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Wer die ersten Folgen der HBO-Serie Westworld gesehen hat, weiß, dass wir in Zukunft unseren Urlaub mit niederschießen und/oder vergewaltigen von Robotern verbringen werden.

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Ähnliches wurde in Filmen der jüngsten Vergangenheit ange­deutet, etwa in Ex Machina. Und immer geht es dabei um männliche Fantasien von vereinfachter zwischenmenschlicher Interaktion, handlich reduziert auf nieder­schießen und/oder vergewaltigen, beides auf Kreditkarte und moralisch einwand­frei, weil es sich bei den Objekten dieser Handlungen um Roboter und nicht um Menschen handelt. Kein Wunder, dass es manchen Feminist*Innen hier kalt den Rücken runterläuft, im Angesicht solcher zurückgekehrter Handlungsmaximen der Vorsteinzeit. Was, wenn Männer diese Einstellung gegenüber echten und digitalen Frauen verinnerlichen, und dann immer so sind, und nicht nur, wenn sie sich unbeobachtet und/oder von moralischen Zwängen befreit fühlen?

Was, wenn das Konzept der Sexroboter also eine seit Generationen nicht erlebte Verrohung der Zwischenmenschlichkeit bewirkt? Wenn der Ungeist der Brutalität und Unmenschlichkeit durch den dünnen Anstrich der Zivilisation bricht und aus Männern (vielleicht nicht allen, aber vielen) der Gegenwart solche einer längst verdrängten, alptraumhaften Tropfsteinhöhlenära macht? Zunächst mag man(n) den zweifelhaften Einwand vorbringen, dass die Behörden in unserem Land auch so schon fast stündlich eine Vergewaltigung bearbeiten müssen, wobei die Dunkelziffer etwa zehn mal höher liegt. Und dass Kriege im Allgemeinen und auch im derzeitigen 21sten Jahrhundert immer und in jedem einzelnen Fall dazu führen, dass das Nieder­schießen und/oder Vergewaltigen massiv zunimmt. So dick kann der zivilisatorische Anstrich also gar nicht sein.

Tragfähiger sollte allerdings das Argument sein, dass wir über mehrere tausend Jahre Erfahrung mit kontroversen Kulturformen verfügen. So dass wir heute wissen, dass weder das klassische, hellenische Theater noch die Dichtkunst, der bürgerliche Roman, der Walzer, Jazz, Rock’n’Roll, der Kinofilm oder das Computerspiel die womöglich moralisch ungefestigten Jugendlichen verwirrt und zu unorganisierten Gewaltexzessen verführt haben. Wir können daher davon ausgehen, dass Spiel­handlungen jeder Art mit attraktiven Robotern ebenfalls keine moralischen Probleme, auch und gerade nicht bei Gewalt gegen Frauen mit sich bringen werden.

Im Gegenteil: Die Erfahrung der Jahrtausende zeigt, dass all diese Kulturformen unsere Gesellschaft zivilisierter gemacht haben. Weil Bedürfnisse, Ängste, Agres­sionen in den literarischen Raum, ins Ausgedachte und Vorgestellte verlagert werden. Aber ist das vergleichbar? Ja, wir wir aus angrenzenden Studien wissen: Pornografie und Prostitution senken die Vergewaltigungskriminalität nachweisbar, ebenso wie Games und Filme voller Mord und Gewalt die Anzahl der Opfer und Taten verringert. Das wurde wieder und wieder nachgewiesen, entgegen aller Befürchtungen. Aber selbst wenn die Sexualkriminalität durch Roboter gesenkt statt gefördert würde, hätten sie nicht doch eine Zerstörung aller Zwischenmenschlichkeit, aller Romantik, der Liebe zur Folge? Nein, gar nicht.

Weder Vibratoren noch PornHub oder voreheliche Fornikation haben das bewirkt, sondern eher eine Befreiung von Zwängen und eine bessere Chance für mensch­licheren Umgang im sehr privaten Raum. Natürlich werden Sexroboter, gleich welcher geschlechtlicher Hardwarebestückung, unsere Gesellschaft voranbringen. Wir können uns das nur noch nicht vorstellen, weil zunächst mal niemand sich etwas vorstellen kann, was er nicht direkt vor sich sieht. Und Roboter unterschiedlichster Profession sind nun mal noch nicht mitten unter uns, das dauert noch ein paar Dekaden. Und fragt mal die in unserem Jahrtausend geborenen, ob sie sich ein Leben ohne Smartphone und Internet vorstellen können. Wie das überhaupt gehen kann, wie man, egal was, geregelt kriegen soll ohne ubiquitäre Information und Kommunikation. Oder versucht euch ein Leben ohne Elektrizität, ohne Verbren­nungs­motor oder Kühlschrank vorzustellen. Wird nicht klappen.

Deswegen bin ich um so gespannter, nicht nur auf die nächsten Westworld-Folgen, sondern vor allem auf die Roboter in meinem Leben, auf der Straße vor meinem Fenster oder, um beim Thema zu bleiben, in meinem Bett. Das kann ich mir tatsächlich ebenfalls überhaupt nicht vorstellen, auch wenn ich weiß, dass es das Angebot mittelfristig geben wird. Wenn der Fall eintritt, kann ich ja hier in meinem Blog drüber berichten. Außer, die betreffende digitale Dame macht Persönlich­keits­rechte geltend. Wovon ich eigentlich ausgehe, bei empfindungs- und entscheidungs­fähigen Wesen. Das wird spannend! Lassen wir uns überraschen, ja?

Fritz Effenberger, Gastautor bei Volksverpetzer Bloggt auf 11k2 und ist Bezirksrat der Piraten aus Augsburg.

Dieser Blogeintrag erschien zuerst auf 11k2. Folgt Fritz doch dort, um mehr von ihm zu lesen.

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