Heute vor 2 Jahren half FrauMaja am Dortmunder Bahnhof, die ankommenden Flüchtenden in Empfang zu nehmen und zu versorgen. Die Hilfsbereitschaft der Deutschen begeisterte sie. Doch wo ist diese Begeisterung heute?

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Erschöpfte Gesichter sah ich an diesem Mittag vor zwei Jahren am Dortmunder Bahnhof. Erschöpft, aber glücklich, in Sicherheit zu sein.

Hinter mir lag zu diesem Zeitpunkt eine der eindrucksvollsten Nächte meines Lebens und ich war selber todmüde.

Zwei Tage zuvor hatte Kanzlerin Merkel beschlossen, das Dubliner Abkommen Abkommen sein zu lassen und die Menschen auf der Flucht, die in Ungarn festsaßen und zu Tausenden im Budapester Bahnhof campierten, nach Deutschland einreisen zu lassen.

Die Züge mit Geflüchteten kamen in den nächsten Tagen überall in Deutschland an.

Ich war Samstagsnachmittag auf einer Demo gegen Rechts gewesen, das Wetter war mies und wir wurden fürchterlich nassgeregnet. Und so waren mein Freund und ich eigentlich froh, daheim und unter eine warme Wolldecke zu kommen, als sich über Twitter die Nachricht verbreitete, dass irgendwann in der Nacht oder am frühen Morgen auch am Dortmunder Bahnhof Züge mit Geflüchteten erwartet wurden. Vorbei war es mit der Aussicht auf Schlaf, denn wir beschlossen, nach Dortmund zu fahren, um zu sehen, ob wir helfen können, die Ankommenden in Empfang zu nehmen und mit dem Nötigsten zu versorgen.


Als wir ankamen, waren bereits hunderte Menschen vor Ort, die die Nachricht ebenfalls über die sozialen Netzwerke erreicht hatte und die nun dabei warenm, eilig herbeigeschaffte Nahrungsmittel, Hygieneartikel und so weiter in kleinere Hilfspakete zu verpacken. Der Rossmann wurde leergekauft, der Rewe to-go auch, umliegende Imbissbuden brachten Brot, Menschen plünderten ihre Vorratskammern, um Lebensmittel zu spenden.

Und das alles geschah selbstorganisiert, freiwillig und spontan. Von hunderten freiwilligen Menschen. Menschen, die auf der Straße vielleicht nie miteinander geredet hätten, nun aber Hand-in-Hand zusammenarbeiteten, um zu helfen.

Erst später in der Nacht regelten Feuerwehr und das rote Kreuz den Transport der Spenden ins nahegelegene Dietrich-Keuning-Haus, wo die Geflüchteten nach ihrer Ankunft eine Pause machen sollten, um etwas zu essen und mit Kleidung versorgt zu werden, bevor sie mit Bussen auf Unterkünfte im Umland verteilt werden sollten.

Vereint gegen Neonazis

Dortmund wäre nicht Dortmund, wären nicht irgendwann auch die üblichen Neonazis aus Dorstfeld aufgetaucht wären. Aber eine Chance wirklich zu stören hatten sie nicht – im Gegenteil. Drei Reihen Polizisten waren notwendig, um dafür zu sorgen, dass sie nicht von einer aufgebrachten Menge eigenhändig vom Bahnhofsvorplatz entfernt wurden. Und als die Neonazis durch den Bahnhof geschleust werden sollten, saßen plötzlich Menschen in der Sitzblockade, die so etwas sonst garantiert nie mitgemacht hätten.

Foto: FrauMaja

Aber – nachdem die Rechten fort waren – entwickelte sich an gleicher Stelle auf dem Bahnhofsvorplatz eine Spontanparty mit Tanz zum Rhythmus kurdischer Trommler, die den rechten Spuk im nu vergessen machte. Und das um halb vier Uhr morgens.

Junge Männer, Familien, Mütter und Kinder

Da die Züge mit den Geflüchteten mittlerweile erst für den Vormittag erwartet wurden und auch nicht mehr viel zu tun war, fuhren wir dann doch Heim, um noch etwas Schlaf zu bekommen und schauten erst am nächsten Mittag noch einmal am Banhof vorbei. Dort wurden die mit dem Nötigsten versorgten Menschen auf Busse verteilt, um in Unterkünfte gebracht zu werden.

Ja, da waren junge Männer. Aber da waren auch sehr, sehr viele Familien und Mütter mit Kleinkindern. Erschöpft sahen sie alle aus, aber auch würdevoll. Man sah ihnen an, dass sie nicht als Bettler kommen wollten, aber auch, dass sie heilfroh waren in Sicherheit zu sein.

Foto: FrauMaja

Diese riesige Solidarität hat mich sehr beeindruckt, sie beeindruckt mich bis heute.

Sie hat mir gezeigt, dass nicht immer alles geplant und reguliert werden muss, manchmal können Menschen auch zusammen Großes bewirken, wenn sie spontan zusammenarbeiten.

Von der #RefugeesWelcome Euphorie ist zwei Jahre später nur noch wenig geblieben.

Auf der Suche nach Stimmen hat die Politik die Rufe von Rechts nach Verschärfungen des Asylrechts erhört und macht auch 2017 Wahlkampf mit der Angst vor Schutzsuchenden.

Aber damals haben wir erlebt, dass die Bevölkerung auch bereit ist Menschen in der Not zu helfen. Ich wünschte mir, dass diese Seite unseres Landes im Wahlkampf sichtbarer und lauter wäre.

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Maja_TFrauMaja, Redakteurin Volksverpetzer FrauMaja ist 31 Jahre alt, Bloggerin aus der Ruhrpottperipherie und hat ein Herz für das Bedingungslose Grundeinkommen und soziale Themen. Hier schreibt sie über ihren Traum von progressiver Politik. Hier könnt ihr dem Volksverpetzer auf Facebook folgen.
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