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In letzter Zeit bekommt man den Eindruck, eine Welle des Terrorismus bricht über uns herein. Viele sind sich sicher: Bald wird es „knallen“. Hier alle Antworten auf die Fragen, ob wir in einem neuen Zeitalter des Terrorismus leben.

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Terrorismus ist im Gegensatz zu anderen Formen der Gewalt ein besonderes Phänomen, da er vielfach mehr Angst verbreitet, als dass er wirklich Schaden anrichtet.

Terror im Westen

Nach dem 11. September 2001 hat sich die mediale und öffentliche Wahrnehmung von Terrorismus gewandelt und auch die Rhetorik in Bezug der Regierungen, die gerne ein möglichst gefährliches Bild von der Gefahr des Terrorismus zeigen wollen, um z.B. auch den Afghanistan und Irakkrieg von 2002 respektive 2003 zu rechtfertigen, sowie den extensiven Ausbau verschiedenster Überwachungsmaßnahmen, gerade auch in Europa.
Doch warnt uns diese teils apokalyptische Rhetorik wirklich vor einer ernst zunehmenden Gefahr, gerade von islamistischem Terrorismus? 15 Jahre nach den Anschlägen vom 11. September gibt es die westliche Zivilisation immer noch, trotz der Warnungen von diversen seriösen Amtsträgern. Wie viele Menschen starben bisher im Westen an Terroranschlägen von 2000-2014 (abgesehen von 9/11, das ein krasser Ausreißer war)?

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In jedem Jahr seit 1995, abgesehen von 2001, starben zum Beispiel in den USA mehr Menschen durch Blitzschläge, Erdnussallergien, Bienenstiche und „Entzündung und Schmelzen von Unterwäsche“ als durch Terrorismus. (Pinker, 2011) Ganz abgesehen davon, dass Verkehrsunfälle, Morde, Ertrinken, Feuer, versehentliche Vergiftungen oder Komplikationen bei Operationen im Westen allesamt mehr Menschenleben fordern. (Mueller, 2006)

Dass wir überproportional mehr Angst vor Terrorismus haben als beispielsweise vor Alkohol (70.000 Tote jedes Jahr allein in Deutschland), ist natürlich kein Zufall. Panik ist das grundlegende Ziel des Terrorismus. Terrorismus ist eine Form von asymmetrischer Kriegsführung: Eine nichtstaatliche Gruppe verübt Gewalt gegen Nichtkombattanten (Zivilisten oder Soldaten außer Dienst), um eine Regierung unter Druck zu setzen oder eine politische, religiöse oder soziale Botschaft einem großen Publikum zugänglich zu machen. Sie greifen überraschend an und arbeiten im Geheimen. Sie brauchen PR und Aufmerksamkeit der Medien, welche sie durch Angst bekommen.

Terror im Westen ist praktisch nicht existent

Warum haben wir Angst vor Terror, wenn diese Angst völlig unbegründet ist? Wir Menschen haben weniger Angst vor Risiken, die wir kennen, als vor Risiken, die wir nicht einschätzen können. Wir würden eher betrunken ins Auto steigen, als überhaupt zur Wiesn fahren, weil wir Angst vor Anschlägen haben, dabei ist es zigtausende Male wahrscheinlicher, betrunken einen Unfall zu bauen. Selbst nüchtern ist ein Unfall viel wahrscheinlicher.

Außerdem denken wir bei Gefahren stets an den schlimmsten Fall, nie an den wahrscheinlichsten – Ein tief uns verankterter psychologischer Denkfehler. Davon waren nach 9/11 auch unsere Regierungen betroffen, die regelrecht hysterisch wurden.

Aber in Europa ist Terrorismus keine gesellschaftlich ernstzunehmende Bedrohung sondern ein vielleicht medienwirksames und tragisches, aber dennoch kleines Problem im Vergleich zu allen anderen, die es gibt. Natürlich ist jeder gewaltsame Tod jedes Menschen tragisch und sollte verhindert werden, aber die Menge an Ressourcen, die wir zur Terrorbekämpfung verwenden, steht nicht im Verhältnis zu anderen Maßnahmen, die mehr Leben retten könnten. Niedrigere Tempolimits würden zum Beispiel erwiesenermaßen mehr Menschenleben retten als die Vorratsdatenspeicherung (Mueller, 2006).

