Erst werden Wurststände auf dem Kasseler „Tag der Erde“ verboten, dann auch noch das Fleisch im Bundesumweltministerium: Geht jetzt die Veggie-Diktatur los?! Nein, nichts dergleichen.

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Diese Veganer*innen lauern ja heutzutage an jeder Ecke mit abstrusen Fleischverboten auf, wenn man den inzwischen fast täglich neuen Schlagzeilen (und Kommentarspalten dazu) glauben schenken darf. Doch keine Sorge, das ist nicht so.

Fleischverbot auf dem Tag der Erde in Kassel?

Schauen wir uns doch gleich einmal die jüngsten Beispiele an: In Kassel gibt es demnächst den „Tag der Erde“ – den gibt es nicht nur dort, sondern ist ein internationaler Aktionstag, um kritisch unser Konsumverhalten zu hinterfragen und auf die damit verbundenen Umweltprobleme und den Klimawandel hinzuweisen.

Ok, also: Konsum hinterfragen und auf Klimawandel aufmerksam machen, erstmal nichts Verwerfliches.




Nun wird der Festtag dieses Jahr etwas kleiner sein, statt 220 Ständen wird es nur maximal 160 geben. Das heißt, die Veranstalter müssen einigen Ständen dieses Jahr deswegen leider absagen. Jetzt mussten sie nur noch Kriterien finden, welchen Ständen sie absagen und welchen nicht.

Nun ist es so, dass die Massentierhaltung klima- und umwelttechnisch eine ziemliche Katastrophe darstellt. Die Massentierhaltung allein verursacht mehr Treibhausgase als der gesamte weltweite Verkehr zusammen. Der Verein, der den Aktionstag in Kassel organisiert hat ausgerechnet (Link), dass eben deshalb das Anbieten von Fleisch auf ihrem Fest Treibhausgase in der Schädlichkeit von 10 Tonnen CO2 mehr verursachen würde, als wenn dort kein Fleisch (und stattdessen z.B. vegane/vegetarische Fleischprodukte) angeboten wird.

Also: Der Aktionstag, um uns darauf aufmerksam zu machen, wie wir umweltfreundlicher Konsumieren können, würde durch das alleinige Anbieten von veganen und vegetarischen Produkten einen umweltfreundlichen Konsum ermöglichen.

Also entschieden sie sich dafür, zuerst Ständen einen Absage zu erteilen, die Fleisch aus Tieren anbieten und dafür vegetarischen und veganen Produktständen den Vorzug zu geben.

Für ein Fest, das den Anspruch hat, möglichst gut für’s Klima zu sein, ist die Entscheidung, nur vegane und vegetarische Produkte anzubieten also nur konsequent – Und irgendwelchen Ständen musste ja abgesagt werden.

Es gab KEIN Verbot von Fleisch. Die fleischfreien Stände zu Hause zu lassen und Fleischständen den Vorzug zu geben (Es sind übrigens nur drei) würde genau dem Anspruch widersprechen, ein möglichst umweltfreundliches Fest zu veranstalten.

Und seien wir mal ehrlich: Eine Mahlzeit an einem Tag von 365 im Jahr kann man doch mal kein Fleisch essen, oder? Und wenn’s echt nicht anders geht, findet man sicher überall in der Innenstadt eine Dönerbude oder eine Fastfoodkette. Hier wird nicht versucht, Fleisch für immer zu verbieten, sondern hier wird eine Mahlzeit an einem Tag an einem einzigen Ort fleischfrei angeboten.

Auf den meisten anderen Festivals gibt es auch nichts explizit Vegetarisches oder Veganes, also kann man sich doch mal die Gelegenheit gönnen, da was auszuprobieren. Wenn jemand ein Grillfest veranstaltet und es dort nur Bratwürste gibt, beschwert sich doch auch niemand über einen „Wurst-Zwang“ oder dergleichen?

Fleischverbot im Umweltministerium?

Laut der inzwischen vom Focus wieder geänderten reißerischen Schlagzeile hat Umweltministerin Barbara Hendricks ihren Mitarbeitern „verboten, Fleisch zu essen“ und Christian Schmidt sprach von einem „Veggie-Day durch die Hintertür“. Doch beides ist falsch.

