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Die Meldungen über die Terrorgefahr beim Rock am Ring gingen wieder durch alle Medien, genau wie ganz aktuell London. Und die ganzen Idioten, die sich an der allgemeinen Angst aufgeilen, streuen Gerüchte, schüren Ängste und nutzen diese, um ihre politischen Schreckgespenster weiterzuverbreiten. Haltet endlich die Klappe!

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Terror ist scheiße, menschenverachtend und ein barbarisches Relikt aus primitiveren Zeiten, das bekämpft werden muss. Es ist eine Tragödie, wenn Menschen Opfer von Fanatismus werden. Wie groß die Gefahr ist und wie wir damit umgehen sollten, darauf will ich später zurückkommen, jetzt aber mal zuerst:

Ernsthaft, an der Terrorwarnung beim Rock am Ring und am Anschlag Samstag Nacht in London hat man es schon wieder gesehen: Sobald die Eilmeldungen regnen, geht es nicht mehr darum, aufzuklären oder zu informieren, sondern darum, Hysterie auszulösen. Da werden Gerüchte gestreut, Leuten Angst gemacht und ganze Menschengruppen vorverurteilt, bevor man überhaupt weiß, ob und was passiert ist.

Am meisten regen mich diejenigen auf, die bei jeder Meldung in allen Kommentare geifern müssen, dass sie es uns doch gesagt hätten und gewusst haben, dass so etwas passiert.

EINEN SCHEIß HABT IHR!

Einmal ist – ZUM GLÜCK! – bei Rock am Ring nichts passiert. Es war ein falscher Alarm und nur eine Sicherheitsmaßnahme. In London leider nicht. Und wie ich mich bereits bei Manchester aufgeregt habe, finde ich es pervers, dass Panikmacher und Schwarzseher sich regelrecht darüber freuen, wenn es irgendwo knallt, weil sie sich dann in ihrer perfiden Weltsicht bestätigt sehen.

Es ist ekelhaft, so mit den Ängsten der Menschen zu spielen. Es gibt inzwischen viele, die sich fragen, ob sie noch sicher sind. Und unabhängig davon, wie die Realität aussieht (dazu komme ich später), helft ihr NIEMANDEM, wenn ihr dieses Klima der Angst füttert.

So profitiert man von Angst

Egal, ob man Geld mit den Klicks verdient, sich an der Aufmerksamkeit aufgeilt oder auf Wählerstimmen aus ist: Alle profitieren von Angst. Und sie spielen den Terroristen in die Hände, denn die WOLLEN, dass alle Angst vor ihnen haben. Die WOLLEN, dass ihre Tat um die ganze Welt geht. Deswegen machen sie das ja. So funktioniert TERROR. Und wir spielen da alle mit.

Und zum anderen kommen sie dann in diese ekelerregende Position – ob böswillig sei dahingestellt -, dass sie auch wollen, dass etwas passiert. Natürlich wollen sie das. Die Live-Ticker und Eilmeldungen geben ordentlich Klicks. Die Menschen haben Angst und klicken deswegen sowas sofort an. Und je mehr solcher Meldungen kommen, desto mehr Klicks gibt es. Es ist ein Teufelskreis.




Und einer politischen Strömung, die sich als der Retter vor einer unsicheren und gefährlichen Welt präsentiert, ist natürlich nicht daran gelegen, dass sich ihre potentiellen Wähler sicher fühlen. Also wird schon bei der ersten Meldung das jeweilige Feindbild als Sündenbock zum kollektiven Draufschlagen hergenommen.

(Etwas, das die Terroristen auch wollen! Die wollen ja, dass wir unsere muslimische Minderheit unterdrücken und schikanieren, genau wie unsere Rechtspopulisten uns erzählen, dass die Muslime uns bedrohen, erzählen die Salafisten den Muslimen, dass wir sie bedrohen. Und wenn wieder ein Nazi ein Asylbewerberheim anzündet, dann hilft das der Propaganda der Salafisten, die frustrierten und traumatisierten Asylbewerber zu radikalisieren.)

Wenn wir uns von Angst leiten lassen, werden Menschen darunter leiden.

Und aus so etwas entsteht Politik, durch welche 14-jährige Mädchen, die hier in Deutschland geboren wurden, aus ihrem Leben gezerrt und in ein fremdes Land abgeschoben werden. Eine Politik, in der Menschen in ein Land abgeschoben werden sollen, in dem es in der letzten Woche schon mehrere schwere Anschläge gab.

Wenn ich uns vorwerfe, dass wir die schrecklichen Taten der Terroristen durch unsere Aufmerksamkeit und Angst belohnen, was will ich dann damit sagen? Anschläge verschweigen ist ja offensichtlich auch nicht richtig. Das Wichtigste ist, ruhig zu bleiben. Entschleunigen, durchatmen. Nachdenken, die Situation einordnen und erst dann reagieren.

