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Caren Lay von den Linken fotografierte einen bekannten Neonazi mit „HKNKRZ“-Shirt an einem AfD-Stand. Man könnte es so interpretieren, dass die AfD Neonazis anzieht. Wie verzweifelt AfD-Sympathisanten versuchten, das Foto anders zu deuten, hat Friedemann Kipp unterhaltsam zusammengefasst.

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Hallo zusammen und willkommen zum neuen Eintrag. Es sind dann doch vier Wochen geworden, aber nun bin ich (teilweise erholt) aus dem Urlaub zurück und bereit, mich den Kommentarergüssen der Facebook-Community wieder zu stellen.

In nicht einmal einem Monat sind Bundestagswahlen. Höchste Zeit also, sich mal ein wenig mit den zur Wahl stehenden Parteien auseinanderzusetzen. Und um eine davon dreht sich auch der heutige Eintrag. Es geht – wie sollte es anders sein – um die „Alternative für Deutschland“, die AfD.

Die blauen Smarties

Zur Partei selbst brauche ich vermutlich nicht viel zu sagen. Sie sind ein wenig wie die blauen Smarties. Außen glänzen sie hübsch und versprechen den Bürgern, ihnen ihr Land zurückholen zu wollen. Doch blickt man hinter die Fassade, kommt eine braune Masse zum Vorschein. Aus dieser Masse heraus blicken einen Schlüsselfiguren wie Frauke Petry, Alexander Gauland und Bernd (jap, Bernd) „Geschichtsbewusstsein“ Höcke an. Sie und viele weitere stehen stellvertretend für die rückständigen Politikvorstellungen der Ewiggestrigen.



Bevor ich nun aber dahin abdrifte, mich an den Skandalen und verbalen Aussetzern rund um die AfD entlangzuhangeln (das haben wir hier schon gemacht), kommen wir lieber zum heutigen Kernthema, nämlich diesem Foto:

Dieses Bild wurde von Caren Lay (Die Linke) in Hoyerswerda aufgenommen und am 26.08.2017 veröffentlicht. Es zeigt einen Infostand der AfD, an dem der AfD-Kandidat Karsten Hilse (links im Bild, der Herr mit dem Anzug) gerade Wahlkampf betreibt. So weit, so normal.

Des Nazis neue Kleider

Stein des Anstoßes in diesem Foto ist der Mann rechts im Bild (naja… nicht nur im Bild). Er steht HINTER dem Stand, hält etwas in der Hand, das vermutlich ein Flyer ist und hat am Morgen des Tages bei der Wahl seiner Garderobe einige sehr fragwürdige Entscheidungen getroffen. Die Hose, in schwarz-weiß-rot gehalten, erinnert ein wenig an eine gewisse Flagge, die zu schwenken vor etwa 80 Jahren durchaus üblich war. Viel eindeutiger ist jedoch das T-Shirt. Darauf zu lesen steht HKNKRZ. Und wofür könnte das stehen? Richtig, für „Hakenkreuz“. Da HKNKRZ – im Gegensatz zum tatsächlichen Swastika-Symbol – in Deutschland nicht verboten ist, bietet dieses Shirt dem Träger die Möglichkeit, seine degenerierte Weltanschauung öffentlich zur Schau zu stellen, ohne sich dabei strafbar zu machen.

Laut der rechtsnationalen Versandhändler, die das Shirt anbieten, steht die Abkürzung natürlich für etwas anderes, nämlich „Hakan Kirez“, einen (angeblichen) türkischen Blogger, mit dem sich hier solidarisiert werden soll. Interessanterweise findet man, wenn man diesen Namen bei Google sucht, beinahe ausschließlich Seiten, auf denen man das Shirt kaufen kann. Ich habe nach kurzer Recherche keinerlei Belege für die Existenz dieses Bloggers finden können.

Ok, lange Rede, kurzer Sinn: Das Shirt gibt es auf Nazi-Seiten, es wird von Nazis getragen und wenn man es in den Warenkorb packt, werden einem (laut Quelle weiter oben) Shirts mit Aufschriften wie „Refugees not welcome“ oder „I love NS“ angeboten. Ich denke, die Beweisführung ist abgeschlossen:

Der Kerl da rechts ist ein Neonazi.

