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Offizielle Zahlen zeigen, „Zuwanderer“ sind krimineller als Deutsche. Die AfD sieht sich in ihren Warnungen bestätigt. Wieso das so ist, hat einen einfachen Grund. Nur nicht so einfach, wie die AfD denkt.

Aus der polizeilichen Kriminalstatistik kann man viel herauslesen. Zum Beispiel, dass die Gesamtzahl aller Straftaten und Verdächtigen angestiegen ist.

Warum? WEGEN DER FLÜCHTLINGE??

Also, ja, wirklich. Wegen der Flüchtlinge. Weil mehr Menschen zwangsläufig mehr Straftaten begehen. Soweit so einfach. ABER, wird der AfD-Wähler sagen, du linksgrünversiffter Bahnhofsklatscher, diese Flüchtlinge sind viel krimineller als die Deutschen!



Und – Achtung, ein Satz, den Sie nicht oft hören werden – da hätte dieser AfD-Wähler Recht.

Abschieben! Grenzen dicht!! – Ruhig, Brauner. Ich zeig dir erstmal die Zahlen.

Erstmal ist das, was die PKS da mit „Zuwanderern“ meint, nicht das, was man darunter verstehen könnte. „Zuwanderer“ sind hier Asylbewerber im laufenden Verfahren, abgelehnte Asylbewerber, die geduldet werden, Flüchtlinge und Menschen, die sich unerlaubt in Deutschland aufhalten. (Warum und wie viele Menschen geduldet werden hab ich hier erklärt) Anerkannte Asylbewerber, Gastarbeiter und Migranten aus der EU sind tatsächlich nicht dabei.

So kriminell sind diese „Zuwanderer“

Diese Zuwanderer, wie das PKS sie definiert, sind etwa viermal krimineller als Deutsche. (Schätzungsweise kaum mehr als 2%, aber 8,6% aller Tatverdächtigen)

Und wenn es um Taschendiebstahl (35,1%), Vergewaltigung und sexuelle Nötigung (14,9%), Gefährliche und schwere Körperverletzung (14,9%) und Straftaten gegen das Leben (12,0%) geht, sogar noch viel mehr! Und außerdem noch Schwarzfahren.

Klingt echt nicht gut, ich weiß. ABER drei Einwände:

1. Deutsche sind nicht die Opfer

Wenn wir mal kurz das PKS verlassen und uns das „Bundeslagebild Kriminalität im Kontext von Zuwanderung“ des BKA anschauen sehen wir: Bei 79% aller Opfer, die Flüchtlinge waren, war der Täter ebenfalls Zuwanderer. (Und nur 4,6 der Deutschen, die Opfer waren, wurden Opfer eines Zuwanderers.)

2. Es gibt mehr junge Männer als bei den Deutschen

Klingt erstmal nach dem: „Warum kommen nur junge Männer hier her?!“ – Und nein, der Großteil der Asylbewerber sind nicht jung und männlich. Also, die Mehrheit ist männlich und die Mehrheit ist jung, aber nach aktuellen Zahlen von August sind es „nur“ 32%, die männlich und jung (zwischen 16 und 35 Jahre alt) sind. Also mehr als 2/3 sind Kinder, älter oder Frauen. Warum das so ist haben wir hier erklärt.

Aber, die Sache ist die, dass diese Bevölkerungsgruppe vergleichsweise größer ist als bei den Deutschen. Nur 12% der Deutschen sind zwischen 20 und 40 und männlich, laut BpB ist jeder fünfte Deutsche Rentner, bei den Asylbewerbern hingegen liegt die Zahl bei 0,7%! Und wer begeht mehr Straftaten? Rentner oder junge Männer?

3. Menschen, die keine Arbeit haben und sozial schlechter gestellt sind, sind IMMER krimineller

Die meisten Straftaten werden von jungen, erwachsenen Menschen begangen. Rund 75% aller Tatverdächtigen ist männlich. Bei Gewalttaten sogar 86% und bei Vergewaltigungen krasse 99%! Außerdem ist es nachgewiesen (und auch irgendwo logisch), dass Menschen umso krimineller werden, je schlechter ihre soziale Lage ist.

Und wo haben mir mehr junge, sozial schlechter gestellte Männer als in der deutschen Durchschnittbevölkerung? Genau, bei den Flüchtlingen. Arbeitslosigkeit erhöht die Wahrscheinlichkeit, kriminell zu werden. Und hey, ratet mal, welche Gruppe nicht legal arbeiten darf? Die, die im PKS als „Zuwanderer“ beschrieben werden.

Vergleicht man diese Gruppe mit deutschen, sozial schwach gestellten, jungen Männern, gleicht sich der Unterschied stark an. Das sagt das BKA auch selbst:

Diese Ergebnisse dürften „nicht mit der tatsächlichen Kriminalitätsentwicklung gleichgesetzt werden. Sie lassen auch keine vergleichende Bewertung der Kriminalitätsbelastung von Deutschen und Nichtdeutschen zu. Einem wertenden Vergleich zwischen der deutschen Wohnbevölkerung und den sich in Deutschland aufhaltenden Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit stehen (auch) das doppelte Dunkelfeld in der Bevölkerungs- und in der Kriminalstatistik sowie der hohe Anteil ausländerspezifischer Delikte und die Unterschiede in der Alters-, Geschlechts- und Sozialstruktur entgegen.“

Natürlich macht die Straftaten nicht hinfällig und nonexistent. Auch heißt das nicht, dass man nichts dagegen tun sollte. Es ist nur eine Tatsache, die man rein statistisch erwarten konnte und keine große, skandalöse Überraschung.

Und außerdem gibt das ein wenig mehr Kontext, denn Kriminalität korreliert nicht mit der Farbe deiner Haut. Sondern mit deinem Alter, deiner sozialen Lage und deinem Geschlecht. 75% aller Strafverdächtigen sind Männer. will irgendjemand jetzt Männer abschieben?

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Thomas_LThomas Laschyk, Chefredakteur Volksverpetzer Journalist, Blogger, und Onlineaktivist aus Augsburg. Auf dem Volksverpetzer beschäftigt sich Laschyk auf kritische und kreative Weise mit Themen aus Bundes- und Weltpolitik, bis zu Wirtschaft, Finanzen und gesellschaftspolitischen Fragestellungen. Hier könnt ihr dem Volksverpetzer auf Facebook folgen.