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Was sind Depressionen? Wie ernst muss man sie nehmen? Unsere Autorin versucht, Antworten zu geben.

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14111889_1826590450909615_604611310_n(Disclaimer: Ich will nicht für alle Menschen mit Depressionen sprechen und bürge auch nicht für die Vollständigkeit des Textes. Depressionen sind eine Krankheit, die in vielen Formen und Ausprägungen auftreten kann. Ich will hier lediglich meine eigenen Gedanken bzw. Erfahrungen mit euch teilen. Mir geht es mittlerweile besser als je zuvor und ich hoffe, dass auch andere Betroffene diese Erfahrung machen können.)




„Bitte stör mich und wenn mein Schweigen zu laut wird, dann hör mich.
Ich brauche jemanden zum Gedanken umtopfen und Gärten bunt träumen.
(…) Bitte stör mich und bleibe. Vielleicht wird aus Enge dann Weite. (…)
Komm und störe. Bitte sei leise, so laut, dass ich mich selbst wieder höre.“
(Teil der Werbung für die Kampagne des Bayrischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege über Depressionen ; www.bitte-stoer-mich.de)

Was sind Depressionen?

Depressionen können sein: den ganzen Tag im Bett liegen und sich vor der Welt fürchten; nicht aufstehen können, weil einen ein unsichtbares Gewicht nach unten zieht; weinen und nicht wissen wieso. Sie können aber auch sein: lächelnd mit Freunden zusammensitzen und Witze machen, obwohl mensch innerlich wie mit Wattebäuschen gefüllt ist; stumpf in der Arbeit/der Schule/der Uni sitzen während alles an einem vorüberzieht; eigentlich viel Grund zur Freude haben und trotzdem ist einem alles egal. Ein Leben mit Depressionen ist nicht modisch, es ist keine Ausrede, um die eigenen Aufgaben nicht erledigen zu müssen, es ist kein Mittel, um nach Aufmerksamkeit zu heischen. Ein Leben mit Depressionen ist die Hölle. Eine Hölle in der alles grau und gleich ist und die Schreie nur ein stummes Mundöffnen sind.
Depressionen können einen zum Weinen bringen, obwohl alles gut ist. Viel öfter jedoch ist einem einfach alles egal. Ereignisse, die einem früher Freude bereitet haben oder in Aufregung versetzt haben, sind nur noch ein grauer Streifen am Horizont. Wieso sich über etwas freuen? Das macht doch sowieso keinen Sinn.

Deswegen ist es so wichtig, sensibel zu sein. Lieber zweimal fragen, ob alles okay ist und die Personen, wie in dem oben genannten Gedicht „stören“. Wirklich raus aus dem Loch kommen Betroffene meistens nur mit professioneller Hilfe und, auch wenn es schwer fällt, eigenem Antrieb. Eine starke Schulter zum Anlehnen ist jedoch auch wichtig. Jemand, der einen in den Arm nimmt, Schokolade vorbeibringt, mit einem redet, einen unter Leute bringt und auffordert was zu unternehmen, auch wenn die Depression daran hindern will.
Es ist an der Zeit, mit dem Tabu, Depressionen zu haben, zu brechen. Die Stigmatisierung psychischer Krankheiten ist schon zu lange im Gange. Psychische Krankheiten, insbesondere Depressionen, gehen uns alle an. In jedem Bekanntenkreis versteckt sich jemand, dem es eigentlich viel schlechter geht, als sie/er vorgibt, oder der/die eine psychische Krankheit durchgemacht hat. Deswegen: hört genau zu, seid aufmerksam und helft.

Und zuletzt an Betroffene: Auch wenn es gerade vielleicht nicht so aussieht. Es gibt einen Weg, der aus dem Dunkel rausführt. Du wirst wieder lachen können, unterwegs sein können, spontan mit Freunden etwas unternehmen können. Ich behaupte nicht, dass es leicht ist oder schnell geht. Aber es ist möglich. Und auf jeden Fall erstrebenswert.

Leonie Claire, Autorin für Volksverpetzer