Zu diesem Schluss kam man auch bei BuzzFeed, nachdem man das Facebook-Profil des Mannes ausfindig gemacht und dort allerlei Nazi-Zeug (Heinrich-Himmler-Fanpics, „Arbeit macht frei“-Spruchbild, usw.) gefunden hatte. Laut Ramba Zamba, einem linken Blog, handelt es sich bei dem Mann übrigens um Mirko Nix, einen bekannten Hoyerswerdaer Neonazi.

So, der Typ steht nun also in seiner Nazikluft hinter dem Stand und hält einen Flyer vor sich. Man KÖNNTE in der Tat aufgrund des Bildes davon ausgehen, dass er im Namen der AfD an diesem Stand Wahlkampf betreibt, nicht wahr? Tut er aber nicht.

Der Mann war nicht im Namen der AfD dort. Hilse gab an, ihn zwar zu kennen, jedoch lediglich aufgrund seiner Tätigkeit als Polizist. Er ließ weiterhin verlauten, der Mann habe lediglich etwa eine Minute am Stand verbracht und sei dann gegangen. Caren Lay gibt hingegen (unter Berufung auf Augenzeugen) an, der Mann habe sich gut 15 Minuten dort herumgetrieben. Wer nun recht hat, vermag ich freilich nicht zu sagen.

Womit wir beim heutigen Artikel wären. Der Spiegel (bzw. bento) titelt hier mit der Frage „Was macht ein Mann mit Hakenkreuz-Shirt an einem Infostand der AfD?“

Der Artikel enthält grob die Informationen, die ich hier bereits auch schon gegeben habe. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal kurz den letzten Absatz des Artikels zitieren:

Auf dem Foto sieht es so aus, als würde jemand mit HKNKRZ-Shirt Flyer für die AfD verteilen. Das behauptet aber niemand. Es geht nur darum, dass sich Caren Lay eine deutliche Distanzierung der AfD gewünscht hätte.“

Auch Caren Lay hat in ihrem Tweet nie behauptet, dass der Mann zur AfD gehöre. Auch keine andere der genannten Quellen behauptet dies. Lediglich die kollektive Forderung an die AfD, sich von dem Mann zu distanzieren, steht im Raum. Der Fairness halber sei hier erwähnt, dass Hilse nach Rückfrage klar gesagt hat, dass der Mann nicht zu ihm oder seinem Team gehöre und nichts mit der AfD zu tun habe. Ob die Distanzierung hier klarer hätte erfolgen müssen – sprich: ob Hilse den Mann hätte aktiv seines Standes hätte verweisen sollen – hängt aus meiner Sicht davon ab, wie lange er wirklich dort stand. Eine Minute ist in der Tat nicht lang, sowas kann man übersehen. Stand er aber tatsächlich 15 Minuten dort, hätte man ihn durchaus bemerken müssen, zumal er sich ja augenscheinlich HINTER dem Stand positioniert hat. Und wenn einem wirklich daran liegt, dass die eigene Partei nicht mit Kontakten ins Neonazi-Milieu in Verbindung gebracht wird, hätte man an Hilses Stelle definitiv eingreifen müssen.

Die Verschwörung der besseren Menschen

So, werfen wir nun endlich mal einen Blick in die Kommentare. Fangen wir mit einer der weniger aufgebrachten Kommentatorinnen an.

Diskreditieren ist ein hartes Wort für das, was bento hier gemacht hat. Ein Nazi steht am AfD-Stand, jemand fotografiert es und bento fragt, was der Kerl denn da treibt. Hätte man hier diskreditieren wollen, hätte man auch einfach titeln können „Nazi betreibt Wahlkampf am AfD-Stand“. Wäre zwar nicht belegbar gewesen, aber die meisten Rezipienten lesen ja ohnehin nur die Überschrift.

