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Nach islamistischen Terroranschlägen heißt es immer, diese Anschläge haben nichts mit dem Islam zu tun, um nicht alle Muslime dafür in Sippenhaft zu nehmen. Aber islamistischer Terror hat sehr wohl was mit dem Islam zu tun.

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Lange überlegte ich, ob ich diesen Artikel überhaupt schreiben soll, denn ich ahne, wer sich alles dadurch vor den Kopf gestoßen fühlen wird. Eigentlich stand der Entwurf schon nach dem Anschlag in Manchester, dann kam dieses Wochenende eine Terrorwarnung bei Rock am Ring und nun ein Anschlag in London.

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So richtig klar ist bei allen Anschlägen nicht, ob diese alle einen islamistischen Hintergrund haben, Spekulationen sollten sich ohnehin verbieten, bis es Beweise gibt. Aber in widerlicher Wiederkehr tauchen die immergleichen Muster auf: Der IS beansprucht einen Terroranschlag für sich. Eine Seite hat mal wieder ein Ventil gefunden, um gegen fremde Kulturen hetzen zu dürfen, und die andere erklärt unermüdlich, warum die Anschläge nichts mit dem Islam zu tun haben. Die Spirale dreht sich dann immer schön nach dem üblichen Schema hoch und am Ende gibt es nur noch Gutmenschen oder Rassisten und nichts dazwischen.

Es ist schon absurd, dass automatisch über den Islam bei Terroranschlägen gesprochen wird, irgendwo scheint also beides doch miteinander zu tun zu haben.

Zumindest in der Vorstellungswelt der beiden Seiten, die über ihn sprechen. Denn irgendwo muss diese reflexhafte Erwähnung doch herkommen.

Ähnlich war es bei der Wutrede von Lieberberg, dem Veranstalter des Rock am Rings: Direkt verwies er auf den Islam, Manchester usw. Einige Unsachlichkeiten in der Rede mögen zu kritisieren gewesen sein, doch wurde er direkt als Rassist und Menschenfeind gebrandmarkt – Einmal Facebook öffnen und schon konnte gesehen werden, wie alle über ihn herzogen.




Allerdings sind ein paar wesentliche Punkte untergegangen, die Jennifer Nathalie Pyka in ihrem Artikel bereits erwähnte.

Demonstrieren Muslime nicht gegen Islamismus?

Lieberberg kritisierte, dass es keine Demos gegen Gewalttäter von Muslimen gäbe. Die Empörung über diesen Satz war groß, und er ist auch nicht ganz richtig: Denn 2016 gingen in Berlin Muslime gegen den IS auf die Straße. Diese Demo war allerdings relativ klein, sodass von einer Massendemonstration also auch keine Rede sein kann. Dagegen demonstrierten 2014 Muslime gegen eine Militärintervention Israels im Gazastreifen, nachdem mal wieder israelische Städte durch die Hamas mit Raketen beschossen wurden. Dass das Mobilisierungspotenzial gegen Israel in muslimischen Communities deutlich größer zu sein scheint als gegen Terrorismus hinterlässt einen mehr als faden Beigeschmack. Und inzwischen wird wegen des Vorfalls bei Rock am Ring sogar gegen Anhänger der hessischen Salafistenszene ermittelt. Ganz falsch lag er daher wohl auch nicht.

Für mich gelten Menschenrechte für jeden Menschen und auf Menschenrechte haben Religionen Rücksicht zu nehmen.

Wer bis hierhin gelesen hat und sich bereits provoziert fühlt sollte wissen: Mir ist Religion erst einmal egal, genau so sind mir religiöse Befindlichkeiten egal. Was mir nicht egal ist, ist wenn Mädchen nicht am Schwimmunterricht teilnehmen dürfen und dadurch von der Teilhabe am Schulleben ausgeschlossen werden, mir ist es nicht egal, wenn die Familienehre an den Töchtern festgemacht wird und sie deswegen in ihren Freiheiten beschnitten werden. Es ist mir nicht egal, wenn im Namen einer Religion Anschläge verübt werden. Für mich gelten Menschenrechte für jeden Menschen und auf Menschenrechte haben Religionen Rücksicht zu nehmen.

