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Einer der Hauptgründe, wieso einige Menschen das Aufnehmen von Asylbewerbern ablehnen, ist, dass sie uns zu viel kosten würden. Doch das Aufnehmen von Flüchtlingen bringt einem Land finanziell auf lange Sicht viel mehr, als sie kosten.

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Seit Monaten berichten die Nachrichten von verzweifelten Flüchtlingen, welche zum größten Teil aus dem Bürgerkrieg in Syrien flüchten und sogar dabei sterben, die nach Europa kommen. Doch die meisten Regierungen Europas sind zögerlich, diese Hilfe suchenden Menschen aufzunehmen und auch viele Bürger sind dagegen.

Hunderttausende fliehen zur Zeit nach Europa, die International Organisation for Migration schätzt, dass 80% vor Gewalt fliehen. Dort sollte Geld eigentlich keine Rolle spielen.

Doch trotzdem ist der Unwille, Flüchtende aufzunehmen, groß. Wissenschaftler, die Migration studieren, stellen fest, dass die Länder zwei ökonomische Gründe für diesen Unwillen angeben: Die Angst, dass die Aufnahme von Flüchtlingen andere dazu ermutigt, ebenfalls zu kommen und dass diese und die ihnen folgenden Flüchtlinge eine wirtschaftliche Last darstellen, die teuer wird.




Ist da was dran?

Die Asylgesetze in der EU wurden in den 1990er Jahren verabschiedet und sind dazu gedacht, kleine Zahlen von Flüchtlingen zu umsorgen. Es ist nicht unbedingt notwendig, dass die Menschen in den Ländern bleiben, in welchen sie zuerst ankommen. Doch die Länder halten sich an diese Regel, da es administrativ gesehen ein einfacher Weg ist, den Flüchtingsstatus zu gewähren.

Und das hat dazu geführt, dass tausende Menschen in überfüllten Camps in Griechenland, Italien und Ungarn ausharren müssen. Eine Direktive aus dem Jahr 2001 ermächtigt es der EU jedoch, dieses System zu umgehen und Asylbeweber viel schneller aufzunehmen, in Fällen von massiven Zuströmen. Im Juli wurde sie verwendet, um 32.000 Menschen, welche in Italien und Griechenland gestrandet waren, je nach Landesgröße und BIP zu verteilen. Aber abgesehen davon, hat die EU niemals ihren Notfallplan verwendet, da die Mitgliedsstaaten befürchten, dass dies zu einem Pullfaktor wird, der noch mehr Menschen nach Europa lockt.

„Es existiert keine handfeste Studie, die belegt, dass die Behauptung vieler Politiker, der Wahrheit entspricht, dass wenn man vielen Asyl gewährt, dies zu steigenden Asylbewerbern führt, „, sagt Alexander Betts, Chef des Refugee Studies Centre von der University of Oxford. „Fast alle Flüchtlinge würden gerne nach Hause gehen. Sie sitzen nicht in Flüchtlingscamps und rechnen sich aus, wo sie die größten Leistungen bekommen.“

„Fast alle Flüchtlinge würden gerne nach Hause gehen. Sie sitzen nicht in Flüchtlingscamps und rechnen sich aus, wo sie die größten Leistungen bekommen.“

„Es gibt keinen Beweis für einen Pullfaktor“, stimmt auch Ian Goldin, Kopf des Oxford Martin School on global challenges, zu. „Wenn du das Todesrisiko halbieren würdest, würden dann mehr kommen? Verzweifelte Menschen machen diese Rechnung nicht.“ Auch der Schauspieler Benedict Cumberbatch sagte bei einer Rede nach einer Vorführung von Hamlet in London: „Niemand steckt Kinder in ein Boot, wenn das Wasser nicht sicherer ist als das Land.“

Goldin merkt an, dass jeder Pullfaktor unbedeutend gegenüber den ganzen „Pushfaktoren“ sei, wie beispielsweise die überfüllten Flüchtlingscamps im Mittleren Osten, deren Zustände immer schlechter werden. Wenn man verhindern wollte, dass mehr Menschen die Reise nach Europa auf sich nehmen, sollte man die Zustände in den gigantischen Flüchtlingscamps im Libanon, in der Türkei und anderorts verbessern.

Wie Deutschland wirtschaftlich profitiert

Die ankommenden Flüchtlinge bestehen fast ausschließlich aus jungen Menschen und Familien, genau das, was der alternde Arbeitsmarkt in Deutschland braucht. Deutschland hatte im Jahr 2012 200.000 mehr Tode als Geburten, aufgrund der sinkenden Geburtenraten. Jedoch sind im selben Jahr 391.000 Menschen hierher immigriert – Die wenigsten hiervon Rentner. Dies bedeutet u.a. eine Entlastung für die Rentenkassen. Auch Lücken für Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt können gefüllt werden.

