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Vertrauensexpertin: „Facebook wird als Marke untergehen“

Ralf Nowotny, 6. März 2019
Artikelbild: Shutterstock / Von Stuart Monk
Artikelbild: Shutterstock / Von Stuart Monk

Die Vertrauensexpertin Rachel Botsman ist der Ansicht, dass die Größe alleine Facebook nicht retten wird.

In einem Interview mit dem Magazin „t3n – Digital Pioneers“ äußert sich die 41-jährige Britin darüber, wie Facebook das Vertrauen der Nutzer verspielt hat und wahrscheinlich in einigen Jahren den gleichen Stand wie MySpace heute hat.

Wer ist Rachel Botsman?

Sie lehrt an der zur Oxford Universität gehörenden Saïd Business School und schrieb bereits 2010 ein Buch über die Share Economy. In ihrem aktuellen Buch „Who can you trust? How Technology brought us together – and why it might drive us apart“ („Wem kannst du vertrauen? Wie Technologie uns zusammenbrachte – und warum sie uns wieder auseinander treibt“) beschreibt sie den Zusammenhang von Vertrauen und Technologie.
Zudem ist sie beratend für Unternehmen wie Google und Microsoft tätig und zählt zu den weltweit 20 besten Speakern.

Was sagt sie über Vertrauen und Technik?

Als Vertrauensexpertin ist für Rachel Botsman natürlich besonders interessant, wie menschliches Vertrauen und Technik miteinander fungieren.
So vertrauen Menschen zwar der Technik ihres Autos, da sie es gewohnt sind. Geht es aber nun um autonomes Fahren, also ohne einen Menschen am Steuer, weicht das Vertrauen wieder.
Genauso verhalte es sich mit Amazons Sprachassistentin Alexa, die eher Befehle bekommt, denen die Menschen vertrauen, wie das aktuelle Wetter oder ein bekannter Song. Das Vertrauen sinkt aber, wenn man Alexa beispielsweise befehligen solle, einen bestimmten Geldbetrag zu überweisen.

Was sagt sie über Facebook?

Aus Botsmans Sicht ist Facebook in einem sehr zerbrechlichen Zustand.
Die Datenskandale der Vergangenheit sind noch lange nicht aus dem kollektivem Gedächtnis verschwunden, und Facebook bemüht sich zuwenig, um das Vertrauensverhältnis zu den Nutzern wieder herzustellen.

Botsman vergleicht dies mit dem Vertrauen in einer Beziehung:
Wurde dies gestört, befindet man sich einer Phase der Verwirrung und der Unsicherheit, man hat nur ein gewisses Zeitfenster, dieses Vertrauen wieder aufzubauen. Sollte dies nicht gelingen, kommt es zu einer weiteren Phase der „Entzauberung und Rückzug“, was genau jetzt mit Facebook geschehe.

So habe Facebook zwar immer noch sehr viele Nutzer, jedoch schleiche sich im Nutzerverhalten eine gewisse Apathie ein. Man nutzt es noch, weil Freunde und Bekannte da sind, aber man nutzt es nicht mehr wirklich aktiv. Es ist für viele Internetnutzer keine soziale Notwendigkeit mehr, ein Facebook-Konto zu haben.

Zudem widerspricht die Kommunikation Facebooks mit den Nutzern dessen Handlungen.
Ein Mark Zuckerberg kann noch so oft versprechen, dass in Zukunft alles besser wird und die Sicherheit der Nutzer im Vordergrund steht, wenn gleichzeitig so gut wie nichts geschieht und immer wieder neue Lücken auftauchen, wie die Nutzerdaten zu Geld gemacht werden.

Wie sieht die Zukunft Facebooks aus?

Da ist Botsmans Ansicht eindeutig: Die Marke Facebook stirbt.
In fünf Jahren werde Facebook den gleichen Stand haben wie MySpace heute: Es existiert noch, aber es wird nicht mehr wirklich genutzt. Dies bedeutet nicht den Untergang Facebooks, da ja noch beispielsweise Instagram und WhatsApp zu dem Konzern gehören, und vielen Nutzern, die zu Instagram wechseln, nicht bewusst oder es egal ist, dass Instagram zu Facebook gehört, jedoch wird die Marke Facebook an Bedeutung verlieren.

So wird die Größe Facebooks alleine nicht dessen Überleben sichern, da die Nutzer, wie vorher schon oft, andere Orte im Netz finden werden. Wenn sich also nicht grundlegende Dinge bei Facebook ändern, sowohl was die Kommunikation mit den Nutzern als auch die Datensicherheit angeht, wird Facebook in wenigen Jahren nur noch ein Schatten seiner selbst sein.

Das komplette Interview findet sich auf t3n.de

 


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
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