Das scheint aber mein eigenes linksliberales Umfeld oft anders zu sehen. Die Intention, Muslime vor Fremdenfeindlichkeit zu schützen ist ehrenwert und richtig. Nur wird hierbei auch nicht davor zurückgeschreckt, auf Strategien zurück zu greifen, die bei anderen kritisiert werden: Was wurde sich empört, als die AfD Merkel als illegitime Kanzlerin bezeichnete, weil die Nichtwähler ihr zur Macht verholfen haben. Denn wenn man diese miteingerechnet hätte, hätte sie keine Mehrheit gehabt. Als in diesem Jahr das Verfassungsreferendum in der Türkei dann nicht wie gewünscht ausging, wurden dann aber dieselben Taschenspielertricks angewandt. Das bemerkte schon Abdel Samad, der kritisierte, dass behauptet wurde, dass nur 13% der in Deutschland lebenden Türken für eine Verfassungsänderung stimmten. Dass aber aus den 3 Millionen Deutschtürken erst einmal bestimmte Gruppen herausgerechnet werden müssen und die Zahlen dann ganz anders aussehen, wird ignoriert:

Nur 36% der Deutschtürken sind gegen das Ermächtigungsgesetz von Erdogan. Wenn man weiß dass 25% der hier lebenden Tü…

Hamed Abdel-Samad 发布于 2017年4月16日

Wenn nun die AfD und Konsorten all jenen, die so argumentieren Heuchelei vorwerfen, so haben sie leider Recht, denn es geht nicht, dass erst Propagandatricks kritisiert werden und dann selbst angewandt werden, wenn es um das geht, was für die richtige Sache gehalten wird. Aber vielleicht ist es auch für manche nicht vorstellbar, dass Menschen aus fremden Kulturen ebenfalls autoritäre Charaktere sein können, genauso sexistisch oder rassistisch denken wie es Deutsche können. Allerdings ist gegen all das eben nicht nur in der eigenen Kultur vorzugehen, sondern allgemein zu bekämpfen – Ohne auf kulturelle Empfindlichkeiten Rücksicht zu nehmen.

Und das ist nur ein Beispiel für Doppelstandards. Andere Argumentationslinien, besonders wenn es um den Islam geht sind noch unerträglicher.




Whataboutismus: „Aber die Christen haben auch…!“

Gerne wird argumentiert, dass die katholische Kirche ja auch in ihrer Geschichte viele Gräueltaten begangen hat: Die Kreuzzüge werden gern als Beispiel verwendet, offenbar mit der Unkenntnis, dass es vorher jahrhundertelang muslimische Eroberungskriege gab: Sardinien wurde erobert, Rom im Jahre 846, und Ursache für den ersten Kreuzzug war, dass der byzantinische Kaiser Kaiser Alexios I. Komnenos um militärische Unterstützung gegen die islamische Expansion bat. 1095 rief Papst Urban II dann zum Kreuzzug ins “Heilige Land” auf.

Natürlich wurden während der Kreuzzüge viele Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen, in diesen Zeiten gab es aber zum einen kein Kriegsrecht, zum anderen hat die katholische Kirche selbst anerkannt, dass im Namen Gottes Gräuel begangen wurden und dafür um Vergebung gebeten.

Ist der Koran gewalttätiger als die Bibel?

Es gibt aber noch weitere Punkte, die zeigen, dass solche Vergleiche auf dünnem Eis stehen: Das Neue Testament löste das Alte ab und in diesem lassen sich keine Aufforderung für Angriffskriege finden. Denn laut diesem hat nur Gott das Recht, über Menschen zu richten. Ferner wird die Bibel inzwischen von den meisten christlichen Theologen als von Menschen geschrieben und deswegen auch fehleranfällig angesehen – und sie wird als durch Exegese immer wieder neu zu interpretieren angesehen.

