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In der Friendzone landen alle Typen, die zu nett zu Frauen sind und die sie deswegen nicht abkriegen. Was für ein misogyner Quatsch.

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Man spricht inzwischen häufig davon: Die Friendzone. Der Typ steht auf sie, macht ihr deshalb Avancen, doch sie interpretiert seine netten Gesten absichtlich oder unabsichtlich als freundschaftlich gemeint und schläft mit einem anderen. Der am Ende auch noch ein sexistischer Arsch ist. Voll unfair, oder?

Aber wer das so sieht, denkt leider selbst wie ein sexistischer Arsch. Lass es mich erklären.




  1. Eine Frau hat nicht die Pflicht, mit jemandem zu schlafen, nur weil er nett zu ihr war

Niemand hat die Pflicht, mit irgendjemandem zu schlafen, egal was passiert ist oder gesagt worden ist. Jede*r kann jederzeit seine Zustimmung zum Geschlechtsakt verweigern. Wenn er nett zu ihr ist und sie danach nicht mit ihm schläft, ist sie nicht der Arsch, weil sie seine Anstrengung nicht würdigt. Vielleicht ist er einfach nicht ihr Typ, oder sie steht schon auf jemand anderen. Der Grund ist eigentlicht egal, das geht nur sie was an. Man hat dadurch nicht das Recht an ihrem Körper gekauft!

Eher ist es doch fragwürdig, nur zu jemandem nett zu sein, weil man Sex mit dieser Person möchte. Eine Frau möchte nicht mit ihm schlafen, nur weil diese ganze Beziehung darauf aufgebaut ist, dass er versuchst, sie ins Bett zu kriegen? Wundert mich weniger.

2. Er ist nicht der „nette Typ“ und auch nicht so feministisch, wie er vielleicht denkt

Wenn er der Meinung ist, sie hätte jemand besseren verdient, der sie besser behandelt und er ja ach so viel feministischer sei, als ihr derzeitiger Partner, möchte ich nur einwerfen, dass „feminstisch sein“ eigentlich bedeuten sollte, dass er ihre eigenen Entscheidungen und ihr Recht auf Selbstbestimmung würdigt. Nicht, dass er vorschreiben kann, mit wem sie zusammen sein sollte oder mit wem sie schlafen sollte und mit wem nicht. Dass ihr freier Wille und ihre Unabhängigkeit seinem Ständer im Weg stehen, macht sie nicht zum Bösen hier.

3. Seit wann ist es so ein Alptraum mit einer Frau befreundet zu sein?

Mal ganz ehrlich, das Gerede von der „Friendzone“ lässt es so klingen, als würde die Welt untergehen, wenn eine Frau „nur“ mit einem befreundet sein will. Und was sagt es über denjenigen aus, wenn er sie nicht als vollständige Persönlichkeit wertschätzt, sondern nur ihren Körper für sein eigenes Vergnügen haben will? Wenn man Frauen nicht nur als Maschinen betrachtest, in welche man so lange Nettigkeits-Münzen hineinwerfen muss, bis Sex herausfällt (zitiert nach Sylvia Plath), dann kann man gar nicht in der „Friendzone“ landen. Wenn eine Frau mit einem schlafen will, dann yay – Glückwunsch!

Die Chancen dürften definitiv steigen, wenn das nicht der einzige Grund ist, wieso man Kontakt zu ihr hat.


Update 21.04.:

Viele Hinweise haben mich erreicht, die einwandten, dass ich nicht einfach behaupten könne, die Friendzone gäbe es nicht. Die Überschrift ist natürlich etwas clickbaity, tut mir leid. Aber es bezieht sich nunmal auf die Interpretation, dass die Friendzone etwas sei, das Frauen geschaffen hätten, um Männer, auszubeuten, ohne mit ihnen schlafen zu „müssen“.

Außerdem beschwerten sich einige, dass ich selbst sexistisch interpretieren würde, wenn ich mich nur an Männer wenden würde: Ich hab mich ausschließlich auf Männer bezogen, nicht, weil ich nicht wahrhaben wollte, dass es auch andersherum so sein könnte, sondern nur weil das Problem erstens so am häufigsten Auftritt und zweitens auch so popkulturell verbreitet wird. Die absolute Mehrheit der Menschen, die „gefriendzoned“ wird bzw. das so wahrnimmt, sind nunmal Männer. Diese Exklusion hab nicht ich gemacht, sondern die Gesellschaft. Und wenn ich mich als Mann an die Männer wende, bin ich glaubwürdiger.

Natürlich beschreibe ich nicht einfach das Phänomen, dass jemand sich in eine andere Person verliebt und dies nur nicht erwidert wird. Meiner Auffassung nach handelt es nicht um die „Friendzone“ wenn eine Person sich unerwidert in eine andere verliebt, wenn diese das als ihr Problem wahrnimmt. „Ich liebe dich, aber du mich nicht, und das ist mein Problem“ ist keine Friendzone, sondern halt unerwiderte Liebe. Friendzone ist, wenn eine Person Gefühle (sexuell oder nicht) für eine andere hat, abgewiesen wird und dann diese andere Person dafür verantwortlich macht, Ansprüche stellt oder ihr die Schuld daran gibt. „Ich will was von dir, aber du nicht von mir und das ist deine Schuld.“

Außerdem ist mein Eindruck, dass es sich bei den Menschen (va Männern), die darüber heulen, in der Friendzone zu sein, hauptsächlich um Typen handelt, die lediglich ein sexuelles Interesse hegen. Ich beschwere mich über die billige und misogyne Ausrede, seine niederen sexuellen Absichten hinter amourösen Avancen zu verstecken und sich dann als das Opfer darzustellen, wenn auf diese nicht eingegangen wird. Wenn dies nicht deutlich genug war, möchte ich dies hiermit nachholen.

Thomas_LThomas Laschyk, Chefredakteur Volksverpetzer Journalist, Blogger, und Onlineaktivist aus Augsburg. Auf seinem Blog Der Volksverpetzer beschäftigt sich Laschyk auf kritische und kreative Weise mit Themen aus Bundes- und Weltpolitik, bis zu Wirtschaft, Finanzen und ethischen Fragestellungen. Hier könnt ihr dem Volksverpetzer auf Facebook folgen.