlich keineswegs die Weihnachtsmänner aus dem Programm genommen, sondern verkauft sie weiterhin in rauen Mengen. Nur gibt es nun eben zusätzlich den Wintermann, der auch noch komplett anders aussieht. Aber Hauptsache, mal ein Fass aufmachen, nicht wahr? Dasselbe Drama, das hier am Beispiel von Deko-Artikeln aufgeführt ist, gibt es übrigens auch noch mit Schoko-Weihnachtsmännern.

Die christlichen Wurzeln

Werden Deutschlands christliche Kulturprimordien nun also unter den perfiden, islamisch geprägten Angriffen zusammenbrechen? Wohl eher nicht. Wer dies behauptet, verkennt hier klar die Akteure. Betrachten wir hierzu noch einmal den letzten Punkt, den Wintermann.

Mir ist kein Fall bekannt, in dem Winter- Zipfel- oder irgendwelche anderen -männer ANSTELLE von Weihnachtsmännern verkauft werden. Wie aus der Antwort der Firma AWG zu entnehmen ist, werden diese vielmehr parallel bzw. ergänzend zu den Weihnachtsmännern angeboten. Hier wurde das Angebot also nicht etwa ersetzt, sondern erweitert.

Die Entscheidung darüber, welche Produkte ein Unternehmen vertreibt, wird von deren Verantwortlichen getroffen, nicht etwa von einer staatlichen Umvolkungskommission, die uns schon einmal schleichend darauf vorbereiten soll, dass wir in einigen Jahren alle Moslems werden müssen und die offenbar beschlossen hat, dass saisonale Süßwaren hier den besten Angriffspunkt bieten. Die Unternehmen können hier frei agieren und sind keiner Stelle Rechenschaft schuldig, solange die Produkte nicht eine bestimmte Religion diffamieren. Einen Schokomann anzubieten, der nicht von christlichen Traditionen angehaucht ist, ist kein Verbrechen.

Und selbst, WENN man hier von Unternehmensseite her aus “Rücksicht” auf muslimische Kunden den Religionsbezug in Form des Weihnachtsbegriffs hätte entfernen wollen, hieße das im Umkehrschluss noch lange nicht, dass dies im Sinne oder auch nur im Interesse irgendeines Muslimen wäre. Hat jemals irgendwer von einem Muslim gehört, dass er daran Anstoß nimmt, dass es in Supermärkten Schoko-Weihnachtsmänner gibt? Oder hat je ein Muslim zum Ausgleich den Verkauf von Schoko-Mohammeds gefordert? Wohl eher nicht.

Hinter der angeblichen Verschwörung steckt am Ende mal wieder nichts. Unternehmen, die ihre Produktpalette erweitern, sind ungefähr so ungewöhnlich wie Stau in Nordrhein-Westfalen. Der Staat hat diese Produkte auch nicht angeordnet oder in Auftrag gegeben. Wäre das Ganze staatlich angeordnet, wäre ich auch dagegen. Einfach deshalb, weil ich keinen Sinn darin sehe. Aber dabei geht es rein um Marketingentscheidungen von Unternehmen.

Die Supermarktkette Penny bietet seit Jahren ihre “Zipfelmänner” an, immer parallel zu den regulären Weihnachtsmännern und ja, auch schon vor der Flüchtlingskrise. Zu Zeiten also, zu denen die besorgten Bürger das Wort “Islamisierung” noch hätten recherchieren müssen, wenn es ihnen begegnet wäre. Die alternativen Produkte haben ja nicht einmal einen Bezug zum Islam, wie kommt man also überhaupt darauf, dass sie auf eine muslimische Käuferschicht ausgelegt sind? Im Gegenteil. Dieses Jahr bietetPenny sogar einen LGBT-Zipfelmann an. Nun ist Homosexualität im islamischen Kulturkreis ja eher strittig. Glaubt ihr wirklich, dass es bei solchen Produkten um den Islam geht?
Ich würde es sogar völlig normal finden, wenn Unternehmen ihre Produktpalette auf islamisch inspirierte Schokohohlkörper erweitern würde. Wieso auch nicht? Wenn man damit eine neue Käuferschicht erschließen könnte, wäre das doch im Sinne der Firma.

Schaltet einen Gang runter. Kauft einfach die klassischen Weihnachtsmänner und hortet sie zu Tausenden in euren Kellern, wenn ihr euch solche Sorgen um ihre Zukunft macht. Aber hört bitte auf, wegen so etwas von einer Islamisierung zu sprechen. Und nicht vergessen: Ihr könnt es auch einfach nicht kaufen. Wenn es keine Käufer dafür gibt, wird das Produkt wieder vom Markt genommen. Da steckt ja auch irgendwie Demokratie dahinter. Das Volk kann kaufen, was es möchte.

Ihr habt es auch ein Leben lang geschafft, arabische Zahlen zu verwenden, ohne eure ach so kostbaren christlichen Wurzeln zu verraten, da werdet ihr ja wohl auch den Wintermann überleben. Und an einen ähnlichen Aufstand, wenn irgendwo von “X-mas” anstelle von Christmas die Rede ist, kann ich mich auch nicht erinnern.

Also, ruhig Blut. Außerdem gibt es ja immer noch den Christstollen.

Ein Kommentar spiegelt die Meinung des Autors wider und nicht die Ansicht Mimikamas oder des Volksverpetzers als Ganzes. Auch wenn die Volksverpetzer-Kommentare ebenfalls auf überprüfbaren Fakten basieren, so stellt dieser Artikel die Meinung des Autors dar.

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Friedemann Kipp, Kolumnist Volksverpetzer Ende 20, Wahlruhrpottler, Naturwissenschaftler auf Abwegen und angehender Blogger. Hier könnt ihr dem Volksverpetzer auf Facebook folgen.
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