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FrauMaja ist es leid, für die Krawalle in Hamburg mitschuldig gemacht zu werden, nur weil sie sich für Soziale Gerechtigkeit und gegen Faschismus einsetzt. Und warnt vor einem Generalverdacht gegen Linke.

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Ich gebe zu, ich bin derzeit ratlos. Sehr ratlos.

Ich hab die letzten Tage echt einen Haufen Blödsinn gehört. Angeblich finde ich es gut, dass das Eigentum anderer Menschen zerstört wird und dass Menschen zu Schaden kommen. Der Höhepunkt war ein Account, der mich gleich mal in die Nähe von Terrorismus rückte, als ich mir Sorgen machte, was das G20 Wochenende wohl für Menschen bedeutet, die zukünftig noch gegen Rechte auf die Straße gehen wollen.

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Disclaimer: Die Autorin hat noch nie Pflastersteine geworfen und beabsichtigt nicht, das jemals zu tun.




Ich kann jetzt schreiben, dass ich Gewalt verabscheue. Das entspricht sogar der Wahrheit. Ich gehe nicht mal Paintball spielen, weil ich nicht mal zum Spaß auf andere Menschen schießen will. Aber was bringt mir diese Beteuerung und Rechtfertigung?

Warum sollte sie nötig sein, wenn ich mich auch in Zukunft rechten Gruppierungen entgegenstellen will?

Warum muss ich mich erst legitimieren, wenn ich gegen menschenverachtende Ideologien bin? Und wenn ich für soziale Gerechtigkeit bin?

Aber ich befürchte, so wird es in Zukunft laufen. Ich werde mich mit Protest gegen Rechts verdächtig machen. Protest aus linker Richtung wird pauschal unter Extremismusverdacht gestellt werden – noch mehr als sonst. Und welche Konsequenzen hätte es, wenn man wegen der Teilnahme an solchen Demos womöglich in der geforderten Extremistenkartei landet? Gibt’s dann Reiseverbote? Oder sonstige Repressionen? Alles, weil man sich gegen menschenverachtendes Gedankengut wendet?

Schon jetzt gibt es die Forderung, autonome und soziokulturelle Zentren dichtzumachen.

Weil es keine Bereiche geben dürfe, über die der Staat keine Kontrolle hat. Dabei sind diese Zentren oft ein Gewinn. Sie sind Veranstaltungsort für Vorträge, für Konzerte, für Diskussionen, für Kreative. Und das alles, ohne Steuergelder zu kosten – in einer Zeit, in der Städte allzu oft kein Geld für kulturelle Veranstaltungsorte, Jugendzentren etc. ausgeben können oder wollen.

Aber offenbar nimmt man den Verlust von Kultur in Kauf, um symbolisch irgendwelchen angeblichen Extremisten das Leben schwer zu machen. Treffen wird es Menschen, die sich engagieren und durch viel ehrenamtliche Arbeit einen Raum für Kultur bieten.

Und wem verdanken wir das alles? Einer miesen Polizeitaktik? Einem Haufen randalierender Blödmänner? Etwas von beidem?

Mich erschreckt, was für weitreichende und freiheitseinschränkende Pläne Politiker plötzlich aus der Schublade holen, die viele engagierte Menschen pauschal treffen werden. Die dazu führen werden, dass sich Leute nicht mehr trauen werden, auf die Straße zu gehen. Die gesellschaftlichen Protest zum Verstummen bringen werden..

Das ist nicht der freiheitliche, liberale Staat, den ich mir vorstelle. Das ist kein Staat, der sich aus dem Leben der Menschen heraushält.




Als Demokratin ist das für mich ein Schlag ins Gesicht. Als Antifaschistin habe ich Angst, kriminalisiert zu werden. Als friedliebender Mensch bin ich zutiefst resigniert.

Wie sollen wir an einer sozialeren, selbstbestimmteren Gesellschaft bauen, wenn wir dafür kriminalisiert werden?

Das kann es doch nicht sein. In einem Staat, in dem Autorität nicht hinterfragt werden darf, möchte ich nicht leben.

Wenn es das ist, was vom G20-Wochenende bleibt, dann ist es katastrophal.

Titelbild von Cardamonchai, die für uns live in Hamburg dabei waren (Bericht)

FrauMaja, Redakteurin Volksverpetzer FrauMaja ist 31 Jahre alt, Bloggerin aus der Ruhrpottperipherie und hat ein Herz für das Bedingungslose Grundeinkommen und soziale Themen. Hier schreibt sie über ihren Traum von progressiver Politik. Hier könnt ihr dem Volksverpetzer auf Facebook folgen.