Yeah, wir machen direkt mit den Verschwörungstheorien weiter. Ach Mike, wo soll ich anfangen? Zunächst einmal braucht man als AfD-Gegner, oder, wie du es nennst „besserer Mensch“ (lieb von dir, ich werd‘ ganz rot), im Grunde gar nicht nachzuhelfen, wenn man sich in seinem Bild von der AfD bestätigt fühlen will. Die AfD und ihre Anhänger versäumen es in aller Regelmäßigkeit, sich ausreichend von der rechten Szene zu distanzieren. Das ist zugegebenermaßen auch nicht ganz einfach, wenn man sich gleichzeitig von dort Stimmen erhofft. Und auch sonst sind die hellblauen Gesellen selten um einen Skandal verlegen.

Aktuelles Beispiel gefällig? Kaum einen Tag später rutschte Alexander Gauland im Bezug auf die Bundesintegrationsbeauftragte Aydan Özoguz raus, man solle sie „in Anatolien entsorgen“. Später gab er an, sich nicht an die Formulierung erinnern zu können. Du siehst also, lieber Mike: Eine solche Situation zu inszenieren, dauert vermutlich länger, als einfach darauf zu warten, dass die AfD sich von selbst wieder durch solche Schlagzeilen in den Medien blamiert.

Ein weiterer Punkt, der gegen eine linke Intrige spricht, ist, dass Mirko Nix ein waschechter Neonazi ist

So richtig, mit Adolf-Köpfchen-Tattoo auf dem Bein (siehe Quelle weiter oben). Das stelle ich mir schon einigermaßen witzig vor, wie man da in einer beliebigen Runde von Linksaktivisten gesessen haben soll und durch Streichholzziehen ausgeknobelt hat, wer denn nun dem bekennenden „Nationalisten“ den Vorschlag unterbreiten darf, doch mal im Namen der Linken die AfD zu ärgern, indem er sich als menschliche Diskreditierung einfach zu denen stellt.

Klar, wenn man in die Forderung genug Fremdworte einbaut, kann man wegrennen, bevor der Nazi die Frage komplett verstanden hat. Dann bekommt man zwar nichts auf die Fresse, aber eine Zusammenarbeit wird da vermutlich dennoch nicht entstehen.

Andere Formulierung, aber inhaltlich derselbe Müll wie in Mikes Kommentar. Mir gefällt aber die Wortwahl. Und ja, Waldemar, du hast recht. Ich habe dergleichen noch nie im Putin serviert bekommen. Ich war auch noch nie im Putin und weiß daher nicht, was man dort serviert bekommt. Aber vielleicht probiere ich es mal aus. Muss man da vorher einen Tisch bestellen?

Zustimmung, Relativierung und CAPSLOCK

Michael kann man offenbar ködern, indem man sich Nazis an den Stand holt. Das ist zwar irgendwie beunruhigend, aber dafür herrlich kalkulierbar. Wen interessieren auch Inhalte oder politische Ambitionen, wenn man die Parteien auch einfach danach beurteilen kann, wer sich an ihren Infoständen herumtreibt? Hast du vorher NPD gewählt, Michael? Da stehen auch immer jede Menge Nazis an den Ständen. Was das über dich aussagt, brauche ich wohl kaum zu erwähnen.

Und da haben wir auch endlich den AfD-typischen Whataboutismus. Thomas‘ Kommentar habe ich hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Für wie gefährlich ich Neonazis halte, habe ich im Eintrag zu den Rechtsrockkonzerten in Themar wohl deutlich genug gesagt.

Und hier haben wir den Hattrick unter den heutigen Kommentaren. Inhaltlich völlige Grütze, orthographisch fatal und dann auch noch in CAPSLOCK. Ein Traum. Mein persönliches Highlight ist allerdings, was Sebastian anstelle von „Äußerungen“ geschrieben hat, nämlich „Aussäuerungen“. Meinen Recherchen zufolge handelt es sich dabei um eine Technik der Fischzubereitung. Ich konnte keinen Kommentar von Fabrice oder sonst irgendwem finden, der dazu irgendwas preisgegeben hätte. Du kannst dich also abregen, lieber Sebastian.

Messerscharfe Detektivarbeit oder: Die Grundlagen der Bildbearbeitung

Für die folgenden Kommentare ist es notwendig, zu wissen, wie genau der Facebook-Post vom Spiegel, der auf den Artikel verlinkte, aussah. Werfen wir einen kurzen Blick darauf.

