Liebes Facebook, ich finde es ja toll, dass ihr uns auf besondere Funktionen eurer Website aufmerksam machen wollt – Wie zum Beispiel dass man unliebsame Inhalte auch einfach verbergen kann. Doch euer Video dazu, dass uns zeigt, wie wir diese „nervigen Veganer“ ganz einfach verbergen können, damit Facebook endlich „unser“ Facebook ist, finde ich wirklich unangebracht.

-Produktempfehlung: Kaspersky lab-

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In eurem Video zeigt ihr ein Bild von einem veganen Gericht – Ja, das ist wirklich ein Thema, wo sich jeder aufregen sollte! Es gibt sicherlich nichts nervigeres in meinem Facebookfeed als ein Foto von veganem Essen. Warum um alles in der Welt soll das nervig sein? Ich meine, ich will auch nicht ständig Essensbilder sehen (besonders wenn ich wieder den ganzen Tag in der Uni war und mega Hunger habe), aber wo sind denn bitte Bilder von veganen Gerichten nerviger als andere?

Ist ein Foto von einem Obstsalat oder Pommes oder einer Apfeltasche dann auch nervig, weil sie vegan sind?

Jeder weiß doch, dass Veganer nerven




Oh ja, Veganer, genau. Die sind ja so nervig, weiß doch jeder. Könnt ihr bitte aufhören, dieses völlig ausgelutschte Klischee auf Kosten einer Bewegung für soziale Gerechtigkeit zu bringen? Das ist der Versuch, hip zu wirken und einfach mit dem Mainstream auf eine Minderheit einzudreschen, deren schlimmstes Vergehen es ist, dass dich deren Versuch, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, nervt. Wow. Das ist wirklich einer der billigsten Versuche, Aufmerksamkeit zu generieren.

Gibt es nicht viel nervigere Dinge, die ihr als Beispiel hättet nehmen können? Irgendwelche unglaublich nervigen Facebook-Spieleanfragen? Ständig im Loop spielende Videos? Verschwörungsvideos, Betrugslinks, Volksverhetzung oder Gewaltaufrufe gegen Minderheiten? Oder einfach allgemein Fotos vom Essen?

(Oder alles von und über Mario Barth?)

Auf in die soziale Blase!

Ich verstehe ja, warum ihr das gemacht habt. Veganer zu dissen ist einfach und kommt bei allen gut an – Außer halt bei Veganern, aber wen interessieren die, richtig? Sind für euch nur Reichweite, Klicks und Werbeinnahmen relevant, oder seht ihr euch nicht in der Verantwortung, Rücksicht zu nehmen? Wollt ihr es wirklich promoten, dass sich die Menschen weiterhin in ihre Filterbubbles zurückziehen sollen (In „dein Facebook“), und jedes Posting, dass ihre Weltsicht oder ihre alltäglichen Handlungen in Frage stellen könnte und sie zu rücksichtsvolleren, sozialeren und ökologisch bewussteren Menschen machen könnte einfach verbergen sollen?

Wobei ein Foto von einer veganen Mahlzeit ja nicht mal das ist! Ist denn ein Veganer jetzt schon nervig, wenn er isst? Wenn es halt Schockvideos aus Schlachthöfen wären, könnte ich es ja durchaus nachvollziehen, dass man das nicht in seinem Feed haben will – Will ich auch nicht, verberge ich auch. Aber was soll denn eure Aktion?

Ja, vielleicht nerven manche Veganer manchmal. Allein schon durch ihre Anwesenheit. Denn sie sind nicht zu letzt eine Verkörperung deines schlechten Gewissens, weil sie einem vorleben, dass man durch aus ganz normal leben kann, ohne dass empfindungsfähige Lebewesen direkt für ihre Mahlzeiten sterben müssen.

Aber ist es dann wirklich das Schlaueste, sich die Finger in die Ohren zu stecken und so zu tun, als würden weder vegane Gerichte noch die Probleme der Massentierhaltung existieren? Das ist es doch, was letztendlich damit promotet wird. Euer Erklärungsvideo ist auf jeden Fall gewaltig nach hinten los gegangen!

Thomas_LThomas Laschyk, Chefredakteur Volksverpetzer Journalist, Blogger, und Tierrechtsaktivist aus Augsburg. Auf seinem Blog Der Volksverpetzer beschäftigt sich Laschyk auf kritische und kreative Weise mit Themen aus Bundes- und Weltpolitik, bis zu Wirtschaft, Finanzen und ethischen Fragestellungen. Hier könnt ihr dem Volksverpetzer auf Facebook folgen.
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