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Angeblich sollen Stimmzettel für AfD-Wähler durch eine abgeschnittene oder gelochte Ecke kenntlich gemacht werden, damit Wahlhelfer sie aussortieren können. Ist da was dran?

Mit diesem Post sollen AfD-WählerInnen vor Stimmzetteln gewarnt werden, deren Ecke abgeschnitten oder gelocht ist. Dadurch sollen WahlhelferInnen Stimmen für die AfD leichter für ungültig erklären lassen können. Hier der Kompletttext:

Kleiner Tipp an die AfD-Wähler: Schaut euch den Wahlzettel ganz genau an. Wenn oben ein Eck fehlt oder er gelocht ist, können die Wahlhelfer ihn als ungültig aussortieren. Solltet ihr so einen bekommen, verlangt einen intakten Wahlzettel. Denselben Trick haben sie bereits bei der Frankreichwahl angewendet, wo danach zwei Millionen Stimmen ungültig waren!Der Statusbeitrag als Wortlaut:

Kleiner Tipp an die AfD-Wähler: Schaut euch den Wahlzettel ganz genau an. Wenn oben ein Eck fehlt oder er gelocht ist, können die Wahlhelfer ihn als ungültig aussortieren. Solltet ihr so einen bekommen, verlangt einen intakten Wahlzettel. Denselben Trick haben sie bereits bei der Frankreichwahl angewendet, wo danach zwei Millionen Stimmen ungültig waren!
In Facebook kursieren schon eine Menge Fotos von Briefwahlzetteln, die genau so bearbeitet wurden.
Auch bei meinem Wahlzettel fehlte ein Eck.

Doch an dieser Darstellung macht vieles keinen Sinn

Wie wir bereits hier erklärt haben, sind alle Stimmzettel gelocht und abgeschnitten, da es sich hier um eine Maßnahme für Sehbehinderte und Blinde handelt.

Doch abgesehen davon weist der Post klassische Merkmale einer Verschwörungstheorie auf. Denn diese Argumentation weist gewaltige Lücken in seiner Logik auf:

Woher sollten die Behörden schon vor der Wahl wissen, wer AfD wählen wird? Das wissen sie nicht einmal danach, weil es sich um eine geheime Wahl handelt. Denn damit eine gezielte Wahlmanipulation stattfinden könnte, dürften die Stimmzettel nur AfD-Mitglieder erreichen, denn sonst werden ja auch Stimmen anderer Parteien ungültig. Und dass man einfach wahllos Stimmen ungültig machen sollte, macht keinen Sinn. Erst Recht nicht, wenn man die AfD schwächen wollen würde.

Verschwörung mit einer halbe Millionen Menschen?

Darüber hinaus müssten dann ja alle WahlhelferInnen darüber informiert sein, Stimmzettel mit einem Loch auszusortieren. Das wären eine halbe Millionen Menschen! Diese Praxis wäre unmöglich geheim zu halten.

Kommen wir nun zu einer anderen Behauptung, die fast beiläufig am Rande ergänzt wurde:

Denselben Trick haben sie bereits bei der Frankreichwahl angewendet, wo danach zwei Millionen Stimmen ungültig waren!

Wurden in Frankreich 2 Millionen Stimmen für ungültig erklärt?

In der Tat war die Wahlbeteiligung in Frankreich bei der zweiten Runde der Präsidentschaftswahl im Mai so niedrig und die Anzahl der ungültigen Stimmen so hoch wie nie. Doch die genaue Zahl der ungültigen Stimmen liegt bei 4,2 Millionen. Das sind freilich mehr, aber zeigt, dass die Zahl „2 Millionen“ völlig aus der Luft gegriffen wurde.

Warum waren so viele ungültig? Erstens bedeutet es selbstverständlich nicht automatisch, dass eine Wahl manipuliert wurde, wenn es ungültige Stimmen gibt. Das ist ganz normal und kann viele Gründe haben.

Dem Wählenden könnte etwa die Stimmabgabe zu kompliziert gewesen sein und er hat aus Unkenntnis keine gültige Stimme abgegeben oder er hat sich eben bewusst enthalten bzw. wollte Protest damit ausdrücken. Letztlich weiß aber niemand, warum ein Stimmzettel ungültig war, da nirgendwo festgehalten wird, warum ein Stimmzettel ungültig war.

Die Präsidentschaftswahl in Frankreich

Erinnern wir uns zurück an die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen in Frankreich: Macron vs. Le Pen. Für viele war dies eine Wahl zwischen Pest und Cholera, da sie mit keinem der beiden Kandidaten zufrieden waren. Deshalb blieben viele am Wahltag zu Hause oder machten ihren Stimmzettel bewusst ungültig oder gaben ihn leer ab.

Doch selbst wenn man hypothetisch davon ausgehen würde, dass alle 4,2 Millionen Stimmen in Wahrheit für Le Pen ausgefüllt worden seien, und lediglich für ungültig erklärt wurden, um die Wahl zu manipulieren, addiert sich die Sache immer noch nicht auf: Selbst mit 4,2 Millionen Stimmen mehr hätte es für Le Pen immer noch lange nicht für einen Sieg gereicht. Zum Wahlsieger Macron haben am Ende 13 Millionen Stimmen gefehlt.

So eine riesige Wahlmanipulation mit Millionen Beteiligten wäre ebenfalls unmöglich geheim zu halten- und sie wäre letztendlich auch völlig sinnlos.

Also nein, abgesehen davon, dass es sich bei diesen Löchern und abgeschnittenen Ecken um inklusive Maßnahmen handelt, stimmen die anderen Behauptungen dieses Posts ebenfalls nicht. Es gibt keine großangelegte Verschwörung, um AfD-Stimmen ungültig zu machen und auch bei der Wahl in Frankreich im Mai gab es diese Manipualtion nicht.

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Thomas_LThomas Laschyk, Chefredakteur Volksverpetzer Journalist, Blogger, und Onlineaktivist aus Augsburg. Auf dem Volksverpetzer beschäftigt sich Laschyk auf kritische und kreative Weise mit Themen aus Bundes- und Weltpolitik, bis zu Wirtschaft, Finanzen und gesellschaftspolitischen Fragestellungen. Hier könnt ihr dem Volksverpetzer auf Facebook folgen.