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Der Rechtsruck in Europa hat sich auch in den Wahlen in Niedersachsen und Österreich gezeigt. Doch wie sollen wir damit umgehen? Ein Kommentar.

Ich bin kein Politiker – Und das ist auch gut so! Glücklicherweise muß ich keine Emotionen verbergen, muß ich nicht an Wählerstimmen oder Parteipolitik denken bei jeder Äußerung, die ich aus dem tiefsten Inneren heraus machen möchte.

Wir haben, noch bevor der Deutsche Bundestag in unklarer neuer Konstellation tagt, wieder zwei neue vorläufige Wahlergebnisse, über die es sich lohnt, grenzübergreifend kurz nachzudenken.


Schauen wir zuerst auf die skandalträchtige Wahl in Österreich.

Das rechtskonservative Lager aus ÖVP und FPÖ hat ungefähr 14% gutgemacht und wird wohl die Regierung stellen, ohne dass die regierende SPÖ gar großartig Stimmen verloren hätte, dennoch fallen sie von Platz 1 auf 3 und werden wohl Opposition. Deutlich mehr als die Hälfte der Wähler hat nun erzkonservativ bzw. rechts gestimmt, Shooting Star ist und bleibt Sebastian Kurz von der ÖVP, der keine Skrupel hat, mit der FPÖ zu koalieren. Die Grünen stürzen massiv ab.

In Niedersachsen ist das Thema etwas anders geartet. Gemeinsam sehen wir hier nach ruhigerem Wahlkampf ebenfalls große Stimmenverluste bei den Grünen, regionalen Zugewinn bei der SPD aber auch den Rechtsruck, den wir schon vor ein paar Wochen bei der Wahl zum Deutschen Bundestag gesehen haben.

Beide Wahlen hatten einen neuen Zeitgeist gemeinsam:

Diverse Rattenfänger und selbsternannte Leitfiguren haben äußerst verschiedene Motivation und großen demagogisch populistischen Erfolg. Umso einfacher eine vermeintlich angebotene Lösung ist, desto mehr potentielle Wähler schlagen zu und beruhigen ihre Sorgen durch schnellen Meinungskonsum.

Diese Meinungsbildner sind leider schon jetzt mitverantwortlich für die Follower, die auf ihr Geheiß, mit ihnen zusammen oder in vorauseilendem Gehorsam mit virtuellen oder realen Fackeln als Bürgerwehr durch das Land ziehen. Gut, dass sie in großen Teilen stark zerstritten sind, eine Einigkeit möchte ich mir nicht vorstellen.

Ich erwische mich aktuell täglich dabei, wie ich bewusst Grenzen ziehe. Ich räume meine Freundesliste auf, ich nutze Tools, um AFD-Sympathisanten in Facebook zu filtern. Ich bin die ewigen „Diskussionen“ ziemlich leid und denke mir, dass ich besseres zu tun habe, als Taubenschach zu spielen. Es tut oft gut sehr gut, hier eine klare Linie zu haben, aber ist es wirklich noch der richtige Weg, der eine Gesellschaft nach vorne bringen kann?

In der Politik läuft es aktuell genau andersherum, es wird von mehreren Lagern versucht, die verlorenen Schafe schnellstmöglich und ohne moralische und legale Tabus (Stichwort: Flüchtlingsobergrenze) wieder einzufangen.

Mich schockiert diese Herangehensweise maximal, jedoch frage ich mich auch täglich, ob es logisch noch Sinn macht, die selbsternannten Protestwähler weiter in ihre Ecke zu drängen, die sie selbst für sich gewählt haben.

Spätestens nach dem gestrigen Wahlergebnis in Österreich zweifle ich massiv daran, dass Ausgrenzung der richtige Weg ist.

Ein mühsamer langwieriger Dialog erscheint mir essentiell wichtig, jedoch mit klarer Kante, dem Aufzeigen von Perspektiven und eigener Kompromisslosigkeit. Ich persönlich werde noch ein paar Tage dafür brauchen, Kopf, Bauch und Herz sprechen hier unterschiedliche Sprachen.

Die Zeiten der Komfortzone scheinen vorbei, Politik wird im Alltag immer wichtiger und es reicht definitiv nicht mehr nur aus, alle x Jahre ein Kreuz zu machen, wenn uns etwas nicht passt. Politik ist kein Selbstläufer mehr.

Zeigen wir, was eine offene, grenzenlose Gesellschaft wirklich ist und was sie und Freiheit ausmachen. Zeigt Nächstenliebe, zeigt Umarmungen, zeigt alles außer Hass und Angst. Zeigt allen Menschen, dass es anders geht – auch wenn es so unglaublich schwer fällt und sehr anstrengend wird.

Es ist einmal wieder eine wichtige Zeit und eine Gesellschaft am Scheideweg scheint nicht nur „große“ Politik zu brauchen. Tut, was ihr könnt und mit eurem Gewissen verantworten könnt.

Ich bin kein Politiker – und das ist auch gut so!

Ein Kommentar spiegelt die Meinung des Autors wider und nicht die Ansicht Mimikamas oder des Volksverpetzers als Ganzes. Auch wenn die Volksverpetzer-Kommentare ebenfalls auf überprüfbaren Fakten basieren, so stellt dieser Artikel die Meinung des Autors dar.

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Marcello Orlik, Gastautor bei den Volksverpetzern Unterstützt den Volksverpetzer doch mit einem kleinen monatlichen Beitrag!
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