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Untersuchung zum Brexit: Soziale Medien womöglich gar nicht Ursprung des Phänomens !

Kathrin Helmreich, 12. November 2018
Untersuchung zum Brexit: Soziale Medien womöglich gar nicht Ursprung des Phänomens !
Untersuchung zum Brexit: Soziale Medien womöglich gar nicht Ursprung des Phänomens !

Twitter-Echokammern spiegeln reale Welt

Politische Echokammern auf Twitter spiegeln womöglich realweltliche Unterhaltungen wider, die mit dem Standort des Nutzers zusammenhängen, so Forscher der City, University of London.

„Das stellt die Annahme infrage, dass Echokammern eine Krankheit sind, die von sozialen Medien geschaffen werden und suggeriert eher, dass Menschen ihre Pub-Gespräche in den Online-Diskurs einbringen“,

meint Forschungsleiter Marco Bastos, Lektor am Institut für Soziologie.

Regional online

Die Forscher haben 33,889 Tweets aus den vergangenen zehn Wochen vor dem Brexit-Referendum am 23. Juni 2016 analaysiert. Dabei haben sie 15.299 Twitter-Nutzer berücksichtigt, die in eigenen Tweets klargemacht hatten, auf welcher Seite sie stehen. Dabei haben sie festgestellt, dass sowohl Brexit-Befürworter als auch -Gegner durch knapp 70 Prozent ihrer Tweets mit eindeutigen Gesinnungsgefährten interagiert haben, was dafür spricht, dass vor dem Referendum Online-Echokammern sehr real waren.

Besonders interessant war aber die geografische Zuordnung der Tweets. Nutzer, die Pro-Brexit-Tweets abgesetzt haben, leben im Schnitt nur 22 Kilometer voneinander entfernt. Sie haben sich also vor allem mit anderen aus ihrer eigenen Region ausgetauscht. Der realweltliche Abstand zwischen Brexit-Gegnern war fast doppelt so groß, sprach also für einen regionenübergreifenden Austausch.

Zudem haben sich Brexit-Befürworter bei ihren Twitter-Interaktionen umso mehr in ihr realweltliches geografisches Umfeld zurückgezogen, umso näher das Referendum gerückt ist. Verfechter des EU-Verbleibs dagegen haben mit noch entfernteren Usern interagiert.

Verbundene Welten

„Unsere Studie beleuchtet die bislang weitgehend unerforschte Verbindung zwischen den Online- und Offline-Dimensionen unserer Gesellschaft“,

meint Co-Autor Andrea Baronchelli, Lektor am Institut für Mathematik. Die vom Team erstellten Twitter-Karten zeigen dabei auch, dass sich Standortballungen von Brexit-Befürwortern und -Gegnern sehr gut damit decken, in welchen Teilen Großbritanniens letztlich klar mit „Leave“ beziehungsweise „Remain“, also gegen oder für die EU gestimmt wurde.

Baronchelli erwartet, dass die aktuelle Arbeit ein größeres Interesse an der Erforschung der Verbindungen zwischen realer und virtueller Welt auslösen wird.

„Künftige Studien sollten beispielsweise ergründen, ob die Teilnahme an Online-Echokammern dadurch motiviert wird, offline mit Menschen zu sprechen, die ebenfalls politische Ansichten teilen, oder ob das in die umgekehrte Richtung geht“,

meint er abschließend.

 


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