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Gemeinsam gegen Fakes, Fake-News und anderen Unwahrheiten im Internet. Bitte hilf mit!

Eine Studie hat analysiert, wer die Leute sind, die Fake News verbreiten und glauben und wer alles Aufklärungsartikel zu Gesicht bekommt – Und das sind leider zwei unterschiedliche Gruppen. Was das für uns bedeutet.

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Bei Mimikama und beim Volksverpetzer ist uns daran gelegen, Fake News, Propaganda und Mythen aufzuklären und die Fakten aufzuzeigen. Doch eine Studie aus den USA hat schlechte Nachrichten für uns: Aufklärungsartikel werden größtenteils immer von den gleichen Leuten gelesen und selten von denjenigen, für die sie eigentlich gedacht sind.

Das, was wir schon seit geraumer Zeit vermuten, ist jetzt auch empirisch untermauert: Menschen, die Fake News und tendenziöse Berichterstattung glauben und verbreiten, kriegen Aufklärungen so gut wie nie zu Gesicht und wenn, dann werden sie entweder ignoriert oder einfach nicht geglaubt. Im Gegenteil, User, die Fake News glauben, neigen dazu, diese nach dem Lesen des Aufklärungsposts noch mehr zu glauben!

Wie kann das sein?

Die Studie, die sich öffentlich zugängliche Informationen auf Facebook im Zeitraum 2010-2014 von 54 Millionen Nutzern ansah, kommt zu dem Schluss, dass es verschiedene so genannte Filterblasen gibt. Also voneinander unabhängige Gruppen, die sich nur untereinander austauschen und nichts von der jeweils anderen Gruppe mitbekommen.

Die Studie erkennt zwei Gruppen: Eine Gruppe, die sie die “wissenschaftliche” Gruppe nennt, deren Seiten und Gruppen bemüht sind, nachvollziehbare Quellen und nachgewiesene Fakten zu verbreiten und eine, die sie die “verschwörerische” Gruppe nennt, die Themen behandelt, die schwer nachzuweisen sind, eben weil sie auf Misstrauen gegenüber den Medien und der Wissenschaft basieren und teilweise behaupten, gewisse Informationen werden absichtlich unterdrückt.

Wie entstehen “Filterblasen”?

“Confirmation bias”, oder der Bestätigungsfehler: Wir halten Dinge für viel glaubwürdiger, wenn wir sie sowieso schon glauben. (Studie) Das führt dazu, dass wir a) eher Dinge lesen, die unsere Meinung wiedergeben und b) uns Gruppen anschließen, die bereits polarisiert sind, also eine eindeutige Meinung vertreten. Und diese Dinge verstärken sich immer weiter gegenseitig.

Quelle: © 2017 Zollo et al.

Die Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion der Polarisierung der Nutzer

Facebook verschlimmert das Problem durch Algorithmen, die uns extra nur Dinge anzeigen, die uns interessieren und gefallen. Und das sind eben die Narrativen, die wir bereits glauben. Wenn einmal zwei Mitglieder entgegengesetzter Gruppen aufeinander treffen, resultiert das meistens im Streit und in Blockieren – Und lässt beide Seiten noch stärker glauben, im Recht zu sein.

Die Zahlen zeigen: Aufklärungsposts kommen nicht an

Die Studie sieht sich die Interaktionen auf die jeweiligen Posts an, insbesondere Likes und Kommentare. Sie ordneten User den jeweiligen Filterblasen zu und haben ihre Reaktionen auf Aufklärungspost analysiert. (Zu einer Filterblase gehört man dann, wenn man mindestens 95% aller Likes bei Posts zu der jeweiligen Narrative hinterlässt).

Quelle: © 2017 Zollo et al

Die Reaktionen auf Aufklärungsposts werden zum allergrößten Teil von Leuten gemacht, die die Fake News sowieso nicht glauben.

Wie die Studie feststellt, interagieren nur wenige User aus der “Verschwörungs”-Blase mit Aufklärungspost, da Menschen dazu neigen, nur Informationen zu konsumieren, die ihr Weltbild bestärken und alles andere ignorieren.

Aber ein paar Nutzer werden doch erreicht: Wie reagieren sie?

