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Zum wiederholten Male verbreiten die Medien Panik um Glyphosat im Bier – Und das aufgrund einer Studie, die zeigt, dass die Werte um 80% zurückgegangen sind. Man müsste 500.000 Liter Bier trinken, bevor Glyphosat gefährlich wird.

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Das Schreckgespenst Glyphosat geht wieder um. Wir erinnern uns, der Unkrautvernichter mit zweifelhaftem Ruf. Letztes Jahr hat das Münchner Umweltinstitut eine Reihe von Biermarken getestet und fand dabei Werte, die über dem Grenzwert für Trinkwasser lagen. Die Leute sind total ausgeflippt. Wir erinnern uns, Warsteiner, Jever und Hasseröder waren laut deren Daten ganz doll belastet. So mit 21-30 gerundeten Mikrogramm pro Liter. Das ist 300x der Grenzwert von Trinkwasser und deswegen sind alle total durchgedreht. Weil sie eben ihren Taschenrechner nicht benutzt haben und nicht bedacht haben, dass der Grenzwert für Trinkwasser total irrelevant ist.

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Dieses Jahr ging es wieder los. Man testete wieder Biermarken und dieses Jahr wurde der Wert im Schnitt um 80% reduziert. Gut, also 20% von “ziemlich wenig” ist jetzt am Ende “noch weniger, medienwirksam.”




Der höchste gemessene Wert war diesmal bei 5,1 Mikrogramm pro Liter. Der Mittelwert waren 1,7 Mikrogramm pro Liter. Was heißt das jetzt? Das kommt erstmal darauf an, wie viel Glyphosat man überhaupt zu sich nehmen darf. Das Münchner Umweltinstitut möchte diese Frage lieber nicht beantworten. In ihrem Papier steht schlicht:

”Doch bei krebserregenden und DNA-schädigenden Stoffen gibt es keine Untergrenze, unter der sie sicher sind. “ (Quelle)

Sie behaupten einfach, Glyphosat sei krebserregend. Das Bundesamt für Risikobewertung, die FAO, die EFSA, die EPA, die japanische Food Safety Commission, die FDA und noch knapp hundert andere Behörden weltweit sehen das nicht so.

Das ist geschickt. Das ist zwar Blödsinn, aber geschickt. Denn erstens sagen sie einfach, Glyphosat wäre krebserregend. Das Bundesamt für Risikobewertung, die FAO, die EFSA, die EPA, die japanische Food Safety Commission, die FDA und noch knapp hundert andere Behörden weltweit sehen das nicht so. Eine Ausnahme stellt ein Gutachten des IARC dar, Glyphosat als “vielleicht Krebserregend” eingestuft hat. Und auf dieses Gutachten hagelte es dann ebenso weitere Gutachten, die die IARC als voreingenommen darstellen.

Unter anderem wird im IARC Monograph die Arbeit eines Forschers namens Keith Solomon zitiert, die beweisen soll, Glyphosat wäre krebserregend. Tatsächlich sagt Solomon das Gegenteil und ist außer sich, dass seine Forschung so zitiert wird. Tatsächlich sagt er: “Das IARC liegt völlig falsch. Sie sagen, die Studie zeigt eine Verbindung, das ist aber ein völlig anderer Schluss als der, zu dem wir gekommen sind. Wenn wir uns die Unterschiede an Mikronuklei zwischen den Gruppen angesehen haben, gab es keine Unterschiede.” (Quelle)

 

Das amüsante dabei? Einer der IARC Panel Teilnehmer ist Christopher J. Portier, ein bekannter Anti-Pestizide Aktivist des Environmental Defense Fund. So macht man natürlich neutrale Wissenschaft. (Quelle)

Man müsste 500.000 Liter Bier trinken, bevor Glyphosat gefährlich wird.

Zurück zum Bier. Wenn wir den Blödsinn mit dem “es gibt keinen Grenzwert” ignorieren, dann gucken wir uns einige der Studien an, die zu dem Thema durchgeführt wurden. Der momentan geltende NOAEL liegt bei ca. 31 mg/kg für Menschen. (Quelle)

 

NOAEL – Das ist der No Observable Adverse Effects Level. Der höchste Wert, bei dem nix passiert. Also, gar nichts. Merken!

Andere Studien weisen zwar auf deutlich höhere Werte hin, allerdings sollten wir bei Giften einfach so konservativ wie möglich sein. Der daraus abgeleitete ADI (erlaubte Tagesdosis) ist 1% davon. Und das ist der Grenzwert. Den gibts also. Den gibts übrigens auch für nahezu alle krebserregenden Stoffe, nur sind die manchmal echt gering. Also 0.3 mg/kg. 0.3 mg sind 300 Mikrogramm. Der durchschnittliche Mann in Deutschland über 30 wiegt 86 kg. (und ist damit zu dick 😉 ) 86 mal 300 ergibt 25.800 Mikrogramm. Nun, nehmen wir den Maximalwert. Um 25.800 Mikrogramm Glyphosat zu uns zu nehmen, brauchen wir gerade mal 5058 Liter Bier trinken. Pro Tag, versteht sich. Damit wir den NOAEL erreichen, das Hundertfache, also 505.882 Liter.




Jetzt wird das Umweltinstitut München sagen: Oh, das ist aber verharmlosend. Aber klar, weil man ja auch den Grenzwert so toll erreicht. Man muss nur leugnen, dass es den gibt und schon: Magie, alles ist böse!

Tatsächlich hat das Umweltinstitut nur mal wieder gezeigt, wie niedrig die Rückstände in unserem Bier eigentlich wirklich sind

Vielleicht möchte es sich ja mal mit echten Problemen beschäftigen. Glyphosat ist es jedenfalls nicht. Mir würden da ein paar Chemikalien einfallen, die man sich deutlich genauer ansehen sollte. Überschreitungen der akuten Referenzdosen von Chlorpyrifos und Dithiocarbamaten in Brokkoli. Dem „Health Food“. Das wäre ein Anfang. Oder der Klärung der Funde von Carbendazim, einen Typ 1B Karzinogen, in Erbsen. Oder Funden von Grenzwertüberschreitungen von Ethephon in Paprika und Trauben? Damit würde man wohl mehr erreichen, als sich an Glyphosat aufzugeilen. Wahrscheinlich geht es dabei gar nicht mal um Glyphosat. Sondern viel eher einfach nur darum, Monsanto zu kritisieren. (Quelle)

Artikelbild: Shutterstock

Frank Taeger, Gastautor Volksverpetzer Taeger, M.Sc. (Merit), ist Autor für Kraft- und Fitnesstraining, Executive Performance Coach und Lehrbeauftragter für Wirtschaftspsychologie. Hier könnt ihr dem Volksverpetzer auf Facebook folgen.