Doch auch ohne Arbeitskräftemangel sind Migranten keine Last. Am 4. September veröffentlichte die Weltbank, die International Labour Organization der UN und der OECD einen Bericht, der schließt, dass „in den meisten Ländern Migranten mehr an Steuern und Sozialleistungen zahlen als sie beziehen.“

Andere Studien zeigen, dass Immigranten weniger wahrscheinlich zum Sozialfall werden und nicht öfter in Sozialwohnungen leben. (Studie zB. für Großbritannien)

Woran das liegt? Zum Teil daran, dass die meisten Migranten jung sind und relativ wenig soziale Unterstützung brauchen, im Gegensatz zu alten und kranken Bevölkerungsteilen der Einheimischen. Und ihr wirtschaftlicher Einfluss gleicht sich an den der Einheimischen an, je älter sie werden und je mehr sie sich anpassen. Eine weitere Studie aus Oxford besagt, dass das Aufnehmen großer Zahlen an Immigranten gravierenden Einfluss darauf hat, die Schulden eines Landes abzubauen. (Beispiel Großbritannien)

„Es gibt jetzt mehr als ein Dutzend guter Studien, die zeigen, dass Migranten im Schnitt einen positiven Effekt auf die Wirtschaft haben“, schließt Goldin.

Die meisten Zahlen deuten darauf hin, dass der wirtschaftliche Effekt positiv ist. Insbesondere dann, wenn die Migranten gut gebildet sind, wie dies bei den meisten Syrern der Fall ist. Jedoch suchen es sich Flüchtlinge, im Gegensatz zu anderen Migranten, nicht aus, ob sie kommen oder nicht. Sie müssen fliehen. Das kann den errechneten Effekt etwas verändern. Aber das heißt dann, dass diese Flüchtlinge irgendwann wieder nach Hause zurück kehren. Wenn nicht, werden sie sich in die Gesellschaft einfügen wie andere Migranten. Es kann lokale, negative Effekte geben, die sich jedoch nicht als Problem herausstellen sollten. Migranten könnten bei der Jobvergabe bevorzugt werden – Aber nur, weil sie sich schlechter bezahlen lassen. Doch mit Maßnahmen wie Mindestlöhnen entfällt diese Gefahr.

Andere Studien zeigen, dass Migranten mehr Jobs schaffen. Ein massiver Zustrom an Migranten kann Löhne drücken, jedoch hauptsächlich für andere Migranten und dann auch nur zwischen 1 und 3%. Jedoch bleibt der Einfluss meistens gleich oder ist positiv.

„Jeder Euro, den wir dafür ausgeben, um Migranten auszubilden, ist ein Euro, der dafür ausgegeben wurde, um einen Fachkräftemangel vorzubeugen.“, erklärten ein Großteil der Bundesländer letztes Jahr. Ansonsten müsste man mehr für Sozialleistungen ausgeben, da der Fachkräftemangel der Industrie schadet und somit verhindert, dass Arbeitsplätze geschaffen werden.

Warum verschlißen dann also alle Länder ihre Türen?

Abgesehen davon, dass es sich bei Flüchtlingen aus Kriegsgebieten um eine Menschenpflicht handelt, sie zu retten, warum lehnen wir sie aus wirtschaftlichen Gründen ab? Vor allem weil Geld nicht wirklich der Grund sein kann, wenn wir nicht bereit sind, für die Unterbringung und Integration von Flüchtenden zu bezahlen, aber gleichzeitig Milliarden für Grenzzäune und Frontex ausgeben. Die Wissenschaft suggeriert, es ist in Wahrheit eine Angst vor dem kulturellen Einfluss von Fremden und Geld ist ein Feigenblattargument. Zum Beispiel hat August letzten Jahres hat die Slovakei verkündet, sie werde nur Syrer christlichen Glaubens aufnehmen.

Doch diese Ängste sind gewaltig übertrieben. Wir werden lernen, mit den kulturellen Unterschieden klarzukommen, wie wir es schon immer gemacht haben. Und wer Angst hat, dass orientalische Einflüsse unsere christlichen Werte erodieren könnten, der sollte daran erinnert werden, woher das Christentum überhaupt kommt.

Wenn Angela Merkel sagt „Wir schaffen das“, hat sie tatsächlich Recht. Im Gegenteil, es ist eigentlich kaum ein Problem, wenn wir unsere Asylgesetze in Ordnung bringen und sie nicht noch weiter pervertieren. Wenn wir nicht an der Flüchtlingsunterbringung sparen und auch Geld in die Integration investieren. Denn die Augen hinter verschlossenen Grenzen zu verschließen hilft niemandem. Auch hindert keine Abschreckungspolitik Menschen daran, vor dem Tod zu fliehen. Denn die Situation der Flüchtlingscamps in Jordanien, der Türkei und im Libanon wird immer dramatischer, sodass die Flüchtlinge gezwungen werden, weiter zu ziehen. Diese Länder und andere Länder mit großen Flüchtlingszahlen, wie Kenia, brauchen Hilfe, oder das ganze System wird zusammenbrechen. Und dann haben wir erst eine richtige Flüchtlingskrise.


Der Artikel bedient sich einiger Quellen aus diesem Artikel in englischer Sprache von Newscientist. Der Autor bedankt sich.

Thomas_LThomas Laschyk, Chefredakteur Volksverpetzer Journalist, Blogger, und Onlineaktivist aus Augsburg. Auf seinem Blog Der Volksverpetzer beschäftigt sich Laschyk auf kritische und kreative Weise mit Themen aus Bundes- und Weltpolitik, bis zu Wirtschaft, Finanzen und ethischen Fragestellungen. Hier könnt ihr dem Volksverpetzer auf Facebook folgen.