Wer das Beitragsbild nun mit dem Bild aus dem Tweet weiter oben vergleicht, wird schnell einige kleine Unterschiede feststellen. Diese Details sind selbstverständlich auch dem messerscharfen Verstand einiger Kommentatoren nicht entgangen.

*Akte X – Musik spielt leise im Hintergrund*

Tja, ertappt. Sven, seines Zeichens Hobbydetektiv und sicherlich Besitzer des Agenten-Multifunktionstools aus dem YPS-Heft sowie der Mickey-Maus-Lupe aus dem gleichnamigen Heft, hat hier einen ganz großen Vertuschungsversuch aufgedeckt. Glaubt ihr nicht? Dann tun wir doch mal wie geheißen und schauen uns die Leute an den Seiten des Bildes genauer an.

Tatsache. Die ältere Dame mit den kurzen Haaren ist zweimal im Bild. Mensch, da war der Photoshop-Knecht aber faul. Baut der einfach zweimal dieselbe Frau da rein. Und dann auch ein Stück vom hellblauen AfD-Schirm. Und die beigen Markisen hat er auch einfach kopiert. Zum Glück hat der Sven das gesehen. Klar, dass es sich um eine Fälschung handelt, oder? Außer natürlich…

Lass mich dir kurz die Hintergründe deiner „Entdeckung“ erläutern, lieber Sven. Ich habe sogar Hilfslinien für dich eingefügt. Druck dir das Bild einfach aus, schneide es an den markierten Stellen auseinander und dann leg einfach den rechten Schnipsel so über den linken Schnipsel, dass die orangenen Linien übereinanderliegen. Tadaa!

Und auch was die Absichten der Fotomontage angeht, muss ich dich leider enttäuschen. Man wollte hier vermutlich nur das übliche Seitenverhältnis von Beitragsbildern bewahren und gleichzeitig dafür sorgen, dass der HKNKRZ-Mann, um den es hier geht, in der Bildmitte ist. Nicht mehr, nicht weniger. Keine Verfälschung, keine Tatsachenverdrehung. Und im Ernst, hätte man das Bild wirklich komplett fälschen wollen, wäre man wohl kaum so dämlich gewesen, mehrfach dieselben Leute einzubauen.

Was Heriberts Einwand angeht, lässt er sich auch relativ einfach entkräften. Ja, unten wurde für dieses Bild etwas weggeschnitten. Aber das Erste, das man sieht, wenn man den Artikel aufruft, ist der vollumfängliche, eingebettete Tweet von Caren Lay, inklusive dem ursprünglichen Foto. Da sind auch die Beine drauf. Tja, da wurde mal wieder das Maul aufgerissen, obwohl der Artikel nicht einmal aufgerufen wurde.

Nein, Peter, so geht Manipulation nicht. So gar nicht. Man zeigt dem… ähm… Daumenvolk (?) hier ein Bild und eine Schlagzeile, die erst einmal nichts weiter macht, als eine Frage zu stellen. Dies tut man in der Intention, die Leute dazu zu bewegen, den Artikel anzuklicken. Man könnte gar von Clickbaiting sprechen. „Wie die Posts in Masse zeigen“, ziehen es allerdings viele vor, stattdessen rumzuheulen und in schwachsinnige Verschwörungstheorien über Fotomontage zu verfallen, obwohl sie den Artikel offenbar nie aufgerufen, geschweige denn gelesen haben.


Der seltsame Fall des Hakan aus Kreuzberg

Wir nähern uns dem Ende. Es hat sich ja in den letzten Einträgen ein wenig etabliert, zum Schluss immer einen besonders wirren Kommentar einzubauen. Nun, dieses Mal habe ich da leider nicht wirklich etwas Passendes finden können.

Stattdessen habe ich einfach eine kleine Collage mit der am häufigsten vorgeschlagenen Deutung von HKNKRZ angefertigt. Nunja… kennt irgendwer diesen Hakan aus Kreuzberg?

Fazit: Wer rechts fischt, fängt eben auch rechts Fische

Schwierige Ausgangssituation. Bereits das Bild im Tweet von Caren Lay suggeriert beim ersten Hinsehen etwas, das nicht stimmt, nämlich dass sich die AfD hier einen gestandenen Nazi am Infostand parkt, um Wahlwerbung zu machen. Man KÖNNTE Frau Lay hier durchaus unterstellen, mit der Veröffentlichung des Fotos die AfD diskreditieren zu wollen.

