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Vergleich Grippewelle 2017/18 mit Corona-Pandemie ist unsinnig!

Ralf Nowotny, 9. Februar 2021
"Die Grippewelle sei viel schlimmer gewesen, trotzdem gab es damals nicht solche Maßnahmen wie bei der Corona-Pandemie."
"Die Grippewelle sei viel schlimmer gewesen, trotzdem gab es damals nicht solche Maßnahmen wie bei der Corona-Pandemie."

Auf einem Sharepic werden die Zahlen der Grippewelle 2017/18 mit der Corona-Pandemie verglichen. Doch der Vergleich hinkt stark.

Das Sharepic wird seit mindestens September 2020 verbreitet und kursiert derzeit anscheinend wieder. Darauf werden die Grippewelle 2017/18 und die aktuelle Corona-Pandemie miteinander verglichen. Die Schlussfolgerung auf dem Sharpic: Die Grippewelle sei viel schlimmer gewesen, trotzdem gab es damals nicht solche Maßnahmen wie bei der Corona-Pandemie.

Um dieses Sharepic handelt es sich:

Der Grippe-Corona-Vergleich
Der Grippe-Corona-Vergleich

Gemäß dem Sharepic starben bei der Grippewelle 2017/18 25.100 Menschen innerhalb von 3 Monaten, während bei der „Coronawelle 2020“ nur 3.000 Menschen in der selben Zeitspanne starben.

Faktencheck: Die Kurzfassung

Für alle Eiligen: Der Vergleich hinkt!
Bei den 25.100 Influenza-bedingten Todesfällen aus der Grippesaison 2017/2018 handelt es sich um eine Schätzung. Für diesen Zeitraum gibt es 1.674 laborbestätigte Todesfälle.

Zudem verstarben in den 3 Monaten, seit es die ersten Corona-Toten in Deutschland gab, knapp 6.000 Menschen, nicht 3.000.

Außerdem ist die Grippe-Epidemie zeitlich und örtlich begrenzt, die Corona-Pandemie jedoch ließ sich auch durch den Sommer nicht stoppen.

Faktencheck: Die Langfassung

In der Saison 2017/18 musste Deutschland eine ungewöhnlich starke Grippewelle verzeichnen. Im Bericht des RKI dazu fand man 25.100 Todesfälle gelistet, die einer Exzess-Schätzung zugrunde liegen. Daneben finden sich die 1.674 laborbestätigten Todesfälle.

Jene „Exzess-Schätzung“ führt „die der Influenza zugeschriebene Sterblichkeit mittels statistischer Verfahren“ an. Im Zuge einer solchen Schätzung wird erst eine Hintergrundmortalität errechnet. Diese besagt die erwartete Todesrate noch ohne Einfluss der Influenza.

Oder einfach ausgedrückt: Die 25.100 Todesfälle sind eine Schätzung aufgrund statistischer Werte, die 1.674 Todesfälle sind laborbestätigt.

Dem gegenüber stehen bestätigte 5.913 Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19 am 28. April 2020 (siehe HIER) (der erste Todesfall in Deutschland war am 28. Januar (siehe HIER) + 3 Monate) – also fast doppelt soviel als im Sharepic angegeben.

Eine Grippewelle wird zudem „Welle“ genannt, da sie erfahrungsgemäß nach einer bestimmten Zeit von etwa drei bis vier Monaten wieder abebbt. COVID-19 jedoch hat sich jedoch durch die wärmeren Temperaturen zwar abbremsen, aber nicht stoppen lassen, von einer „Coronawelle“ kann man also wirklich nicht reden.

Auch sonst ist der Vergleich von Grippe und COVID-19 unsinnig

Nur einige Stichpunkte:

  • Es gibt jetzt erst Impfungen gegen COVID-19, während gegen die Grippe nicht nur Impfungen, sondern auch eine gewisse Grundimmunität besteht
  • COVID-19 bricht zumeist sehr viel später als eine Grippe aus, Infizierte können tagelang andere infizieren, ohne von der Erkrankung zu wissen
  • Der Krankheitsverlauf bei COVID-19 ist oftmals schwerer als bei Grippe
  • Immer öfter werden Folgeschäden durch COVID-19 festgestellt, die es bei einer Grippe eher selten gibt

Fazit

Der Vergleich ist im Gesamten unsinnig. Nicht nur, dass die Zahlen der Grippewellen geschätzt sind und stark variieren, sondern der Verlauf der COVID-19 Pandemie ist zudem auch noch weitaus schwerwiegender und hat bereits locker sämtliche geschätzten Zahlen von Grippe-Epidemien überholt (in Deutschland alleine zum jetzigen Zeitpunkt 62.191 Tote).

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Weitere Quelle: Correctiv
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