Unsere Autorin Maja wurde vor einigen Monaten mit ADHS diagnostiziert und hat seitdem viele Vorurteile gehört.

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ADHS, die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, ist eine Störung des Gehirnstoffwechsels. Reize werden anders verarbeitet als bei anderen Menschen. Das bedeutet, dass Sinneseindrücke weniger gut gefiltert werden können und Menschen mit ADHS größere Probleme haben, strukturiert zu denken und Aufgaben zu priorisieren. Deshalb lassen sie sich schnell ablenken, wenn etwas Interessantes in der Nähe passiert.

Auch die Impulskontrolle ist gestört. Daher rührt unter anderem das berühmte Zappeln.

Und obwohl ADHS heute als Modediagnose verschrien ist, gibt es viele Vorurteile und falsche Informationen.

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1. „Ach komm, das haben doch nur kleine Jungs!“

 

Nein, das stimmt nicht. ADHS hat man – oder eben frau – sein ganzes Leben lang. Aber viele Menschen finden als Erwachsene Wege, damit umzugehen. Außerdem können Erwachsene viel besser einschätzen, welches Verhalten angebracht ist und welches nicht und kontrollieren sich deshalb besser.

Bei Mädchen ist ADS – also die Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität – häufiger. Sie gelten dann als sehr verträumt und lassen sich schnell ablenken – von dem sprichwörtlichen Eichhörnchen vor dem Fenster. Das fällt nicht so schnell auf wie ein dauer-zappeliges und kribbeliges Kind.

Die Probleme bleiben die gleichen, aber oft werden Frauen dann erst im Erwachsenenalter diagnostiziert. Bis zur Diagnose machen viele einen Leidensweg durch, weil sie an vielen Stellen nicht ganz ‚reinpassen‘, Dinge nicht zu Ende bringen und deshalb beispielsweise beruflich hinter ihren Möglichkeiten zurück bleiben, manchmal Süchte entwickeln und vieles mehr. Dann ist es eine ungeheure Erleichterung, mit der Diagnose zu wissen, dass man nicht einfach nur eine komplette Versagerin ist, sondern dass es eine Ursache hat und man daran arbeiten kann.




2. „Das kommt doch nur von den Handys!“

 

Na wenn das mal so einfach wäre! Wobei die ständige Flut an Informationen, die einem heute aus den sozialen Netzwerken entgegen strömt, für Menschen mit einer gestörten Reizverarbeitung natürlich nicht grade eine positive Wirkung hat. So viele Eindrücke, so viele Informationen, so viel Raum, um sich ablenken zu lassen!

Dabei sind Netzwerke wie Twitter auch ein idealer Mülleimer für das Gedankenchaos, das Menschen mit ADHS ständig im Kopf haben. Twitter auf, Gedanke rein, Twitter wieder zu. Auch eine Kompensationsmethode.

Aber nein, man kriegt von den Handys kein ADHS. Man hat es oder man hat es nicht. Es begünstigt höchstens die Symptome.

 

3. „Ja, also… ich kann mich auch manchmal nicht konzentrieren!“

 

Diesen Satz hat die Autorin sogar von ihrem Hausarzt gehört, als sie mit der Bitte um eine Überweisung zum Experten in seine Praxis kam.

 

Ja, natürlich hat jeder mal einen schlechten Tag und kann sich dann nicht konzentrieren. Aber es ist ein klitzekleiner Unterschied, ob man mal einen schlechten Tag hat, oder jeden einzelnen Tag damit lebt.

Stell dir einfach mal eine vierspurige Autobahn vor, auf der viele Autos mit Höchstgeschwindigkeit fahren. Und jetzt stell dir vor, du stehst auf der Fahrbahn im Gegenverkehr und die entgegenkommenden Autos, denen du ausweichen musst, sind deine Gedanken. Dann hast du eine kleine Idee, wie es im Kopf eines Menschen mit ADHS aussieht. Das ist Stress pur. Jeden Tag.

 

4. „Mach doch einfach mal Sport oder geh‘ in den Wald!“

 

„Wald statt Ritalin!“ Wenn du mal einen Menschen mit ADHS richtig verärgern willst, dann postest du dieses Bild.

Sport kann Menschen mit ADHS helfen, weil man sich auspowert und die körperliche Anspannung, die durch das alltägliche Gedankenchaos entsteht, abgebaut wird. Und so ein Waldspaziergang ist natürlich beruhigend, weil man dann nicht die ganzen Sinneseindrücke einer Stadt hat, die auf einen einströmen und die man nicht filtern kann.

Aber: Beides heilt ADHS nicht.

Am nächsten Tag ist man auf der Arbeit wieder gestresst und die Stadt ist wieder laut. Deshalb ist dieser Ratschlag einfach nur nervig und frustrierend.




5. „Aber nimm bitte keine Medikamente, die stellen dich doch bloß ruhig!“

 

Ja, Ritalin. Das ist ein beliebtes Thema, zu dem Menschen mit ADHS ungefragt gesagt bekommen, was sie zu tun haben.

Zunächst einmal: Ja, Ritalin ist ein Medikament und zwar kein harmloses. Es fällt nicht umsonst unter die verschreibungspflichtigen Betäubungsmittel und ist vom Aufbau her ähnlich wie ein Amphetamin.

Aber wie Amphetamine auch hat es eigentlich eine stimulierende Wirkung und ist zum Ruhigstellen nicht geeignet. Da es sich aber auf den gestörten Hirnstoffwechsel von Menschen mit ADHS auswirkt, sorgt es dafür, dass diese sich besser konzentrieren und strukturierter denken können. Deshalb bringt es sie auch runter, aber ruhig gestellt wie bei einer Betäubung sind sie nicht.

Viele Menschen mit ADHS berichten von ihrer ersten Einnahme von Ritalin als ein ‚Aha-Moment‘ in dem die Gedanken plötzlich nicht mehr das komplette Chaos waren und vielen Menschen hilft es sehr dabei, besser im Alltag klarzukommen.

Aber es hat auch Nebenwirkungen und nicht jeder verträgt es gleich gut.

Deshalb sollte jeder ADHS Patient gemeinsam mit dem behandelnden Arzt abwägen, ob das Medikament das Richtige für ihn oder sie ist.

FrauMaja, Redakteurin Volksverpetzer FrauMaja ist 31 Jahre alt, Bloggerin aus der Ruhrpottperipherie und hat ein Herz für das Bedingungslose Grundeinkommen und soziale Themen. Hier schreibt sie über ihren Traum von progressiver Politik. Hier könnt ihr dem Volksverpetzer auf Facebook folgen.
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