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Die FDP übernimmt ein Wahlkampfthema der AfD: Gemeinsam wettern sie gegen die vermeintliche Willkürlichkeit von Stickoxidgrenzwerten. Doch die Behauptung stimmt so nicht.

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Zuerst war es die Spitzenkandidatin der AfD, Alice Weidel, die bei Anne Will beim Thema der Fahrverbote für Dieselautos behauptete, die Grenzwerte für Stickoxide seien in Büros viel höher als im Straßenverkehr. AfD-Parteichef Jörg Meuthen behauptete parallel dazu in einem Post auf Facebook ebenfalls, die Grenzwerte in Büros lägen 23-mal höher.

Abgasmanipulationen, Fahrverbote, Bevölkerungsschutz: Große Teile von Politik und Medien zeigen sich alarmiert und rufen…

Prof. Dr. Jörg Meuthen 发布于 2017年8月2日

Die FDP mit Christian Lindner guckt Strategie bei der AfD ab

Lindner, der ebenfalls Gast bei Anne Will war, hat wohl Gefallen an dieser Behauptung gefunden und verwendet sie nun ebenfalls, um gegen grüne Forderungen zu wettern:

Wer im Büro arbeitet, darf dauerhaft sehr viel mehr Stickoxid einatmen, als auf der Straße für einen kurzen Moment…

Christian Lindner 发布于 2017年8月27日

Ganz ursprünglich stammt die Meldung aber aus einem Artikel von focus.de mit der Überschrift „Absurde Dieselpanik! Im Büro ist 20 Mal mehr Stickstoffdioxid erlaubt als auf der Straße“.

Doch diese Behauptung stimmt so nicht

Auf den ersten Blick mag es wirklich so aussehen, als wäre an diesem Vorwurf etwas dran: Der Grenzwert für Stickstoffdioxid liegt im Außenbereich bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Für bestimmte Arbeitsplätze liegt der Wert hingegen bei 950 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Und hier liegt auch schon der Twist versteckt: Für bestimmte Arbeitsplätze. NICHT Büros.

Die Luft draußen soll von allen Menschen, egal wie krank oder anfällig sie sind auf Dauer atembar sein können, deshalb der hohe Wert. Ein Asthmakranker z.B. hat auch ein Recht darauf, draußen zu atmen. Das gilt nicht für alle Arbeitsplätze.

Es geht nicht um Büros. Es geht um Schmelzanlagen, Autowerkstätten oder Tunnelbaustellen

In einer Schmelzanlage, Autowerkstatt oder Tunnelbaustellen, wo durch dieselbetriebene Maschinen oder Verbrennungsprozesse eben viel Stickoxide (und andere Stoffe!) entstehen, sieht die Sache hingegen jedoch anders aus. Hier hält man sich nicht unbegrenzt auf und auch nur, wenn man ein gesunder Erwachsener ist.

Für diese besonderen Arbeitsplätze gelten demnach andere Regeln („Technische Regeln für Gefahrstoffe“): Was einem gesundheitlich Schwächeren auf Dauer schaden würde, ist für einen Gesunden, der der Belastung nur während der Arbeitszeit ausgesetzt ist, noch ertragbar, ohne dass dieser gesundheitliche Schäden davon trägt.

Deshalb gelten bei bestimmten Arbeitsplätzen andere Grenzwerte. Für Büros, wie die Behauptungen lauteten, gelten diese aber nicht.

Somit verbreitet nach der AfD nun auch FDP-Chef Lindner eine Aussage, die nicht der Wahrheit entspricht, denn „im Büro“ gelten diese unterschiedlichen Richtwerte nicht.

Nachtrag:

Bei Innenräumen, also auch Büros, wird jedoch teilweise von 60mg gesprochen, was tatsächlich ein wenig höher ist als für Außenluft. Auf Nachfrage des ARD-faktenfinders erklärte Lindners Sprecher, die Aussage beziehe sich „in ihrem Ursprung auf mehrere Medienberichte der letzten Tage und Wochen und die Technischen Regeln für Gefahrstoffe“, und damit auf die 950mg, welches eben in den Medienberichten der letzten Tage und Wochen Thema ist.

Der Faktenfinder schreibt zu den 60mg noch:

In der Diskussion um Stickstoffdioxid wird teilweise auch ein Wert von sechzig Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (Wochenmittelwert) für Innenräume genannt. Diese Zahl stammt laut Umweltbundesamt aus den 1990er Jahren und wurde seitdem nicht aktualisiert. Es handelt sich dabei um einen Richtwert, also einen Wert mit Empfehlungscharakter, der von der Innenraumlufthygienekommission lange vor der EU-Richtlinie ausgesprochen wurde. Das Umweltbundesamt empfiehlt jedoch aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse, diesen Wert nicht mehr anzuwenden. Das erklärte die Behörde gegenüber dem ARD-faktenfinder. Eine Überarbeitung der Richtwerte für Stickstoffdioxid stehe derzeit noch aus, werde sich aber voraussichtlich ebenfalls an dem Beurteilungswert für die Außenluft orientieren.

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Thomas_LThomas Laschyk, Chefredakteur Volksverpetzer Journalist, Blogger, und Onlineaktivist aus Augsburg. Auf dem Volksverpetzer beschäftigt sich Laschyk auf kritische und kreative Weise mit Themen aus Bundes- und Weltpolitik, bis zu Wirtschaft, Finanzen und gesellschaftspolitischen Fragestellungen. Hier könnt ihr dem Volksverpetzer auf Facebook folgen.