Gewiss kann hieraus auch eine Legitimation für Kreuzzüge abgeleitet werden, dies ist aber dann nicht mehr als eine Herleitung, eine ausdrückliche Aufforderung lässt sich dort aber nicht finden. Der Koran dagegen soll dem Propheten vom Erzengel Gabriel diktiert worden sein, hier eine Fehleranfälligkeit zu unterstellen würde bedeuten, Allah zu unterstellen, er könne Fehler machen, was kein Gläubiger tun würde. Das macht es mit einer Exegese schon weitaus schwieriger. Außerdem stehen im Koran Angriffskriege, es stehen darin Grausamkeiten gegenüber den Kufr – und darauf kann sich Beispielsweise der IS berufen.

Zu behaupten, dass diese Grausamkeiten eben nichts mit dieser Religion zu tun haben, wenn sie im wichtigsten Buch einer Religion vorkommen, ist absurd.

Gerne wird in dem Kontext dann auch mal der Ku Klux Clan oder Anders Breivik erwähnt, die ja auch christliche Gewalttäter waren. Aber aus welchen Bibelstellen konnten sie ihre Gräueltaten herleiten? Und wie viele Breiviks gab es bislang im Vergleich zu islamistischen Tätern? Die Zahlen sind leider eindeutig: Im Namen des Islam gibt es deutlich mehr Täter (aber auch Opfer). Hier darf man also nicht ins Relativieren verfallen.

Das hat nichts mit dem Islam zu tun – Oder etwa doch?

Und damit sind wir beim Hauptargument: Islamistischer Terror hat nichts mit dem Islam zu tun. Nun ist die Frage, wie das überhaupt sein, kann wenn sich Attentäter auf den Koran berufen können und in diesem Legitimationen für ihr Handeln finden. Ein Argument, das gerne hervorgebracht wird: Terroristen missbrauchen den Glauben oder haben diesen falsch verstanden. Es wirkt grotesk, dass dies von Menschen behauptet wird, die den Koran selbst höchstwahrscheinlich nie gelesen haben und dies Personen unterstellen, die ihn gelesen haben. Und im Koran stehen Suren, die blutrünstig sind, richtig ist aber auch, dass in diesem auch Suren stehen, die Frieden predigen. Im Koran lassen sich stellen finden, die Menschenliebe rechtfertigen, aber auch welche, die Menschenhass legitimieren. Es hilft daher auch nichts, Suren gegeneinander aufzurechnen.




Dahinter steckt hier ein psychischer Mechanismus: Der Wunsch, dem Gegner überlegen zu sein, vor allem intellektuell. Fundamentalisten wird unterstellt, so dumm zu sein, ihren eigenen Glauben nicht verstehen. Wohin dieser Mechanismus führen kann, kann bei der Rechtsextremismusprävention gesehen werden: Da wird jahrelang erzählt, Rechtsextreme wären dumm. Dann kommt ein Björn Höcke, ein studierter Lehrer, oder die Identitären, denen mit Sätzen wie “Die Pizza kommt aus Italien, aber deinen Nachbarn meidest du, weil der Ausländer ist” nicht beizukommen ist. Ähnlich hilflos wird dann auch islamistischem Terror gegenüber gestanden.

Der AfD einfach vorzuwerfen, Nazis zu sein ist ebenso unproduktiv wie inkorrekt

Ähnlich verhält es sich mit der AfD: Ob auf Demos, in der heute Show oder bei Extra3: Ständig werden 1933-45-Vergleiche gemacht, die falsch sind. Da wird gefordert, dass der Islam nicht pauschal verurteilt werden soll. Wenn Islam nicht gleich Islamismus ist, so ist Rechtsextremismus nicht gleich Nationalsozialismus: Denn die AfD steht trotz vieler kritisierbarer Weltanschauungen nicht in der Tradition der NS Zeit – selbst Gauland, Höcke und Poggenburg kann trotz ihrer chauvinistischen und völkischen Ansichten eine Sympathie mit dieser nicht unterstellt werden. Politisch steht die AfD nämlich der Tea Party-Bewegung deutlich näher, die eine schonungslose Leistungsgesellschaft ohne Rücksicht auf Schwächere gepaart mit Kulturchauvinismus verbindet.

