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Am Sonntag ist Bundestagswahl. Aber das interessiert dich nicht, denn du bist ein Nichtwähler.

1. Du möchtest nicht das kleinere Übel wählen

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In der Regel hat man eine sehr große Auswahl auf dem Stimmzettel und wenn man sich die Mühe macht, die Parteien nach ihren Wahlprogrammen zu beurteilen und nicht nach irgendwelchen Vorurteilen, die man vielleicht fälschlicherweise hat, dann sollten sich Forderungen finden lassen, die man auch unterstützen kann.

Und selbst wenn man nichts Perfektes findet: Ich glaube, du möchtest das kleinste Übel wählen. Warum? Naja, es ist buchstäblich die bessere Wahl, oder? Denn wenn du nicht wählst, ordnest du alle Parteien als gleichermaßen schlecht ein, was technisch gesehen unmöglich ist, wenn man sich die breite Spanne an Themen und Forderungen ansieht. Und du wählst nicht nur, wer am Ende im Abgeordnetenhaus sitzen darf. Du wählst, wer die Gesetze macht, die dich in deinem Leben überall beeinflussen. Die Leute, die entscheiden, was deine Kinder an der Schule gelehrt bekommen, wie hoch die Abgaben sind, die du zahlst und so weiter.

Außerdem ist es mathematisch gesehen so, dass eine nicht abgegebene Stimme den Parteien am meisten nützt, die am Ende auch am meisten Stimmen bekommen werden. Und wenn du nicht wählst, weil du mit der derzeitigen Politik unzufrieden bist, sind das genau die Parteien, die du nicht unterstützen möchtest. Eine Stimme für eine kleine Partei, selbst wenn sie an einer Prozenthürde scheitern sollte, schmälert den Erfolg aller anderen Parteien – Die dir eben nicht zusagen.


2. Ich kenne mich nicht gut genug mit Politik aus und/oder es interessiert mich nicht

Wenn du dich nicht dafür interessierst, wer deine Interessen vertritt, dann muss ich dir Recht geben: Du solltest nicht wählen.

Es ist aber nicht so schwer, sich zu informieren. Du kannst dein „Bundesland/Stadt/etc.“ und „Wahl“ googlen und du bekommst die Ergebnisse. Du kannst unsere Zusammenfassungen der Parteien lesen. Du kannst den Wahl-O-Mat besuchen, ein paar Fragen beantworten (und auch wenn dich Politik nicht interessiert: Worauf Politik Einfluss hat, interessiert dich, versprochen) und dann sehen, welche Politiker oder Parteien am meisten Übereinstimmung mit deinen Positionen haben und dann auf deren Websites gehen und sie dir genauer anschauen.

Und wenn du möchtest, dass wir Kandidaten oder Wahlkampfthemen analysieren, könnt ihr uns unter redaktion@volksverpetzer.de oder in den Kommentaren erreichen und wir werden uns das näher ansehen. (Als Unterstützer könnt ihr euch ebenfalls Themen wünschen!)

3. Ich bin Wähler einer Kleinpartei, meine Stimme spielt sowieso keine Rolle

Deine Stimme spielt tatsächlich immer eine Rolle.Du hast Recht damit, dass deine Stimme vermutlich nicht die eine sein wird, die eine Mehrheit entscheidet oder eine Prozenthürde knackt, aber dadurch dass du nicht wählst, lässt du Politiker und die Öffentlichkeit glauben, dass dein Bundesland/deine Stadt weniger politisch vielfältig ist, als sie ist und hilfst, wie oben bereits erwähnt, proportional denjenigen am meisten, die zu den so genannten „Volkparteien“ zählen – Welche du in diesem Fall ja eben nicht unterstützen möchtest.
Und das ist gefährlich, denn eine starke Minderheit ist unabdingbar, um besonders einseitige Politik der regierenden Partei(en) zu verhindern. Eine starke Minderheit hat immer Einfluss auf die Gesetzgebung und Regierung, wenn auch indirekt. Wenn du diesen Einfluss mit deiner Stimme verstärken kannst, solltest du das tun.

