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Klicke hier, wenn du eine groteske Karikatur der Meinung deines politischen Gegners sehen willst, die dich in deinen Ansichten bestätigt und verhindert, dass du dich ernsthaft mit seinen echten Argumenten beschäftigen musst!

Wir lieben es, wenn andere unserer Meinung sind. Wenn ich meinen Facebook-Feed anschaue, möchte ich meine Weltsicht nicht in Frage stellen müssen. Ich möchte Beiträge von meinen Freunden sehen, die die gleichen (politischen) Ansichten haben wie ich. Ich möchte mich gut fühlen, ich möchte mich bestätigt sehen. Denn Social Media besteht zu einem großen Teil doch daraus: Selbstbestätigung.

Und was ich noch möchte, ist zu sehen, wie falsch diejenigen liegen, die nicht meiner Meinung sind. Denn je lächerlicher, dümmer und widersprüchlicher mein politischer Gegner ist, desto schlauer, aufgeklärter und fester ist meine eigene Überzeugung. Zusammen mit meinen gleichgesinnten Freunden suchen wir uns die schlechtesten Argumente unserer Gegner und lachen solange über sie, bis wir völlig immun gegen etwaige gute Argumente werden.



Das große Problem der Filterblasen: Stammesbildung

Warte, warte, ich will dich jetzt nicht fertig machen, lies bitte noch weiter! Ich mache das auch ständig, die erfolgreichsten Beiträge des Volksverpetzers sind oft solche Grafiken:

Posted by Volksverpetzer on Dienstag, 7. November 2017

Es ist nicht unbedingt falsch, das sind beides echte Aussagen gewesen, die man in letzter Zeit häufig zu lesen bekam. Aber reißt es nicht eigentlich zwei verschiedene Argumente aus dem Zusammenhang und ist damit ein Whataboutism?

Ok: Was passiert hier? Was kritisiere ich? Es gibt ein erstaunliches Phänomen im Internet: Tribalismus. Stammesbildung. Nicht länger ordnen sich Gruppen geographisch zu Stämmen zusammen, sondern im Internet über gemeinsame Ideale, Sichtweisen und nicht zu vergessen: Feindbilder.

Um den Zusammenhalt zu stärken, bauen wir uns ein Feindbild, das wir gemeinsam hassen können

Nichts schweißt eine soziale Gruppe mehr zusammen, als einen gemeinsamen Feind. Wenn „Wir“ gemeinsam gegen „Die“ kämpfen, sind wir stärker verbunden. Und dieses Feindbild entwickelt sich immer weiter: Es muss immer schlimmer, grotesker, dümmer und hassenswerter werden. Wir sammeln die schlechtesten Eigenschaften und dümmsten Aussagen unserer (politischen) Gegner und basteln uns daraus unser eigenes Bild dieses Feindes.

Das können wir mit aller Inbrunst hassen, auslachen und verurteilen. Dieses Totem, dieser Strohmann(-Argument) widerspricht uns nicht (wirklich) und stellt unsere Ansichten nicht in Frage. Das Problem: Wir fangen nur irgendwann an zu glauben, dass dieses fiktive Bild echt ist. Natürlich gibt es auch im „anderen Lager“ dumme Leute, die dumme Sachen sagen und die bestätigen uns in unserer Sicht. Aber genau wie wir uns ein Feindbild basteln, das übertrieben und stellenweise unfair ist, macht das „andere Lager“ das auch.

Wir reden nur noch übereinander, niemals miteinander

Getrennt und unabhängig voneinander diskutiert jeder seine Ideen und Ideale nicht mehr mit dem politischen Gegner, sondern nur noch mit seinen selbst erstellten Feindbildern. Und was auf der anderen Seite passiert, kriegen wir gar nicht mit, dabei ist es da genau das Gleiche, nur verkehrt herum. Nachdem wir erstens völlig selbstsicher in unseren Überzeugungen geworden sind, weil sie nie jemand wirklich hinterfragt hat, oder unsere eigenen Widersprüche oder Fehler aufgezeigt hat und zweitens felsenfest glauben, der andere habe selbstverständlich sowieso Unrecht, endet letztlich jede echte Konfrontation nur im gegenseitigen Anschreien.