Ok, lasst uns die Situation einordnen: Wie sicher sind wir?

Das Perfide an Terror ist: Es könnte jeden jederzeit treffen. Das klingt jetzt viel schlimmer als es erstmal ist, aber das ist der Grund, wieso man Angst davor kriegt. Menschen mögen kein Risiko, das sie nicht kalkulieren können. Letztes Jahr starben über 100.000 Menschen in Deutschland an den Folgen von Tabakkonsum und 12 wurden Opfer eines islamistischen Terroranschlags.

Aber wir fürchten uns mehr vor Letzterem und das ist auch vollkommen verständlich. Und ich will nicht sagen, dass es kein Problem gibt. Gerade islamistischer Terrorismus hat in den letzten Jahren zugenommen (auch wenn wir in der Vergangenheit in Westeuropa stets viel mehr Terror hatten, mehr dazu hier). Aber die Lösungen, die wir als Wähler fordern, wiegen uns in falscher Sicherheit!

Das ist der Grund, warum die derzeitige Politik nicht für unsere Sicherheit sorgt:

Rechtspopulisten nutzen unsere Angst, um repressive Politik gegen Muslime zu machen. Wie ein Burka-Verbot für unsere Sicherheit sorgen soll, müsste man mir nochmal erklären, zumal 100% aller islamistischen Terroristen keine Kopftücher tragen. Aber auch, wieso es helfen sollte, keine Asylbewerber aus Kriegsgebieten mehr aufzunehmen, ist nicht klar, zumal die allermeisten Asylbewerber überhaupt nie in irgeneiner Form straffällig werden (Kriminalitätsstatistiken)

Das Problem nämlich ist folgendes: Nicht jeder Moslem hat das Potential, plötzlich zum Terroristen zu werden (Es ist absurd, dass ich das extra erwähnen muss!): Sascha Lobos hervorragende Recherchen haben gezeigt: Alle identifizierten Täter der letzten 13 islamistischen Terroranschläge in den letzten Jahren in Europa waren den Behörden bekannt und gewaltaffin.

CC BY 4.0 saschalobo.com

Es ist eine bestimmte Gruppe an radikalisierten, gewaltbereiten und behördenbekannten Gefährdern. Wir wissen doch, welche Gruppe es ist, die für die Terroranschläge verantwortlich ist!

Es sind nicht “die Muslime” und erst recht nicht Asylbewerber. Deshalb sind Maßnahmen, die sich gegen die Gesamtheit dieser (durchaus nicht homogenen) Gruppen richten, sinnlos. Aber auch mehr Überwachung oder die Vorratsdatenspeicherung bringt da gar nichts. Wie Lobo so schön sagte: “Mir ist immer noch nicht klar, warum etwa die Vorratsdatenspeicherung der Telefonate meiner Ehefrau mit mir gegen den Terror helfen soll, wenn Anschläge fast immer von einschlägig behördlich bekannten Islamisten begangen werden.”

(Ich empfehle jedem nochmal ausdrücklich die Lektüre seiner Recherche)




Und ganz kurz möchte ich anmerken, dass die meisten der Anschläge der letzten Jahre in Frankreich und England stattfanden, wo erstens eine andere Sicherheitslage herrscht als hier, wo zweitens viel weniger Asylbewerber aufgenommen worden sind als in Deutschland und wo es drittens bereits viel schärfere Antiterrorgesetze und Überwachung gibt!

Ruhe bewahren, Lage einschätzen, dann handeln

Die Besucher des Festivals Rock am Ring haben es richtig gemacht: Sie sind ruhig geblieben. Und das sollten wir auch alle erstmal. Wer nicht gleich in Panik verfällt oder in den Chor der Schwarzseher mit einstimmt, ist weder naiv noch will er die Gefahr herunterspielen. Aber unsere Angst hilft erstmal niemandem, außer den Terroristen. Oder Parteien, die zwar Lösungen für unsere Sicherheit vorschlagen, diese Lösungen aber unsere oder die Rechte von Menschen beschneiden, die hier Zuflucht vor Krieg bei uns suchen – und nicht mal wirklich für echte Sicherheit sorgen.

Also ihr Panikmacher, Demagogen und Leute, die sich an der Angst anderer aufgeilen: Haltet doch einfach eure Klappe.

Thomas_LThomas Laschyk, Chefredakteur Volksverpetzer Journalist, Blogger, und Onlineaktivist aus Augsburg. Auf dem Volksverpetzer beschäftigt sich Laschyk auf kritische und kreative Weise mit Themen aus Bundes- und Weltpolitik, bis zu Wirtschaft, Finanzen und gesellschaftspolitischen Fragestellungen. Hier könnt ihr dem Volksverpetzer auf Facebook folgen.