Die Reaktionen der Nutzer auf Aufklärungsposts ist größtenteils negativ – Ein Großteil aller Kommentare zu diesen Artikeln drückt Missmut und Unzufriedenheit aus. Und Nutzer, die aus der “Verschwörungs”-Blase stammen und mit einem Aufklärungspost konfrontiert wurden, neigen dazu, sich anschließend noch mehr in ihrer “Verschwörungs”-Blase zu engagieren.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Arbeit von Factcheckern, Aufklärern, Hoaxbustern und Anti-Fakenews-Seiten demnach größtenteils wirkungslos ist und von denjenigen, die sie lesen sollten, ignoriert wird.

Die Posts werden vor allem von denjenigen gelesen, die die Fakes, Verschwörungen und Propaganda sowieso nicht geglaubt haben – Eben weil sie ihren Weltbildern widersprechen. Nutzer, die die Verschwörungen aber glauben, werden durch die Aufklärungen jedoch in ihrem Glauben bestärkt statt entmutigt.

Niemand will zugeben, falsch zu liegen

Das Vertrauen in etablierte Institutionen, die Medien und die Politik scheint in den letzten Jahren gesunken zu sein, was die Reichweite von Fake News und Verschwörungstheorien steigert und zu einem “funktionellem Analphabetismus” geführt hat, also der Fähigkeit, Informationen richtig zu verstehen und zu bewerten.

Dass die meisten Aufklärungsseiten, unsere eigene mit eingeschlossen, so unerfolgreich zu sein scheinen, liegt laut Studie nicht an Naivität, sondern am Unwillen der meisten Menschen, ihre Weltsicht in Frage zu stellen. Die Auswertung der Daten legt nahe, dass kleine und schwache Angriffe auf die Weltbilder der Menschen diese “immunisieren” (Studie), sodass diese noch stärker ihrem Glauben anhängen.

3 Dinge, die man beachten muss, wenn man Fake News effektiv widerlegen will:

Ist die Aufklärungsarbeit völlig umsonst? Wenn diese wirklich gelingen soll, ist es wichtig, folgende Punkte unbedingt zu beachten:

1.) Versuche, Menschen außerhalb der Filterblase zu erreichen

Da nur weniger als 1 von 10 Interaktionen mit Aufklärungsposts von Leuten stammen, die aufgeklärt werden sollen, muss versucht werden, mehr davon zu erreichen. Ansonsten verstärkt man nur Glauben der eigenen Fanbase.

2.) Sei so respektvoll und tolerant wie möglich

Wird sich über diejenigen lustig gemacht, die die Fake News glauben, oder ist der Aufklärer arrogant und herablassend, wird ihn niemand ernst nehmen, der ihm nicht sowieso schon glaubt. Instinktiv wird sich der Aufzuklärende angegriffen fühlen und egal wie gut die Argumente sind, sie werden auf taube Ohren stoßen. Ein freundlicher und toleranter Ansatz, der bescheiden versucht, Barrieren abzubauen, hat die besten Chancen ernst genommen zu werden und ist der erste Schritt, Desinformationen im Internet zu bekämpfen.

3.) Bringe sofort und ausschließlich dein bestes Argument

Wer zuvor schwache Argumente gegen seine Position gehört hat, die ihn oder sie nicht überzeugt haben, wird dadurch auch gegen starke Argumente “immunisiert” und festigt den Irrglauben. Es ist sinnvoller, zwei gute Argumente zu präsentieren, als fünf, wovon drei schlecht sind. Der Aufzuklärende kann dann nämlich drei der fünf Argumente entkräften und hat das Gefühl, die anderen beiden nicht mehr so ernst nehmen zu müssen. Deshalb ist es sinnvoll, direkt das beste Argument zu präsentieren, um den Immunisierungseffekt zu umgehen und am Effektivsten zu sein.

Alle weiteren Ergebnisse, die Methodik und weitere Hintergründe zur Studie gibt es hier.

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Artikelbild: Shutterstock

Thomas_LThomas Laschyk, Chefredakteur Volksverpetzer Journalist, Blogger, und Onlineaktivist aus Augsburg. Auf dem Volksverpetzer beschäftigt sich Laschyk auf kritische und kreative Weise mit Themen aus Bundes- und Weltpolitik, bis zu Wirtschaft, Finanzen und gesellschaftspolitischen Fragestellungen. Hier könnt ihr dem Volksverpetzer auf Facebook folgen.