Aber sind wir ehrlich: Das ist nicht nötig. Frau Lay mag das Foto gemacht haben, aber sie hat es ganz sicher nicht inszeniert. Hier hat schlicht ein Freilandnazi eine neue politische Futterstelle gewittert und ist dort hingegangen, um sie zu beschnuppern. Und er hat sich offenbar wohlgefühlt.

Caren Lay hat das Foto übrigens von ihrem eigenen Stand aus gemacht. Sie wird dort sicherlich Besseres zu tun gehabt haben, als durchgehend auf den AfD-Stand zu starren, weshalb ich die Aussage von Hilse, dass der Nazi dort nur eine Minute gestanden habe, für sehr unwahrscheinlich halte. Viel wahrscheinlicher ist es da, dass Mirko Nix sich in Ruhe am AfD-Stand umgesehen hat und irgendwann von Lay bemerkt wurde. Vielleicht auch deshalb, weil er eben länger dort zugange war. Aber das sind zugegebenermaßen Mutmaßungen.

Die Wahrheit sieht schlicht so aus: Die AfD mag Mirko Nix nicht direkt eingeladen haben, aber er kam trotzdem. Er hatte sogar im Vorfeld für die zugehörige Facebook-Veranstaltung zugesagt. Und das tat er vermutlich deshalb, weil er sich dort, bei der AfD, bis zu einem gewissen Grad verstanden und repräsentiert fühlt. Und das ist der Knackpunkt. Selbst wenn man ihn sofort dort vertrieben hätte, sollte man sich Gedanken machen, ob das Problem nicht darin besteht, dass man als Partei mit seinem Programm und seinen Inhalten solche Gestalten überhaupt anlockt.

Entgleisen, zurückziehen, wiederholen

Natürlich stellt man sich bei der AfD nicht mit offenen Armen vor eine Kamera und sagt „Ihr Nazilein kommet“, denn damit liefe man Gefahr, seine gemäßigten Wähler zu verprellen.

Stattdessen geht man subtiler vor. Hier mal eine verbale Entgleisung, da mal ein Mausrutscher. Und stets folgen die Dementi. Ach, man sei ja missverstanden worden. Ach, man könne sich ja gar nicht erinnern, das so gesagt zu haben.

Und die wirklich rechten AfD-Wähler hauen bei jeder dieser Entgleisungen ordentlich mit der Faust auf den (Stamm-)Tisch und rufen „Recht haben sie!“. Das anschließende Dementi überhören sie einfach.

Und die gemäßigten AfD-Wähler?

Bei denen läuft es annähernd umgekehrt. Bei der Entgleisung wird vielleicht mal scharf Luft eingesogen, weil man „das so nicht sagen darf“, da greift dann scheinbar doch das Gewissen. Doch ich bin sicher, dass auch hier in einigen Fällen ein kurzes, instinktiv zustimmendes Blitzen in den Augen vorkommt. Und dann folgt wieder das Dementi und erteilt den Anhängern moralische Absolution.

„Wir haben es NATÜRLICH nicht so gemeint. Ihr könnt uns besten Gewissens wählen!“

Dieses Vorgehen ist ebenso effektiv wie widerlich.

Aktuelle Wahltrends zeigen immer noch eine beunruhigend hohe Zustimmung für die AfD. Aus meiner Sicht bleibt nur zu hoffen, dass diese Zustimmung bis zur Bundestagswahl am 24. September noch kräftig sinkt.

Kommt schon, Leute. Frankreich und die Niederlande haben es vorgemacht. Jetzt sind wir dran, den Rechtspopulisten eine ordentliche Abfuhr zu erteilen. Also brav wählen gehen.

So, Ende für heute, bis in zwei Wochen.

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Friedemann Kipp, Kolumnist Volksverpetzer Ende 20, Wahlruhrpottler, Naturwissenschaftler auf Abwegen und angehender Blogger. Hier könnt ihr dem Volksverpetzer auf Facebook folgen.