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Ist es böse, eine Satirepartei zu wählen? Angesichts dessen, dass eine sehr rechte Partei im Begriff ist, in den Bundestag zu kommen?

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Lange wurde „Die PARTEI“ als hippe und lustige Modeerscheinung gesehen, aber in diesem Wahlkampf scheint einigen Parteien und Kommentatoren dann doch die Düse zu gehen. Plötzlich ist es en vogue auf „Die PARTEI“ draufzuhauen.

Es ist davon die Rede, dass es verantwortungslos ist „Die PARTEI“ zu wählen, oder ein Ausdruck von verantwortungsvollem Luxus. Oder man wähle mit einem Kreuz bei „Die PARTEI“ faktisch die AfD.

 

Ich persönlich werde „Die PARTEI“ nicht wählen. Ich habe sie aber schon mal gewählt und zwar sogar bevor es cool war. Das war noch vor meinem Eintritt bei den Piraten damals.



Was ich mich aber bei der ganzen Situation frage ist „Warum wählen Menschen eine Satirepartei?“

Und hilft es da wirklich weiter, Menschen charakterliche Schwäche nachzusagen oder die Satirepartei an sich zu verunglimpfen?

 

Sicher, „Die PARTEI“ hat auch Spinner in ihren Reihen. Leute, die über das Ziel hinaus schießen. Leute, die versuchen die Partei zu nutzen um Menschenfeindlichkeit irgendwie pseudowitzig zu verkaufen. Aber ich befürchte fast, das bleibt in keiner Partei oder Gruppierung aus, dass auch ‚die falschen Leute‘ versuchen, das Vehikel für sich zu nutzen. Hab ich bei meiner Ex-Partei ausreichend erlebt. Und die hat im Umgang mit diesen Leuten echt schlecht reagiert.

 

Aber womöglich kann man auch mal einen Blick auf die restliche Parteienlandschaft werfen, um eine Erklärung dafür zu finden, warum Menschen eine Satirepartei wählen.

 

In meinem letzten Blogpost auf meinem persönlichen Blog schrieb ich: Ich fühle mich von den großen Parteien, auch denen die eher links stehen, nicht wirklich repräsentiert. Zu weit weg sind für mich deren politische Debatten. Zu abgehoben, zu akademisch, zu herablassend. Zu weit entfernt von mir und meiner Lebensrealität als Frau mit mittelmäßig bezahltem Bürojob, die sich halt irgendwie durchschlagen muss.

 

Was machen Menschen wie ich?

 

Klar, viele wählen einfach das, was sie schon immer gewählt haben. Was womöglich das ist, was die Eltern schon gewählt haben. Oder die Großeltern.

 

Dann gibt’s die, die sich vom Populismus der Rechten anstecken lassen. Bei denen der Appell an die niedrigen Instinkte zieht. Die denen Glauben schenken, die behaupten, ihr Leben wäre deshalb so ‚mehr schlecht als recht‘ weil andere ihnen etwas wegnehmen.

 

Es gibt auch einen Reigen von Kleinstparteien, die interessante Konzepte haben und nicht im chaotischen Rebellentum der Piraten daher kommen. Diese werden von den Idealisten gewählt, die sich für eine politische Idee begeistern können und diese mit der Stimme und der daraus resultierenden Parteienfinanzierung unterstützen wollen.

 

Wer wählt DIE PARTEI?

 

Genug Menschen fühlen sich von der großen Politik nicht gehört, glauben nicht, dass die Kleinen was ändern wollen. Die sich aber auch glücklicherweise nicht von rechten Verführern bequatschen lassen. Die wählen dann womöglich gar nicht.

 

Und dann gibt es eben die, die zwar eher links oder eher liberal sind, aber sich von der Linken oder der FDP abgeschreckt fühlen und die vielleicht mal früher auch die Konzepte der Piraten gut fanden, als diese noch im Aufstieg begriffen waren. Die nun aber davor zurückschrecken, eine kleine Partei zu unterstützen, weil das mit der einen Orangenen ziemlich schief gelaufen ist. Die, denen die ganze Absurdität des politischen Geschäftes bewusst ist, die aber keine Möglichkeit und keinen Ansatzpunkt sehen, etwas daran zu ändern.

 

Und hier haben wir dann womöglich das Klientel von „Die PARTEI“.

 

Ist ihnen vorzuwerfen, dass sie sich von den großen Parteien abgeschreckt fühlen? Nein!

Ist es verwunderlich, dass sie sich eine Form suchen, um auszudrücken, dass sie zwar politisch interessiert sind, sich aber nicht repräsentiert fühlen? Nein!

 

Satire ist immer ein Mittel darauf hinzuweisen, dass etwas im Argen liegt. Und Satire tut manchmal verdammt weh.

Aber wenn ich mir angucke, wie einige Vertreter von anderen Parteien auf „Die PARTEI“ einschlagen, da scheint mir genau diese Funktion erfüllt.

 

Die Frage ist, ob die Getroffenen auch für sich selbst Lehren ziehen und sich Gedanken machen, wie sich wieder mehr Menschen angesprochen fühlen. Wahlkampfphrasen allein helfen da nicht.

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OPTIONAL Artikelbild: Shutterstock

Maja_TFrauMaja, Redakteurin Volksverpetzer FrauMaja ist 31 Jahre alt, Bloggerin aus der Ruhrpottperipherie und hat ein Herz für das Bedingungslose Grundeinkommen und soziale Themen. Hier schreibt sie über ihren Traum von progressiver Politik. Hier könnt ihr dem Volksverpetzer auf Facebook folgen.