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Wie wir bereits berichteten, sollte die Seite VoteBuddy Menschen ohne Wahlrecht ermöglichen, dennoch eine Stimme abgeben. Doch unsere Vermutung hat sich bestätigt: Es war eine Aktion des Peng! Collectives.

Wie wir bereits hier berichteten soll es über VoteBuddy angeblich möglich gewesen sein, über die Briefwahl seine Stimme an andere abzugeben.

Die Seite schrieb:

„Ein Drittel aller stimmberechtigten Erwachsenen in Deutschland gehen nicht wählen – weil sie keine Zeit haben oder nicht wissen, wen sie wählen sollen. Auf der anderen Seite leben in Deutschland mehr als acht Millionen Erwachsene, die nicht stimmberechtigt sind. Das sind etwa 10 Prozent der Gesamtbevölkerung, die von der repräsentativen Demokratie ausgeschlossen sind, aber mitentscheiden wollen. VoteBuddy bringt diese Menschen zusammen und schafft durch Stimmentausch eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.“



Doch bereits damals gab es mehrere Unstimmigkeiten:

Die Bilder auf der Seite sind geklaut. Die beiden Männer, die oben abgebildet sind, finden sich auch woanders:

Screenshot

Die Fotos von einer „Samira R. aus Hannover“, „Franziska L. aus Frankfurt“ und einem angeblichen „Ahmed S. aus Würzburg“ sind von einer Seite namens unsplash.com, auf der Fotografen Bilder zur freien Nutzung einstellen. Das Bild „Lars. N aus Berlin“ kommt von pixabay.com, ebenfalls eine Seite für rechtefreie Bilder, hat Lars Wienand von der Morgenpost festgestellt.

Die Seite gibt es erst seit Samstag

Registriert ist sie in New York von einem Timo Meissner auf eine Adresse, an der Briefkastenfirmen angemeldet werden können. Bei der US-Präsidentschaftswahl gab es eine ähnliche Seite namens Voteaction.com, die genauso funktionierte, aber umgekehrt in Deutschland lag. Am Ende stellte sich heraus, dass dies lediglich ein Streich war, um Aufmerksamkeit zu erlangen. Und sicherlich Werbeeinnahmen über Klicks zu generieren.

Und ja, das Peng! Collective startete die Aktion, um Aufmerksamkeit zu erzeugen

Heute gaben sie eine Pressemitteilung heraus:

VoteBuddy: Skandal-Stimmentauschbörse zur Bundeswahl ist ein Fake von Peng! und andcompany&Co. Mit VoteBuddy hat am letzten Montag 04.09. das Peng! Kollektiv gemeinsam mit der Theatergruppe andcompany&Co. eine Aktion gegen die Einschränkungen des allgemeinen Wahlrechts gestartet. Im Namen eines New Yorker Startups haben sie das Onlineportal VoteBuddy.de als Stimmentauschbörse gegründet. Auf der Plattform sollten Nichtwähler*innen ihre Stimme zur Bundestagswahl an Nichtwahlberechtigte abgeben können.

Mit der Aktion wollen Peng darauf aufmerksam machen, dass in Deutschland etwa 9 Millionen Erwachsene leben, die von den Wahlen ausgeschlossen sind. „Diese Menschen Leben teilweise seit Jahrzehnten in Deutschland und sind Teil dieser Gesellschaft. Trotzdem haben sie keine Möglichkeit, auf politische Entscheidungen Einfluss zu nehmen – obwohl auch sie von ihnen betroffen sind.“ sagt Sara Conti, Sprecherin der Aktion. „Aber wie repräsentativ ist eine Demokratie, die mehr als 10% der Bevölkerung vom Wahlrecht ausschließt?“

Das Kollektiv schaltete auf Facebook Werbung für das Onlineportal, wo es dann sehr bald von rechten Kreisen gefunden und höchst kontrovers diskutiert wurde. Die Empörung schwappte über in rechte Szeneblogs und wurde von dort aus weiterverbreitet über u. A. die Identitäre Bewegung, Erika Steinbach und Bernd Lucke. „Die Reaktionen reichten von Empörung und Anzeigenerstattung bis hin zu ausländerfeindlichen   Verschwörungstheorien, Mord- und  Gewaltandrohungen.“ so Sara Conti.

Natürlich verstößt das Angebot von VoteBuddy gegen deutsches Recht. Doch das Tool ist lediglich eine Attrappe, in Wahrheit findet keine Vermittlung und kein Stimmentausch statt. „Die Aktion soll zum Denken anregen und auf eine diskriminierende Praxis in unserem Wahlsystem aufmerksam machen.
Selbstverständlich ist VoteBuddy keine Lösung für das Problem.“ so Sara Conti weiter, „Menschen, die ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland haben, sollten das Recht haben, legal wählen zu können, ohne dafür auf die Hilfe Anderer oder auf Rechtsbrüche angewiesen zu sein. Wir fordern daher ein Wahlrecht ab einer Aufenthaltsdauer in Deutschland von einem Jahr – und unabhängig von Staatsbürgerschaft.“

Der Bundeswahlleiter hat am Mittwoch angekündigt, gegen die Seite juristisch vorgehen zu wollen. In der Folge wurde die Facebook Seite von VoteBuddy gesperrt.
Doch die Aktivist*innen von Peng sehen dem gelassen entgegen. „Unsere Seite ist ganz klar Satire: Wir vermitteln keinen Stimmentausch und wir rufen auch nicht dazu auf. Denn wir sind überzeugt, dass die Antwort auf die strukturelle Diskrimierung in unserem Wahlrecht nicht individueller Stimmentausch sein kann. Ein Update des Wahlrechts ist dringend nötig.“

Das Theaterkollektiv andcompany&Co., mit dem das Peng! Kollektiv für diese Aktion zusammengearbeitet hat, wird die Idee des Stimmentauschs auf der Bühne spielerisch erproben. Hier treffen Nichtwahlberechtigte und Wahlberechtigte aufeinander. Unter dem Slogan: „Wählt nicht selbst! Werdet Wahlpaten“ findet am 19. September in der Dreikönigskirche Dresden ein Experiment in indirekter Demokratie statt mit dem Titel: „Wahlokratie: fin de partie“. (www.andco.de)

Vor der Auflösung wurde schon von einigen Medien über VoteBuddy berichtet:

https://www.morgenpost.de/…/bundestagswahl/a…/Skandal-Seite-VoteBuddy-de-erklaert-Wahlbetrug-zum-Geschaeft.html

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Thomas_LThomas Laschyk, Chefredakteur Volksverpetzer Journalist, Blogger, und Onlineaktivist aus Augsburg. Auf dem Volksverpetzer beschäftigt sich Laschyk auf kritische und kreative Weise mit Themen aus Bundes- und Weltpolitik, bis zu Wirtschaft, Finanzen und gesellschaftspolitischen Fragestellungen. Hier könnt ihr dem Volksverpetzer auf Facebook folgen.