Die vegane Szene hat ziemliche Probleme. Nein, nein, nicht die Suche nach regelmäßigen Brunches, nach passenden Liebespartner*innen oder Winterjacken ohne Daunen. Nein, es sind Lookismus und Bodyshaming, die eine ganze Szene durchziehen wie Schimmel das verschmähte Buttermilchbrot.

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Lange ging es den meisten veganen Menschen einfach nur darum, möglichst keine Gelder in die Tierproduktion fließen zu lassen und hier und dort auch einmal zu zeigen, dass vegane Menschen nicht ungesünder oder mangelernährter sind, als Menschen, die Tierprodukte konsumieren.

„Seit ich vegan lebe, bin ich weiblich, bleibe ewig 21 und mein Stuhlgang riecht nach Lavendel-Nicecream“

Leider hat sich das Bild etwas gewandelt. Heute reicht es nicht mehr, ein Mensch wie jeder andere zu sein. Heute ist schlank, super fit, auf gar keinen Fall krank und für möglichst breite Bevölkerungsschichten ansehnlich ein Muss.

Befeuert wird das Ganze nicht nur durch Einzelpersonen, denen eine Diskussion mit Fakten zu kompliziert ist, sodass sie lieber Fotostrecken einer attraktiven Veganerin in den 70ern teilen und völlig überzeugt allen, die es lesen wollen (oder auch nicht), erklären, dass dies einzig und allein an ihrer veganen Lebensweise läge. Auch unterstützt wird dies von Organisationen, die Veganismus gerade oder vielleicht auch schon länger von der Idee einer Etablierung von Grundrechten für andere Tiere abkoppeln oder abgekoppelt haben.

Diese Organisationen präsentieren vegan lebende Menschen meist als weiblich, jung, schlank, weiß, gesund und natürlich so sexy und glattgezogen, wie es Makeup, Ausleuchtung und Bildbearbeitungsprogramme erlauben.




Gib mich PETA und VGD, du Lauch

Während PETA USA mit schlechtem Beispiel voran geht und so tut, als sei eine bestimmte Körperform dringend erstrebenswert und die restlichen Menschen dann wohl eher den Walen zuzuordnen, die mal ihren Schwabbel loswerden sollten, was natürlich mit eine Abkehr vom Tierfleischkonsum sofort passiert, folgt PETA Deutschland brav.

Bei der Auswahl der Prominenten wird also auch nicht besonders darauf geachtet, ob sie sich dafür eignen, dauerhaft und umfassend für Tier- und Menschenrechte einzutreten.
Wichtiger ist, dass sie wissen, wie sich Kleidung ablegen lässt und, dass sie möglichst attraktiv auf möglichst viele Menschen wirken. Weiblich, jung, schlank, weiss, gesund und blond zu sein ist da eine sehr gute Voraussetzung:

Wer von Euch verfolgt die #BiathlonWM in #Hochfilzen?Nachdem heute das Deutsche Mixed-Team Gold gewann, startet morgen…

PETA Deutschland 发布于 2017年2月9日

Tierliebe statt Tierqual. Vegane Mode statt Blut.|Alicia Silverstone ist lieber nackt als in Leid gekleidet. Warum,…

PETA Deutschland 发布于 2016年11月24日

Da Pelzfarmen untragbar sind, ist Sara Bachmann lieber nackt!www.veganblog.de/2016/11/sara-bachmann-traegt-keinen-pelz/#PETAMonatsLärm #KleidungOhneTierleid

PETA Deutschland 发布于 2016年11月20日

Hoch die Hände, Wochenende! 😍 😍 Heute Abend tanzen? Dann denkt dran: Lieber nackt als im Pelz! www.PETA.de/Kathrin-Menzinger

PETA Deutschland 发布于 2016年10月28日

Dass Tierrechtler*innen eine völlig heterogene Gruppe aller Altersgruppen, jeder Herkunft, jedes Figurtyps, jedes Gesundheitsstatus etc. sind und auch sein dürfen, wird zugunsten eines vermeintlich anziehenden Außenbildes völlig ausgeblendet. Die schließt nicht nur die größte Zahl von Menschen, die sich für Tierrechte engagieren, aus, sondern vermittelt nach außen ein nicht haltbares Bild von der veganen Lebensweise und kommuniziert keinen sinnvollen Unterbau zu einem wünschenswerten Umgang mit unseren denkenden, fühlenden Lebewesen.

Ähnlich wie PETA agiert auch die „Vegane Gesellschaft Deutschland”. Umfassende Heilsversprechen durch die vegane Lebensweise bleiben das, als was sie auch schon erscheinen … leere Versprechen.

Hinzu kommt noch ein fehlendes Verständnis von Themen wie Sexismus und Lookismus.
Da bleibt nicht aus, dass auch mal solch ein Cover entsteht:

+++ Achtung, gute Nachricht in eigener Sache:Unser Veganmagazin erscheint ab 31.03. MONATLICH. Mit vielen spannenden…

Vegane Gesellschaft Deutschland 发布于 2017年3月29日

Ist man sich bei der veganen Gesellschaft Deutschland (VGD) doch sicher, dass eine sexy Frau auf dem Cover Aufmerksamkeit und Verkauf steigert. Dass eine interessante Aufmachung – ohne nackte Haut – denselben Effekt haben und gleichzeitig menschenfreundlicher sein könnte, scheint irrelevant. Dabei wäre doch eine Welt sicher eine schönere Welt für alle, in der eine Zeitschrift keine junge, möglichst von allen Unebenheiten und Makeln befreite junge Frau mit knappster Hose und weit aufklaffendem Jäckchen ohne BH auf dem Titelblatt benötigt.

Bei der VGD wird von diesem Kurs jedoch nicht abgewichen und Kritik gar zurückgespielt oder als Beleidigung von Model und Fotografin gewertet.

Your disco, your bikini and the human rights need you

Somit bleibt nur die Abkehr von Organisationen, die weder mit Fakten für sich punkten können, noch ein erfüllbares Bild von vegan lebenden Menschen zeichnen und das Recht auf Würde auch gerne Mal gegen ein paar Klicks eintauschen

Scheiß einfach drauf. Du wirst kein Coverfoto bekommen, wenn der Speck über deinen Bikini hängt, während du im veganen Freundeskreis grillst; du bekommst auch Keines, wenn du dank Chemo kahl eine Taube vor dem sicheren Tod rettest und du bekommst auch Keines, wenn du dich gegen Bodyshaming (bisweilen fehlübersetzt als „Alter, werd mal ganz flott fett, weil fett is nämlich voll geil!“) einsetzt. Aber du machst die Welt eine ganze Ecke netter.

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