4. Unser System ist korrupt und gekauft und meine Stimme spielt keine Rolle

Ja, unser System ist von finanziellen und wirtschaftlichen Einflüssen beeinflusst, aber ich glaube nicht, dass wir dieses Problem dadurch beseitigen, dass wir nicht wählen gehen. Denn aus Protest nicht zu wählen sieht aus der Perspektive des Systems kein bisschen anders aus als Nichtwählen aus Gleichgültigkeit.

Außerdem hebt Geld nicht die Macht deiner Stimme auf – Und reiche Menschen wissen das. 95% des reichsten Fünftels der Deutschen haben 2009 bei der Bundestagswahl gewählt, aber nur 76% des ärmsten Fünftels (Quelle). Die Reichen sind in der Minderheit. Sie haben Angst vor deiner Stimme.

5. Krankheit, Behinderung, Anreiseschwierigkeiten

Ganz einfach! Wenn du deine dir zugesendete Wahlbenachrichtigung ansiehst, wirst du Informationen darauf entdecken, die dir weiterhelfen. Du kannst entweder einem Freund oder Verwandten eine schriftliche Vollmacht ausstellen oder ganz leicht online, telefonisch oder persönlich von der für dich zuständigen Behörde Briefwahlunterlagen zukommen lassen. Meistens hat man dafür viel Zeit und bekommt alle Unterlagen nach Hause geschickt und kann den Wahlzettel ganz bequem zu Hause ausfüllen. Diesen muss man dann nur noch bei der Post abgeben und fertig. Für diesen Brief muss man auch kein Porto entrichten.

6. Ich weiß nicht, wie man (richtig) wählt

Das ist nichts, wofür man sich schämen muss und es ist eigentlich auch ganz einfach: Wenn du wahlberechtigt bist, bekommst du Unterlagen zugeschickt, die dich über die Wahl informieren und dich über alle nötigen Anforderungen aufklären. Üblicherweise sind darauf alle wichtigen Informationen vermerkt. Falls du immer noch nicht weiter weißt, kannst du dich bei deiner zuständigen Behörde telefonisch, online oder persönlich melden und nachfragen, dort wird dir gerne weitergeholfen. (Fragen zu einer konkreten Wahl kannst du auch in den Kommentaren stellen oder an redaktion@volksverpetzer.de schicken.)

Hier haben wir alles wichtige, was du für die Bundestagswahl wissen, musst aufgeschrieben.

Es ist leicht, am Wahlabend zu Hause zu bleiben, es ist leicht, so zu tun, als ginge einen das ganze politische Theater nichts an. Es mag aber auch schwer sein, sich aufzuraffen und die Hürden zu überspringen, die eine Wahl mit sich bringt. Aber Wählen ist keine Pflicht, es ist ein Privileg, für das viele Generationen vor uns gekämpft haben und das wir nicht einfach so wegwerfen dürfen. Wir dürfen nicht diejenigen im Stich lassen, die nicht wählen können, seien es Kinder oder Menschen ohne die nötige Staatsbürgerschaft. Sie sind dennoch Teil unserer Gemeinschaft und verlassen sich darauf, dass wir auch an sie denken. Natürlich ist meine Stimme allein nicht entscheidend. Aber auch nur 10% von den Zigtausenden, die genauso denken wie ich? Das macht schon einen großen Unterschied. Wenn du wahlberechtigt bist, dann rate ich dir dazu, zu einem informierten Wähler und aktiven Teilnehmer unserer Gesellschaft zu werden. Selbst, wenn es dir schwer fällt. Sogar ganz besonders dann, wenn es dir schwer fällt.

Danke an John Green für die Inspiration zu diesem Text

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Artikelbild: Shutterstock

Thomas_LThomas Laschyk, Chefredakteur Volksverpetzer Journalist, Blogger, und Onlineaktivist aus Augsburg. In der Mimikama-Kolumne Volksverpetzer beschäftigt sich Laschyk auf kritische und kreative Weise mit Themen aus Bundes- und Weltpolitik, bis zu Wirtschaft, Finanzen und gesellschaftspolitischen Fragestellungen. Unterstützt den Volksverpetzer doch mit einem kleinen monatlichen Beitrag!