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Die Kriminalstatistik für das Jahr 2016 wurde veröffentlicht. Die AfD sieht in den Zahlen ihr Bild des kriminellen Flüchtenden bestätigt. Doch Asylbewerber sind in Wirklichkeit nicht krimineller als Deutsche. Lest hier, warum die AfD Unrecht hat.

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Es mag zuerst dramatisch klingen: Die Anzahl der Tatverdächtigen Zuwanderer (mit Aufenthaltsstatus „Asylbewerber“, „Duldung“, „Kontingentflüchtling / Bürgerkriegsflüchtling“ und „unerlaubt“) ist im Vergleich zum Vorjahr um fast 53% gestiegen. Machen Asylbewerber Deutschland unsicher?

Es gibt zwei wesentliche Fehler in dieser Darstellung




Erstens handelt es sich hier um Tatverdächtige. Wenn man einer Straftat verdächtigt wird, kann sich der Verdacht erhärten oder auch nicht. Einer Tat verdächtigt zu werden, heißt noch lange nicht, dass man sie auch begangen hat. Tatverdächtige und Straftaten gleichzusetzen ist falsch und fahrlässig!

Die Anzahl der Straftaten dürfte also geringer sein, denn: Ausländer und vor allem Asylbewerber werden nachweislich häufiger angezeigt als Deutsche, oftmals sogar fälschlicherweise, wie Kriminologen erklären. Straftaten von Deutschen werden weniger häufig zur Anzeige gebracht und tauchen somit auch nicht in der Statistik auf. So ist eine höhere Zahl Ausländer unter den Tatverdächtigen auch auf Rassismus zurückzuführen.

Natürlich gibt es mehr Straftaten. Es gibt ja auch mehr Menschen im Land

Zweitens sollte es niemanden verwundern, dass 2016 die Tatverdächtigen vor allem unter Asylbewerbern zugenommen haben: Es gibt ja inzwischen auch viel mehr Menschen in Deutschland und der Anteil an Asylbewerbern an der Bevölkerung ist größer.

Ende 2015, mit Beginn der Flüchtlingskrise kamen 890.000 Asylsuchende in Deutschland an (und 2016 weitere 280.000), die sich dann im Folgejahr 2016 in Deutschland aufhielten. Unter ihnen befanden sich Menschen, die 2016 Straftaten begangen haben, die sie 2015 noch nicht hätten begehen können, weil sie noch gar nicht im Land waren.  (BAMF)

Im Schnitt waren 2016 pro Monat bedeutend mehr Menschen in Deutschland, die potentiell Straftaten begehen können als im Jahr zuvor und der Anteil der Asylbewerber im Vergleich zu den Deutschen stieg selbstverständlich an, weil nicht gleichzeitig eine Millionen Deutsche ebenfalls aus dem Himmel fielen.

Aber sind Asylbewerber krimineller als Deutsche?

Niemand leugnet, dass Asylbewerber auch Straftaten begehen. Die Frage ist, ob sie prozentual mehr Straftaten begehen als Deutsche, oder ob sie einfach ganz normale Menschen sind (Spoiler: Ja sind sie!)

Die Anzahl der tatverdächtigen Asylbewerber ist um 52,7% gestiegen? Es existieren keine genauen Zahlen, wie viele Menschen mit Asylstatus sich derzeit (und davor) in Deutschland aufhalten, aber ihre Zahl ist, wie man der obigen Grafik entnehmen kann, definitiv viel stärker gestiegen als nur um 50% – Sondern um ein Vielfaches. Also sogar weniger stark, als man annehmen würde.

Aber was wenn Asylbewerber im Schnitt krimineller sind als Deutsche?

Dass die Pro-Kopf Anzahl der Tatverdächtigen unter den Asylbewerbern größer sein dürfte als bei den Deutschen (und genaue Zahlen haben wir leider nicht), hat ein paar einfache Gründe.

Es sind vor allem Mehrfachtäter, die die Zahlen hochtreiben – auf Kosten der unbescholtenen Mehrheit. Ein Mensch kann natürlich mehrfach als Tatverdächtiger in diese Statistik eingehen – für unterschiedliche Straftaten. Außerdem hat eine höhere Neigung zur Kriminalität nichts mit der Herkunft zu tun – Sondern mit dem Alter und dem Geschlecht: Der durchschnittliche Asylbewerber ist jünger und männlicher als der durchschnittliche Deutsche – und junge Männer sind im Schnitt einfach krimineller. (Aber nein, Asylbewerber sind nicht vor allem nur junge Männer, siehe hier)




Großunterkünfte und Perspektivlosigkeit sind Konfliktherde

Außerdem kommt die fehlende Integration und die schlechte Unterbringung noch hinzu: Die Menschen sind vom Krieg traumatisiert, fern ab der Heimat, haben schlechtes Essen und zu kleine Unterkünfte, sie dürfen nicht arbeiten: Das sind alles Stressfaktoren, die Unruhe stiften und zu Straftaten führen können.

Deshalb spielen sich die meisten Straftaten in den Unterkünften selbst ab, und damit sind die meisten Opfer der Flüchtlinge eben andere Flüchtlinge. Also stimmt es nicht, wenn man es so darstellt, als ob dies eine Bedrohung für Deutsche ist.

Was die AfD verschweigt: Rechtsextreme Straftaten haben fast genau so stark zugenommen

Also nein, die aktuellen Zahlen für das vergangene Jahr zeigen nicht das Asylbewerber krimineller seien oder eine Gefahr für Deutschland darstellen würden. Rechtspopulisten wie die AfD möchten uns das nur glauben lassen, damit ihre Darstellungen eines unsicheren Deutschland bestätigt wird, um Wählerstimmen zu bekommen.

Doch durch eine Politik, wie sie die AfD verursacht wird das Problem doch erst schlimmer: Erstens dürfte weitere Vernachlässigung der Asylbewerber, fehlende Intergration und psychischer Druck durch strengere Asylverfahren nicht nur zu höherer Kriminalität führen, die Flüchtlinge könnten dadurch sogar für Radikalisierungen durch Salafisten beeinflussbarer werden!

Zweitens führt die immer negativere Stimmung gegenüber Flüchtlingen zu einem dramatischen Anstieg an rechtsextremen Straftaten: Nach den neuesten Zahlen des Verfassungsschutzes sind diese um 42,2% gestiegen, vor allem gegen Asylbewerberunterkünfte. Auch das ist einerseits Kriminalität, die aufgrund der aufgeheizten Stimmung im Land entsteht, andererseits verschlechtert sie die Situation der Asylbewerber, die sie in die Arme der Extremisten treiben kann.

Wir sollten also aufhören, Asylbewerber unter Generalverdacht zu stellen, denn das erzeugt zusammen mit der schlechten Unterbringung und mangelnden Integration erst einen Großteil der Straftaten, über welche wir uns jetzt empören. Das ist ein rassistischer Teufelskreis. Wir müssen aus diesem ausbrechen und Asylbewerber als die ganz normalen Menschen akzeptieren, die sie sind.

Thomas_LThomas Laschyk, Chefredakteur Volksverpetzer Journalist, Blogger, und Onlineaktivist aus Augsburg. Auf seinem Blog Der Volksverpetzer beschäftigt sich Laschyk auf kritische und kreative Weise mit Themen aus Bundes- und Weltpolitik, bis zu Wirtschaft, Finanzen und ethischen Fragestellungen. Hier könnt ihr dem Volksverpetzer auf Facebook folgen.