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Wir können nicht die Medien dafür kritisieren, wenn sie Frauen vorschreiben, wie sie aussehen sollen – aber selber Frauen dafür kritisieren, was sie mit ihrem Körper machen. Auch nicht, wenn sie sich dafür entscheiden, abzunehmen.

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Heute nur ein kleiner Shoutout aus meinem Urlaub! Ich schreibe ja immer so schön von progressiver Politik und progressiver Gesellschaft, aber was bedeutet das eigentlich für mich?

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Ich stelle mir unter einer progressiven Gesellschaft vor, dass jeder in ihr mit größtmöglicher Freiheit leben kann – und zwar unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Sexualität, und so weiter.

Es bedeutet auch, dass man auch Menschen respektiert, die nicht so leben, wie man selbst.

Manchmal merke ich, wie schwer das fällt, selbst bei den kleinsten Dingen.

Ein Shitstorm wegen Geschenkpapier

So schrieb ich mit selbstironischen Hintergrund auf Twitter, dass ich ein Geschenk verpacken muss und verplant habe, anderes Geschenkpapier zu besitzen als Weihnachtspapier. Was folgte waren zig Belehrungen, dass Geschenkpapier ja wohl voll die größte Umweltsünde sei, dass Geschenke an sich voll blöd sind, dass ich einfach ne Zeitung aus dem Altpapier nehmen soll, und so weiter.

Dass ich das Geschenkpapier benötigte, um ein Geschenk für den 30. Geburtstag meiner Schwester einzupacken, und dass sie eben nur einmal 30 wird und es mir wichtig ist, dass das Geschenk gut aussieht, weil ich meiner Schwester eine Freude machen möchte – interessiert nicht. Denn das ist ja bloß meine Priorität und nicht die der Leute, die mir schreiben. Stattdessen wird eine moralische Debatte vom Zaun gebrochen.




Eine offene Gesellschaft lebt davon, dass man Dinge frei entscheiden kann.

Das ermüdet mich. Eine offene Gesellschaft lebt davon, dass man Dinge frei entscheiden kann. Ich denke, das müssen wir uns auch in einer links-liberalen Bubble immer wieder bewusst machen. Wir können nicht verlangen, dass andere uns Freiheiten gewähren und uns nicht ins Leben reinquatschen, aber genau das dann selber tun.

Wir können beispielsweise nicht die Kirche dafür kritisieren, dass sie uns vorschreiben will, wie unsere Familien aussehen sollen – und selbst Menschen naserümpfend anschauen, wenn sie sich für ein traditionelles Familienmodell entscheiden.

Oder wir können nicht die Medien dafür kritisieren, wenn sie Frauen vorschreiben, wie sie aussehen sollen und was für Diäten sie machen sollen – aber selber Frauen dafür kritisieren, was sie mit ihrem Körper machen. Auch nicht, wenn sie sich dafür entscheiden, abzunehmen.

Freiheit ist niemals eine Sackgasse, oder eine Einbahnstraße. Freiheit ist es zu leben wie man selbst möchte. Aber auch andere leben zu lassen.

Und bevor Fragen kommen: Ja. Natürlich hat diese Freiheit Grenzen. Und das ist gut so. Nämlich dort, wo sie Menschen diskriminiert und verletzt. Selbstverständlich kann Freiheit nicht bedeuten, dass man rassistisch, frauenfeindlich oder homophob sein darf. Da gibt es Gesetze dazu und die sind sinnvoll.

Freiheit bedeutet respektvoll miteinander umzugehen. Freiheit bedeutet auch, dass man miteinander Meinungen austauschen und diskutieren kann. Aber manchmal bedeutet es auch, Meinungen stehen zu lassen, selbst wenn es nicht die eigenen sind. Freiheit bedeutet, dass Menschen Kleidung tragen dürfen, die man selbst hässlich findet. Freiheit bedeutet, dass Menschen Musik hören können, die einem selbst nicht gefällt. (Ja, auch Helene Fischer! Und das sage ich nur unter Schmerzen. 😀 )




Und weil all das ja eigentlich wirklich Selbstverständlichkeiten sind, verschwinde ich jetzt wieder im Urlaubsmodus und mache ich mich daran das erwähnte Geschenk für meine Schwester in frisch gekauftes Geschenkpapier einzupacken, das sie dann morgen abreißen und wegwerfen wird. Und sich hoffentlich auch ein bisschen freuen wird. Sie wird ja schließlich nur einmal 30.

Maja_TFrauMaja, Redakteurin Volksverpetzer FrauMaja ist 31 Jahre alt, Bloggerin aus der Ruhrpottperipherie und hat ein Herz für das Bedingungslose Grundeinkommen und soziale Themen. Hier schreibt sie über ihren Traum von progressiver Politik. Hier könnt ihr dem Volksverpetzer auf Facebook folgen.