Ja, es tut gut, sich über die Denkfehler und Doppelmoral „der anderen“ auszulassen. Wenn wir jedoch nur weiter an einem Feindbild basteln, tragen wir lediglich zur Spaltung unserer Gesellschaft bei. Erstens werden wir nie jemanden überzeugen können (oder sogar wollen!), weil niemand sagen wird: „Oh? Du hast mich als dummen Nazi beschimpft? Oh, du hast Recht, ich werde sofort meine Ansichten ändern!“

Unsere politischen Gegner sind nicht so dumm, wie wir denken

Zweitens zerstören wir so die Grundprinzipien der Demokratie. Politik ist eigentlich dazu da, um Kompromisse zu finden und sich in der Mitte zu treffen. Natürlich ist nicht immer die Mitte von zwei Extremen das Richtige, aber wenn wir nicht miteinander reden, können wir auch niemanden überzeugen. Natürlich will ich nicht damit sagen, dass man mit einem Antisemiten sachlich diskutieren sollte, inwieweit seine Positionierung legitim ist oder dergleichen! Aber denjenigen, die eben auf die Verzerrungen des Feindbildes, das über UNS erstellt wurde, hereinfallen, denen muss man zeigen, wie unsere echten Argumente aussehen.

Und drittens müssen wir bereit sein, eigene Fehler einzugestehen. Müssen wir bereit sein, anzuerkennen, dass unser politischer Gegner vielleicht auch mit etwas Recht haben könnte und nicht (zwingend) dumm oder böse ist. Die anderen denken von uns doch genau das gleiche. Sie denken, wir machen dumme Sachen aus dummen Gründen. Aber stimmt das? Nein, würden wir sagen. Also denkt das auch nicht sofort von den anderen.

Ja, toll und worauf will ich jetzt hinaus?

Das hier ist keine Anklageschrift. Ich selbst bin genauso schuldig, wenn nicht gar mehr. Das ist eher eine Selbstkritik. Mich an den Argumenten „der anderen“ abzuarbeiten, die keine Substanz haben, ist einfach, fühlt sich gut an und macht mich immun gegen gute Argumente und Logik. So hab ich gelernt: Was der Gegner sagt, muss falsch sein, es kommt ja von meinem dummen Gegner. Das ist ein Problem. Wenn ich einen Mitdiskutierenden als Feind ausgemacht habe, dann höre ich auf, sachlich zu diskutieren, dann bin ich in einem Kampf um Leben und Tod. Oder halt… um Deutungshoheit. Dann werden sich nur noch Beleidigungen an den Kopf geworfen. Und am Ende gehen beide Seiten zu ihrem Stamm zurück und denken, sie hätten gewonnen und lassen sich dafür feiern.

Nicht jede Aufzeigung von Doppelmoral ist falsch und ein Vergleich ist nicht gleich ein Whataboutismus. Und ja, nicht jede Diskussion ist es wert, geführt zu werden. Aber wir müssen uns bewusst machen, dass es in jeder Diskussion nicht nur zwei Seiten gibt, dass wir an unsere Weltsicht aus den gleichen Gründen glauben wie „die anderen“ und dass doch genau dieses In-Schubladen-Stecken, das wir betreiben, genau das ist, was wir bei „den anderen“ kritisieren.

Ach und noch was: Ich will nicht sagen, dass Menschen, die andere aufgrund ihres Glaubens oder Herkunft ausrotten wollen vielleicht gute Argumente haben oder dass wir einfach nur mit diesen diskutieren müssen, dann bekommen wir den Weltfrieden oder so einen Unsinn. Das hat natürlich Grenzen und ich halte dich für schlau genug zu erkennen, wann dieser Ansatz seinen Sinn verliert.

Oh, und falls du Katzen in diesem Beitrag erwartet hast will ich dich natürlich nicht enttäuschen. Wenn ich schon Clickbait mache, dann halte ich auch, was ich verspreche!

Ein Kommentar spiegelt die Meinung des Autors wider und nicht die Ansicht Mimikamas oder des Volksverpetzers als Ganzes. Auch wenn die Volksverpetzer-Kommentare ebenfalls auf überprüfbaren Fakten basieren, so stellt dieser Artikel die Meinung des Autors dar.

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Thomas_LThomas Laschyk, Chefredakteur Volksverpetzer Journalist, Blogger, und Onlineaktivist aus Augsburg. Auf dem Volksverpetzer beschäftigt sich Laschyk auf kritische und kreative Weise mit Themen aus Bundes- und Weltpolitik, bis zu Wirtschaft, Finanzen und gesellschaftspolitischen Fragestellungen. Unterstützt den Volksverpetzer doch mit einem kleinen monatlichen Beitrag!
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