Terrorismus ist kein Phänomen des 21. Jahrhunderts

Vor 2000 Jahren verübten jüdische Rebellen Attentate auf römische Offizielle, im 11 Jahrhundert verübten shiitische Muslime Attentate auf politische Führer, wenn sie der Meinung waren, diese seien vom rechten Pfad abgekommen und ein indischer Kult überfiel und opferte Reisende im 18. und 19. Jahrhundert an die Göttin Kali. Jeder der denkt, wir hätten einen enormen Anstieg an Anschlägen in Europa in den letzten Jahren, vergisst die Gewaltserien der 60er und 70er Jahre mit hunderten Bombenanschlägen, Entführungen und Schießereien der IRA in Irland, die roten Brigaden in Italien, die RAF oder die ETA in Spanien.

Rico Grimm hat die Anzahl der Terroranschläge in Westeuropa hier visualisiert (Und die für die Welt sieht ähnlich aus):

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Und nur weniger als 2% dieser hier oben dargestellten Anschläge wurde von Muslimen verübt, laut Europol.

Eine Tatsache, die die meisten Menschen irgendwie vergessen: Die allermeisten Terrorgruppen erreichen nie ihr Ziel. Und sterben tun sie alle.

Terrorismus funktioniert eigentlich nie. Das ist so offensichtlich, dass es einen verwundert, warum es immer noch Terroristen gibt. Aber wenn man es sich einmal überlegt: Den Staat Israel gibt es noch, Nordirland gehört immer noch zu Großbritannien, es gibt keinen Kommunismus in der BRD usw..

In seinem Artikel „Why Terrorism does not work“ stellt der Politologe Max Abrahms fest, dass von 42 der von den USA als Terrororganisationen eingestuften Gruppierungen nur 2 ihre Ziele erreicht hatten (Pinker, 2011)

Abrahms stellt fest, dass auch nur dann einige Terrororganisationen erfolgreich waren, wenn sie sich auf militärische Ziele konzentrierten und kleine, lokale Zielsetzungen hatten, was sie eher zu Guerillaarmeen macht, denn Terrorgruppen. Audrey Cronin legt in ihrem Buch „How Terrorism Ends“ noch einen drauf und stellt fest, dass von 457 aktiven Terrorgruppen seit 1968 kaum eine erfolgreich war. 94 Prozent der Gruppen erreichten kein einziges ihrer Ziele.

Und den Tod fanden sie aber alle.

Nehmen islamistische Anschläge zu?

Es gibt tatsächlich in den letzten Jahren wieder weltweit einen Anstieg an Terroranschlägen, der jedoch noch lange nicht die Höhepunkte von früheren Zeiten erreicht. Aber Terrorismus befindet sich mindestens im Westen im Rückgang. Einzelne Anschläge mit vielen Toten und weltweiter Berichterstattung mögen das Bild verzerren, aber sie sind deshalb so gutes Schlagzeilenmaterial, eben weil sie selten sind und es sich statistische Ausreißer handelt.

Ob islamistischer Extremismus etwas damit zu tun und ob eine besondere Gefahr von diesen Terrorgruppen ausgeht, behandeln wir in einem Folgeartikel. Ansonsten könnt ihr dem Volksverpetzer auf Facebook folgen, um ihn nicht zu verpassen.

Thomas_LThomas Laschyk, Chefredakteur Volksverpetzer Journalist, Blogger, und Tierrechtsaktivist aus Augsburg. Auf seinem Blog Der Volksverpetzer beschäftigt sich Laschyk auf kritische und kreative Weise mit Themen aus Bundes- und Weltpolitik, bis zu Wirtschaft, Finanzen und ethischen Fragestellungen. Hier könnt ihr den Volksverpetzer auf Patreon unterstützen.