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Gibt es in Deutschland einen Anschlag, fragen sich sofort alle: War es wieder ein Islamist? Die AfD fragt nicht, sie instrumentalisiert die Anschläge stets sofort. Beim BVB-Anschlag lag sie wohl daneben. Doch die Richtigstellung erreicht viele AfD-Wähler gar nicht mehr.

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Die AfD und ihre Wähler sind der Ansicht, dass man in Deutschland nicht mehr sicher ist. Jederzeit könnte jeder Opfer eines islamistischen Anschlags werden – deshalb solle man die AfD wählen. Eilmeldungen über Anschläge sind deshalb ein gefundenes Fressen für die Partei. Kaum gibt es erste Meldungen, kennt man bereits die Schuldigen: Islamisten, die Antifa oder Merkel – oder eben alle drei.




In den Facebook-Gruppen der Islamgegner und „Patrioten“ entläd sich die geballte Wut. Dort wird längst nicht mehr abgewartet, was die Ermittlungen ergeben, dort wird verurteilt und gehasst. Und die AfD bedient diese Ansichten zynisch kalkuliert:

Unzählige Memes und Posts durchziehen die rechte „Lügenpresse“ und Filterblase bis heute, die Islamisten und Flüchtlingen (die in dieser Weltsicht ein- und dasselbe sind) die Schuld für den Anschlag geben. Ein Anschlag, der dazu gedacht war, den Kurs der BVB-Aktie fallen zu lassen, um durch Börsenspekulationen Tausende Euro zu verdienen. Unsere Kollegen bei den Übermedien haben noch mehr für die Vorverurteilung Beispiele gesammelt. Eine Richtigstellung wird man aus den rechten Kreisen aber nicht hören.

Wir alle fragen uns sofort – War das jetzt wieder ein Islamist? Aber was heißt denn „wieder“?

Von wem ein Anschlag verübt wurde, ist letztlich also egal – Wer Muslimen die Schuld dafür geben will, wird dies so oder so tun. Doch die rechte Filterblase ist bei weitem nicht die einzige, die „Islamisten“ sofort in die Diskussion wirft, sobald etwas passiert. Wir alle fragen uns sofort – War das jetzt wieder einer?

Immerhin 73% der Menschen in Deutschland gaben an, das ihre Hauptangst Terrorismus sei. Doch wie viele Anschläge mit islamistischen Hintergrund gab es seit Anfang 2012?

5 – mit 12 Toten, wenn man die Täter nicht mitzählt. Und alle diese 12 waren Opfer des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt. Die anderen Angriffe waren der Sprengsstoffanschlag in Ansbach, der Messerstecher in Würzburg, eine Messerattacke in Hannover auf einen Polizeibeamten und einen Anschlag auf einen Tempel der Sikh-Gemeinde in Essen. Und bei drei der Anschläge handelte es sich lediglich um mutmaßliche Sympathisanten des IS. (Siehe Verfassungsschutz)

Natürlich machen bei uns Meldungen von Anschlägen aus anderen Ländern die Runde, man erinnere siche an Charlie Hebdo – Erst am 20. April eröffnet ein Islamist das Feuer auf der Camps-Élysées. Doch zwar ist Frankreich unser Nachbar, die Sicherheitslage und Terrornetzwerke sind jedoch andere als hier.

Die AfD in Deutschland zu wählen, weil man Angst vor Anschlägen in Paris hat? Seltsame Korrelation um ehrlich zu sein.

Mitgefühl und Sorge sind ja sehr gut und wichtig und auch kann ich niemanden dafür verurteilen, wenn er Angst hat. Doch die AfD zu wählen ist der falsche Weg.

Islamistische Anschläge gibt es bei uns in Deutschland so gut wie gar nicht

Natürlich häufen sich die Vorfälle in letzter Zeit – Die oben genannten Beispiele sind alle aus dem Jahr 2016, doch mit organisiertem Terror oder einem Netzwerk haben diese kaum etwas zu tun. Und daran kann die AfD auch nichts ändern. Zumindest nicht mit den Lösungen, die sie anbietet.

Wie der Journalist Shams ul-Haq berichtet, besteht die größte Gefahr durch islamistischen Terror dadurch, dass die Flüchtlinge aufgrund der schlechten Zustände und der mangelnden Integration leichte Opfer durch Radikalisierung von Salafisten werden können. Die Zustände, die Organisation und die Vernetzung der Flüchtlingshelfer ist mangelhaft. Anstatt so viele Asylbewerber wie möglich abzuschieben, sollten wir ein klein wenig mehr Geld in die Hand nehmen, und ihre Unterbringungssituation besser organisieren und sie besser integrieren. Die Polizei und der Verfassungsschutz müssten mehr Personal und Mittel haben, um Gefährder zu beobachten – Sie sind chronisch unterbesetzt.

Dadurch wäre die Radikalisierung der Asylbewerber eingedämmt und eine hypothetische Einschleusung von IS-Rückkehrern getarnt als Asylbewerber wäre auch erschwert. Doch paradoxerweise sind Vorschläge, die mehr Geld für Flüchtlinge ausgeben wollen,  im derzeitigen politischen Klima unmöglich.

Die Popularität der AfD und die Anpassung der restlichen politischen Parteien an dieser Stimmungslage bereitet erst den Nährboden dafür, dass Deutschland anfälliger für islamistischen Terror werden wird.

Also nein, die AfD lag nicht nur beim Anschlag auf den BVB falsch, sondern verkennt die aktuelle Sicherheitslage und wird durch ihre Stimmungsmache letztlich nur zu den Zuständen beitragen, vor denen sie uns schützen möchte.

Thomas_LThomas Laschyk, Chefredakteur Volksverpetzer Journalist, Blogger, und Onlineaktivist aus Augsburg. Auf seinem Blog Der Volksverpetzer beschäftigt sich Laschyk auf kritische und kreative Weise mit Themen aus Bundes- und Weltpolitik, bis zu Wirtschaft, Finanzen und ethischen Fragestellungen. Hier könnt ihr dem Volksverpetzer auf Facebook folgen.