Einen Gegner für dumm und sich damit für überlegen zu halten ist zwar psychologisch nachvollziehbar, kann aber massiv nach hinten losgehen.

Es muss zwischen Islam und Islamismus differenziert werden

Vor einigen Jahren wurde versucht, zwischen Islam und Islamismus (inzwischen auch politischer Islam genannt) zu unterscheiden, ein ebenfalls ehrenwertes Anliegen, das aber falsch ist. Denn Islamismus ist Teil des Islams, nicht etwas, dass diesem gegenübersteht.

Es gibt dabei noch andere Probleme: Anhänger des Islamismus bzw. politischen Islam verstehen den Islam nicht nur als Religion, sondern als Gesellschaftsordnung, bei der die Scharia die höchste Rechtsnorm darstellen soll. Und diese lässt sich nunmal nicht mit dem Grundgesetz vereinbaren.

Warum man Islamisten vom Islam trennen will ist offensichtlich: Der Islam soll reingewaschen von Leuten, die wie oben erwähnt den Glauben missbrauchen. Dass aber diese Personen den Glauben ernst nehmen und sich auf menschenverachtende Aspekte in diesem berufen, darf dabei aber nicht ignoriert werden.

So machen es sich Islamverbände zu einfach, diesen Zusammenhang zu leugnen. Im Gegenteil sollten sie Verantwortung übernehmen und jene angreifen, die im Namen ihres Glaubens Gräueltaten begehen.

Genau so wird liberalen und weltoffenen Muslimen durch den behaupteten Nicht- Zusammenhang ein Bärendienst erwiesen, denn würde dieser als Teil des Islams anerkannt, so wäre es auch möglich, diesen als Problem für den Islam anzusehen und gegen diesen vorzugehen. Nicht zu vergessen, dass eben zwischen progressiv-gemäßigtem Islam und Islamismus eine große Grauzone herrscht, in der Grenzen fließend sind und durch die langsame Verschiebung dieser Grenzen Menschen radikalisiert werden können. Auch das wird durch diese Zweiteilung übersehen, wobei jede Radikalisierung, sei sie politisch oder religiös, genau so funktioniert.

„Islamisch geprägte Länder sind eben traditionsbewusster…“

Auf Tradition zu verweisen ist problematisch – Man behauptet dann, dass Muslime rückständig seien und auch denselben Weg gehen müssten wie wir und wir für ihre Rückständigkeit Verständnis haben müssten. Spätestens hier zeigt sich, dass die Menschen, die Muslime vor Chauvinisten schützen wollen, selbst chauvinistisch denken und keinen Deut besser sind. Muslimen nicht zuzutrauen, sich mit ihrem Glauben kritisch befassen zu können hat jedenfalls nichts mit Achtung vor Menschen zu tun.

Was sollte also getan werden?

Natürlich sollte deswegen niemand jetzt bei Pegida mitlaufen oder der AfD folgen. Im Gegenteil! Diese versuchen lediglich Kapital aus dem Leid zu schlagen, das Terroranschläge verursachen. Es ist auch richtig, dass die wenigsten Muslime Terroristen sind, aber warum ausgerechnet so viele Terroristen Muslime sind, diese Frage muss gestellt und diskutiert werden, weil sonst die Debatten von jenen geführt werden, denen sie besser nicht überlassen werden sollten.

Wenn wir nicht darüber reden, reden eben nur die Rassisten über das Problem und es kommen nur rassistische Lösungen heraus.

