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Ob wir wollten oder nicht. In den letzten Wochen und Monaten kamen wir am Fall Gina-Lisa Lohfink nicht vorbei.

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Triggerwarnung: Sexualisierte Gewalt, Lookismus, Slut shaming

Nach zahlreichen Höhen und Tiefen, Mitfiebern, Empörung und Wut nun noch das ernüchternde Ergebnis: Lohfink wurde verurteilt. Ja, Frau Lohfink, wegen falscher Verdächtigung, nicht die zwei Männer, die sexuelle Handlungen an einer Frau durchführten, die zumindest kräftig alkoholisiert war, die das Ganze filmten und dann noch versuchten Kapital aus dem Video zu schlagen.

Dieser Fall, der sich insgesamt nun über vier Jahre zog, Anschuldigungen von beiden Seiten einbrachte, abstruse Gerichtsszenen enthielt, Hoffnung auf ein besseres Sexualstrafrecht weckte und klarstellen sollte, dass Sex einvernehmlich zu sein hat, endet bitter. Geblieben ist nur noch das Abwarten, ob das überarbeitete Sexualstrafrecht die Situation, vor allem für Frauen und Transmenschen, verbessert, indem z.B. Hürden für eine Anzeige abgebaut werden und eine Person sich nicht mehr körperlich gewehrt haben muss, um als „Opfer“ zu gelten.

Wie oft haben wir uns geärgert, dass Lohfink in den Kommentarspalten vorverurteilt wurde? Blondiert, operiert, hat sich schon beim Sex filmen lassen. Hey, dann strebt sie einen Prozess nur an, um Aufmerksamkeit für sich zu erhalten und sich zur Marke stilisieren zu können.
Hinzu kamen diejenigen, die erklärten, dass Vergewaltigungen ja so oft erfunden seien, um jemandem eins auszuwischen. All diese, nicht nur Männer, sondern selbst Menschen, die sich selbst als Frauen sehen, frohlocken, weil nun eine „lügende Schlampe“ verurteilt wurde.

Die wenigsten Anzeigen wegen Sexualstraftaten sind erfunden.

Dabei sieht die Realität komplett anders aus. Die wenigsten Anzeigen wegen Sexualstraftaten sind erfunden. Vielmehr wird nur ein Bruchteil aller Sexualstraftaten überhaupt zur Anzeige gebracht. Gründe sind bisweilen Scham, die Furcht eine Mitschuld zu tragen oder weil es sich um den Partner (in selteneren Fällen auch die Partnerin) oder ein Familienmitgrlied handelt. Und selbst bei den gemeldeten Fällen sinkt die Verurteilungsrate seit Jahren (hier in Bezug auf Vergewaltigung).

In der Nachlese kommt nun noch hinzu, dass Konsens noch immer nicht von allen Menschen als Voraussetzung zu sexuellen Handlungen gesehen wird. Dies zeigen allein die Kommentarspalten in sozialen Medien.

Auch der Feminismus bekommt seine Portion Unverständnis ab. So wird beispielsweise im „Standard“ erklärt „Bis vor Kurzem war Lohfink noch eines jener Starlets, die bei Feministinnen bestenfalls Nasenrümpfen hervorrufen: wasserstoffblond, leicht bekleidet, prollig lasziv, mit jedem Fernsehauftritt wuchs die Oberweite. Inzwischen ist Gina-Lisa zur Vorreiterin der Frauenrechte aufgestiegen.“ (Quelle)

Seltsame Vorstellung, dass Feministinnen nur brünett, rothaarig, schwarzhaarig, weißhaarig, grünhaarig oder kahl, nicht jedoch blond sein dürfen. Auch in Bezug auf Oberweite, Hüftbreite, Kleidung oder Falten habe ich bisher noch keine Regeln für das Standard-Aussehen der Feministin gefunden. Dass es ein generelles Verbot für’s prollig oder lasziv sein gäbe, habe ich auch nicht mitbekommen.

Fazit also: Endlich erfährt das so wichtige Thema sexualisirte Gewalt Aufmerksamkeit. Endlich wird einmal gezeigt, wie Überlebende dieser Gewalt noch durch die Verbreitung von Fotos oder Videos verletzt werden, endlich äußern sich die Menschen dazu. Gesellschaftlich hat sich jedoch kaum etwas verändert. Misogynie, Lookismus, slut shaming überall. Und dann noch der rotzige Umgang mit den Rechten und dem Schutz anderer.
Wer zur Hölle glaubt denn, dass ein Mensch mit wer weiß wie vielen Promille und kaum nachvollziehbaren anderen Drogen im Körper ein_e Sexpartner_in sein kann?
Wer geht den bitte ohne die Zustimmung aller Beteiligten mit einem Sex-Video bei den Medien hausieren?
Und was für eine Erziehung muss jemand genossen oder vielmehr erlitten haben, um anderen Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt zu wünschen oder darüber zu urteilen, wer nun was verdient oder herausgefordert hat?

Ach, ich will es nicht wissen. Ich will nur, dass sich das ändert.
Hin zu einer Gesellschaft, in der alle aussehen können wie sie wollen, das Einverständnis zu sexuellen Handlungen eingeholt wird (und das bedeutet auch „Abbruch“, wenn eine beteiligte Person es sich anders überlegt!), Überlebende sexueller Gewalt rasch Hilfe und Unterstützung bei der Anzeige bekommen und junge Menschen früh lernen, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Medien funktioniert.

Hella Martin, Redakteurin Volksverpetzer Tagsüber im Tierschutz arbeitend, weiß sie auch mit ihren mehr als halben siebzig Jahren nicht, wann Feierabend ist und belästigt den Volksverpetzer mit Texten und Textandrohungen. Obwohl ihr Hauptaugenmerk den Tierrechten gilt, treiben sie auch viele andere Themen, wie z.B. Ernährung, Menschenrechte, Rassismus, Lookismus, Sexismus, BDSM, Feminismus um.

Vorschau-Artikelbild: Zeno_Bresson