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In Frankreich wurde an einigen Stränden das Tragen des „Burkinis“ verboten, der Bundestag beschloss ein Burka/Niqab-Verbot für staatliche Funktionsträger.

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Es ist natürlich nicht so, als würde unsere Gesellschaft sonst nie darüber debattieren, wie wir Frauen am besten das Recht beschneiden, sich selbst auszusuchen, wie sie sich anziehen möchten, jedoch erreicht die Burka/Burkini-Debatte neue Höhen der Lächerlichkeit.




Wenn sich früher vermeintliche Sittenwächter darüber echauffierten, dass die Röcke zu kurz und die Ausschnitte zu weit seien, ist jetzt eine noch deckendere Kleidung plötzlich zu viel des Guten. Man sollte doch meinen, dass eine konservative Einstellung, die Frauen erfolgreich dazu zwingt, sich nach den chauvinistischen Wünschen des Patriarchats zu kleiden, eben bei genau diesen Leuten gut ankommt. Aber: Rassismus trumpft Slutshaming.

Ja, Rassismus? Müsste ich als „Gutmensch“, als Feminist, denn nicht genauso gegen die Burka sein? Ich bin natürlich kein Fan von der Burka. Aus feministischer Sicht ist natürlich jede restriktive Kleiderordnung, besonders wenn sie nur für ein Geschlecht gilt, falsch und verwerflich. Eben auch eine restriktive Kleiderordnung, die sich nur an Frauen richtet und ihnen das Tragen von Burkas und Burkinis verbietet!

Ich kann nicht verstehen, wie manche Menschen Saudi-Arabien (und natürlich andere Länder) dafür kritisieren können, dass sie Frauen vorschreiben, was sie zu tragen haben und dann gleichzeitig genau das Gleiche tun nur anders herum.

BurkA-Verbot: Die beste Waffe gegen islamistischen Terrorismus?

Die Begründung für das Burkini-Verbot in Frankreich ist ein Höhepunkt des Surrealismus: „Es geht nicht darum, das Tragen religiöser Symbole am Strand zu verbieten, sondern ostentative Kleidung, die auf eine Zugehörigkeit zu terroristischen Bewegungen hinweist, die gegen uns Krieg führen,“ erklärt uns der Generaldirektor der städtischen Dienste in Cannes.

Ja, da wird ganz einfach der Islam mit islamistischen Terroristen gleichgesetzt. Und ich hoffe, ich muss nicht erklären, dass so gut wie alle der 1,5 Milliarden Muslime weltweit nichts mit Terrorismus zu tun hat und sich ständig von diesem distanziert. Ich meine, es sind fast ausschließlich Muslime, die an vorderster Front gegen Islamisten kämpfen!

Ok, was das jetzt aber damit zu tun hat, dass Frauen muslimischen Glaubens eine neue Form des Badeanzugs tragen? Hat man jemals einen Terroristen an seiner Kleidung erkannt? Oder wurde jemals ein Terroranschlag von einer Burkini tragenden Frau begangen? Oder warte – Wurde überhaupt jemals ein Terroranschlag von einer Frau begangen? Nicht jeder Mann ist Terrorist, aber alle Terroristen sind Männer?

Wenn wirklich der fast ausschließlich von Männern betriebene Terrorismus das Problem ist, warum will man dann Frauen das Tragen von besonderer Badekleidung verbieten, nur weil diese zufällig die gleiche Religion haben wie einige der Terroristen? Beim besten Willen, in diesem Argument bleibt nichts Handfestes übrig, wenn man sich es auch nur zwei Sekunden lang ansieht.

Es geht um christliche Werte: Nämlich besonders viel Haut zeigen!

Nein, nein, es geht nicht um das Verhindern von Terrorismus: Es geht um abendländische Werte. Deshalb müsse man Menschen den Zugang zum Strand verbieten, „die die guten Sitten und die Laizität respektiert sowie die Hygiene- und Sicherheitsregeln [nicht] achte[n].“ Aha. Die guten Sitten. Am Strand von Cannes? Ich war schon am Strand von Cannes. Nicht, dass ich Frauen, die oben ohne betrunken am Strand herumliegen nicht als unsittlich bezeichnen würde, aber ich glaube, die Ersteller dieser Regeln wollen mir nicht verkaufen, dass sie damit das Vertreten von christlichen Werte meinen? Und wo ist ein Burkini unhygienisch? Ein Burkini ist viel hygienischer als z.B. eine Badehose – Schließlich bedeckt er viel mehr Haut und vor allem Haare. Oder gefährlich? Für wen? Müssen Taucher jetzt auch ihre Neoprenanzüge daheim liegen lassen?

Ein Burkini? Ausziehen! Sieht man einen Nippel? Schnell wieder anziehen! Wir wollen unsere Frauen am Strand mit genau dem richtigen Verhältnis von nackter Haut zu Stoff.

Nein, es geht lediglich um Rassismus. Man will einfach keine Menschen diesen Glaubens bei sich haben. Und wenn man schon nicht diesen Menschen das Betreten des Strandes verbieten kann, dann doch wenigstens deren symbolisch aufgeladene religiöse Kleidung. Und Feminismus klingt nach einer guten Ausrede.

Aber wenn zwei männliche Polizisten am Strand eine Frau zwingen, sich auszuziehen, dann hat es mit einem sicher nichts zu tun: Mit der Verteidigung der Rechte der Frau.

Und ein Burka-Verbot hierzulande ist ebenfalls absolut unsinnig. Zum einen, weil in Deutschland eigentlich niemand eine Burka trägt, höchstens den Niqab. Aber ignorieren wir mal diese technische Ungenauigkeit: Genauso wenig wie ich solche rassistischen Forderungen verbieten kann, kann ich verbieten, dass es Niqab tragende Frauen gibt. Es hilft nur: Aufklärung über Toleranz und Menschenrechte. Eine Frau (wie alle anderen auch) darf tragen, was sie will und glauben, woran sie will. Wenn dabei ein Burkini rauskommt, dann verletzt es keine Rechte Außenstehender.

Und wenn diese Religion eben Frauen eine restriktive Kleiderordnung auferlegt und ihren Freiheiten beschneidet, dann darf und muss ich das natürlich kritisieren. Aber frei nach Evelyn Beatrice Hall: Ich protestiere zwar gegen die mit Religion begründete Unterdrückung der Frau, aber ich würde alles dafür tun, damit diese Menschen ihre Religion weiterhin frei ausüben dürfen. Denn DAS sind die „guten Sitten“ und die abendländischen Werte, die wir verteidgen müssen.

Thomas_LThomas Laschyk, Chefredakteur Volksverpetzer Journalist, Blogger, und Tierrechtsaktivist aus Augsburg. Auf seinem Blog Der Volksverpetzer beschäftigt sich Laschyk auf kritisch kreativer Weise mit Themen aus Bundes- und Weltpolitik, bis zu Wirtschaft, Finanzen und ethischen Fragestellungen.