Und genau deswegen muss auch kritisiert werden, wenn z.B. Ditib antisemitische Hetze verbreitet, die Muslime dazu auffordert, sich nicht zu integrieren und so nicht zur Integration, sondern zur Spaltung der Gesellschaft beiträgt. Es müssen Personen wie der Salafist Pierre Vogel dekonstruiert und angegriffen und der Lächerlichkeit preisgegeben werden – und genau so müssen Muslime sich fragen, wie ihre Religion Menschen zu Gräueltaten bewegen kann – und welche anderen Wege es geben kann, die Religion zu leben.

Aber das geschieht nicht, im Gegenteil, es wird Appeasement betrieben

Von all jenen, die sich ihre politische Bildung vorpürriert bei Hagen Rether und Konsorten abholen, kann wohl nicht erwartet werden, sich den eigenen blinden Flecken zu stellen.

Wenn Rether bereits vom Holocaust an Muslimen schwadroniert, wobei nirgends Lager für Muslime gefordert werden, keine muslimischen Geschäfte systematisch mit Steinen eingeschmissen werden und es keine staatlich angewiesene Ausgrenzung gibt, kann dies nur als Verhöhnung der Überlebenden und Ermordeten der Shoa angesehen werden.

Oder wenn er fragt, ob Menschen Angst vor Riesling haben, weil Alkohol mehr Menschen auf dem Gewissen hat als der Islam. Alkoholismus ist ein Problem, aber was in der ganzen Blödelei vergessen wird: Die Schädigung anderer Menschen ist im Gegensatz zu Terror nicht das Endziel, sondern ein Nebeneffekt. Eine dramatische, aber unbeabsichtigte Nebenfolge einer Krankheit mit mutwilliger Tötung zu vergleichen hinkt.

Die Lücken der linken Argumentation

Es wird der Anspruch gepflegt, nicht rassistisch zu sein, dass Fremde aber auch rassistisch sein können passt da nicht ins Bild und wird ausgeblendet. Alle möglichen Widersprüche werden im Keim weggelacht in dem guten Gewissen, sich mit Kritikern nicht befassen zu müssen, weil diese einfach dumme Menschenfeinde sind. Wir dürfen nicht so kurz denken.

Wer soll denn die Debatte führen

Letztendlich ist es Aufgabe von Muslimen, darüber Debatten zu führen, wie der Islam heute ausgelegt werden soll und das am besten öffentlich. Und es gibt Gruppen, die den Ehrenkult in muslimischen Gemeinden angreifen, sich für Homosexuelle einsetzen und vieles mehr. All diese verdienen Unterstützung. Ncht jene, die spalten.

Wenn es möglich ist, einen liberalen und weltoffenen Islam zu leben, dann muss genau das den Fanatikern gezeigt werden. Ich selbst möchte nicht in einer Gesellschaft leben, in der ich ausgerechnet Beatrix von Storch, einer Person, die vor allem durch ihre fragwürdige Familiengeschichte, manipulativen Netzwerke, ihre strammkonservatives Familienbild bekannt ist, irgendwie zustimmen muss.




Als sie zu den Anschlägen in Brüssel twitterte: „Hat aber alles nix mit nix zu tun.“ hatte sie in gewisser Weise Recht, auch wenn sie diesen Punkt als Beweis für ihre rassistische Weltsicht hernahm. Nein, mir ist diese Person in keiner Weise sympathisch, aber wenn ich ihr in dem Fall irgendwie zustimmen muss, dann ist das ein Zeichen dafür, dass die Debatte massiv falsch läuft.