Aus den gleichen oben genannten Gründen – dass Fleisch um ein vielfaches umweltschädlicher ist als die meisten anderen Nahrungsmittel, einschließlich fleischfreie Versionen von Wurst und Co. – hat die Bundesumweltministerin angeordnet, dass bei offiziellen Anlässen des Ministeriums die Caterer vegetarisches Essen anbieten sollen.

Es ist kein Verbot oder dergleichen, wie das BMUB erklärte, wird niemandem vorgeschrieben, was er oder sie zu essen habe – Die hauseigene Kantine biete ja auch weiterhin Fleischprodukte an.

Dazu erklärt das BMUB: „Als Gastgeber bei Veranstaltungen unseres Hauses entscheiden wir selbstverständlich, was auf den Tisch kommt – so wie jeder Gastgeber das tut.“

Wenn Hendricks angeordnet hätte, dass kein Brokkoli mehr serviert werden würde, hätte sich auch niemand beschwert, obwohl das völlig willkürlich gewesen wäre. Das Umweltministerium hat dafür aber einen guten Grund: Als Ministerium, dass dafür sorgen soll, dass wir Rücksicht auf unsere Umwelt nehmen, muss dieses mit gutem Beispiel voran gehen. Wie sollte das Ministerium glaubhaft unsere Bürger zum bewussteren Konsum anhalten, wenn sie es nicht selbst machen würden?

Neben vegetarischen Produkten (und darunter fallen natürlich nicht nur vegetarische Würste, sondern auch Milch, Käse, Eier, Nudeln, Brot, Obst, Gemüse, Pilze etc. – eine vielfältige Auswahl ist natürlich immer noch gegeben) soll auch darauf geachtet werden, möglichst saisonal und regional, fair und Bio zu servieren. Warum ist das Angebot von fleischfreien Mahlzeiten ein „Verbot von Fleisch“ und warum das Anbieten von Bio-Produkten kein „Verbot von Nicht-Bio-Produkten“? Außerdem werde es auch zu entsprechenden Anlässen Ausnahmen geben.

Niemandem wird also etwas vorgeschrieben und das BMUB sorgt einfach nur dafür, als Institution glaubwürdig zu sein. 

Veganer wollen das Fleischessen verbieten

Wollen jetzt Veganer*innen uns das Fleisch wegnehmen? Nein. Weder Frau Hendricks noch der Veranstalter des Tag der Erde in Kassel sind meines Wissens Veganer oder Vegetarier, sondern wollen als Menschen, die für bewussteren und nachhaltigeren Konsum Werbung machen wollen, diesen bewussteren Konsum auch ermöglichen. Mehr steckt gar nicht dahinter. Kein Dogma, kein Verbot.

Aber die Veganer*innen wollen doch das Fleischessen verbieten! Es ist richtig, dass einige radikalere Veganer*innen und einige durchaus prominente Gruppen ein Fleischverbot fordern, aber damit sprechen sie nicht für alle Veganer*innen und Vegetarier*innen. Den meisten ist es wurst, was die anderen essen und wollen niemandem etwas verbieten. 

Natürlich lehnen sie es aus den verschiedensten Gründen für sich selbst ab – Umwelt, Tierethik, Welthunger, Gesundheit – und sicherlich setzen sich die meisten für einen bewussteren Konsum ein. Aber Verboten wird nichts. Und wer nicht auf Fleisch und andere Tierprodukte verzichten will, muss das ja auch gar nicht. Aber vielleicht kann man ja einmal eines der unzähligen vegetarischen und veganen Produkte ausprobieren und sich selbst, der Umwelt und den Tieren was Gutes tun.

Thomas_LThomas Laschyk, Chefredakteur Volksverpetzer Journalist und Blogger aus Augsburg. Auf seinem Blog Der Volksverpetzer beschäftigt sich Laschyk auf kritische und kreative Weise mit Themen aus Bundes- und Weltpolitik, bis zu Wirtschaft, Finanzen und ethischen Fragestellungen. Hier könnt ihr dem Volksverpetzer auf Facebook folgen.
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