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Erdoğan hat einen Personenkult um sich gebildet, der ihn als Retter und starken Mann glorifiziert. Was das auch für uns bedeutet.14111889_1826590450909615_604611310_n

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Ein tosender Applaus geht durch die Menge und jubelt dem Mann mit dem breiten Lächeln zu. In slowmotion schließt sich das Gittertor hinter dem Schwarzhaarigen im Anzug. Er verteilt Handküsse an die Menschen vor dem Gefängnis, während seine Rede im Hintergrund zu hören ist. Genau die Rede, die ihn hinter Gitter brachte.

Diese Szene beschreibt den ersten Teil des Trailers zum Film »Reis« (zu Deutsch etwa »Oberhaupt« oder »Anführer«) über den türkischen Machthaber Recep Tayyip Erdoğan. Ein Epos über den Aufstieg eines Jungen aus armen Verhältnissen, zunächst zum Bürgermeister von Istanbul im Jahr 1994, bis hin zum Ministerpräsidenten eines Landes mit rund 80 Millionen Einwohnern.




Nicht nur der rund 8 Millionen Euro teure Film, auch Erdoğan selbst feiert sich gerne als Ikone für Freiheit und Gerechtigkeit. Die »Anderen« im Westen sind die Bösen und sollen sich bitte um ihren eigenen Kram kümmern. Wenn nicht, dann werden krude Deals gecancelt und Satiriker verklagt.

Die Bildung eines Personenkults führt oft dazu, dass die »Fans« andere Blickwinkel ausblenden. Solche Ikonisierungen gibt es selbstverständlich nicht nur in Religionen und Politikern, sondern auch bei den Anhänger*innen von rechts und sogar bei den jubelnden Gary Yourofsky-Fans in der veganen Szene. Menschen werden auf ein imaginäres Podest erhoben und sind folglich nahezu unantastbar und berechtigte Kritik hat keine Angriffsfläche mehr.

Was macht Erdoğan anders als andere Politiker?

Natürlich schwingt bei jeder Person in der hohen Politik auch eine Art Vorbildfunktion mit – so ungern ich das zugebe. Angie soll schließlich auch Deutschland als »christlich-demokratische, starke Frau« in der Weltöffentlichkeit vertreten. Damit steht auch sie als Teil für unser Land. Aber an ihr prallt Kritik nicht ab und sie geht nicht ständig in die Offensive oder sperrt Journalisten ein.

Hier geht es also längst nicht mehr um die Politik, sondern um die Glorifizierung eines Machthabers. Er darf tun und lassen, was er will – und seine Anhänger*innen haben Narrenfreiheit. Kritik aus den eigenen Reihen hören wir sehr selten.

Natürlich könnten wir sagen, dass es uns Deutschen egal sein kann, was da in der Türkei passiert. Ist doch nur ein Land im nahen Osten. Aber leider fügt sich nach dem umstrittenen Referendum in der Türkei das Bild eines autoritären, repressiven Staatsmannes, der mit Kritik an seinen Handlungen wenig sachlich umgeht.

»Pars pro toto« heißt soviel wie »ein Stück für’s Ganze«. Islamophobie und einen mehr als argwöhnischen Blick auf die Türkei haben wir schon. Mehr Hass ist dank dem »Anführer« vielleicht vorprogrammiert.

Mario Burbach, Autor Volksverpetzer Visual Storyteller aus Berlin, setzt sich mit visuellen Mitteln für Tierbefreiung und Umweltaktivismus ein – manchmal macht er aber auch Dinge, die Spaß machen. Hier könnt ihr dem Volksverpetzer auf Facebook folgen.