Das Problem besteht solange, solange die Religion nicht Privatsache ist

Es muss daher gefragt werden, wie muslimische Gemeinden zur Gleichheit von Mann und Frau, zur gesellschaftlichen Teilhabe, zu Antisemitismus und zu Homosexuellen und Transmenschen stehen. Und Muslime müssen sich – wie Christen und Juden auch – diese Fragen gefallen lassen, denn Säkularisierung hat hier den Vorrang zu haben. Das, was es braucht, ist das Verständnis, dass Religion Glaube ist, den ein Muslim/Christ/Buddhist praktisch umsetzen kann, aber niemand anderen aufzwingen darf, und ebenfalls die daraus abzuleitenden Folgerungen für mich als Individuum, niemals aber auch nur für eine zweite Person gelten kann. Der Koran und Islam können dann als kompatibel gelten, wenn der Koran als das betrachtet wird, was er ist: Ein altes Buch. Solange aber der Anspruch des politischen Islams als global geltend besteht, bleibt nichts anderes übrig, als darauf zu drängen, dass er Privatsache werden muss.

Genau so muss anerkannt werden, dass Menschenfeindlichkeit kulturübergreifend funktioniert und eben bestimmte Ideologien Menschen zu Monstern machen können und eben deswegen diese Ideologien auch kritisiert und angegriffen werden müssen.

Ich jedenfalls will nicht beim nächsten Anschlag wieder zur Besonnenheit aufgerufen werden, keine Lichterketten sehen, die zum Frieden aufrufen.

Ich will nicht aufgefordert werden, keine Pauschalurteile zu treffen, obwohl dies eigentlich selbstverständlich ist. Und Ich will gar nicht erst, dass weitere Anschläge geschehen und wenn sie doch geschehen, will ich, dass sich um die Opfer gekümmert wird.

Und nicht hören, wie den Hinterbliebenen erklärt wird, dass das nichts mit dem Islam zu tun hat. Das soll den Tätern gesagt werden.

Ich will, dass Muslime und Moscheen Menschen, die Andere im Namen ihres Glaubens verletzen oder töten, ächten und aus ihrer Gemeinschaft ausschließen, und zwar vollständig und mit Nachdruck. Und zwar nicht mit den Worten, dass das nicht der Islam sei und die Terroristen Ungläubige, sondern dass sie sich zu ihrer Verantwortung bekennen. Das wird schon teilweise gemacht, aber wir brauchen mehr davon. Ich will, dass dafür gekämpft wird, dass wir ohne Angst vor Terror leben können. Und genau deswegen kann ich die Empörung über Lieberbergs Aussage nicht vollständig teilen.

Artikelbild: Shutterstock


Update: Wir haben die durchaus gemischten Reaktionen auf diesen Artikel natürlich bekommen. Der Autor hat die wesentlichen Kritikpunkte bisher gesammelt und wird sie in einem weiteren Text adressieren, evtl. als Ergänzung, evtl. getrennt, das müssen wir noch entscheiden. Wir werden hier aber darüber informieren, sobald dies geschehen ist.
Wir möchten die Vorwürfe, „rassistische Hetze“ zu betreiben natürlich auf keinen Fall auf uns sitzen lassen, denn nichts läge uns ferner!
Wir versuchen doch im Gegenteil, stets selbst solche aufzudecken.
Der Autor hat versucht, sich bereits im Text selbst davon zu distanzieren und lediglich Religionskritik zu betreiben, eben weil diese seiner Einschätzung nach ausschließlich von Rassisten betrieben wird, um zu hetzen. Dies ist ihm aber wohl offensichtlich misslungen, was bedauerlich ist. Dafür möchten wir uns entschuldigen.
Der Autor wird auf die Kritikpunkte also eingehen. Aber wir möchten auch gerne einen Artikel veröffentlichen, der den gegenteiligen Standpunkt vertritt, suchen dazu aber noch ein*e Autor*in. Falls Sie darauf eine Antwort veröffentlichen wollen kontaktieren Sie uns doch über redaktion@volksverpetzer.de. – Die Chefredaktion

Hier ist die Stellungnahme des Autors:

Verbreitet der Volksverpetzer rassistische Hetze? – Stellungnahme

Matthias Werner, Redakteur Volksverpetzer Werner studiert Sozial- und Kulturwissenschaften und wohnt im Ruhrgebiet.