Kein Fake: Ukrainische Jugendliche ziehen in den Krieg

Ralf Nowotny, 8. März 2022

Das Foto von mehreren Jugendlichen mit Knieschützern und Waffen ist kein Fake: Sie wollen als Freiwillige für die Ukraine kämpfen.

In einem Krieg, so das Bild in den Köpfen, nehmen nur schwerbewaffnete Soldaten in Tarnanzügen teil. Doch ist dies nur das „heroische“ Hollywood-Bild, denn auch hinter den feindlichen Linien, wie gerade jetzt in der Ukraine, wollen Menschen ihre Heimat verteidigen. Und auch wenn sie mit Glück vielleicht gar nicht erst in Kampfhandlungen verwickelt werden, möchten diese Jugendlichen nicht tatenlos zusehen.

Das Foto der Jugendlichen

Die Autorin Claire Dederer postete dieses Foto auf Instagram, jedoch wird die Echtheit anscheinend von manchen Menschen bezweifelt:

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Claire Dederer (@clairedederer)


Die Beschreibung des Bildes lautet:

„18-jährige Ukrainer auf dem Weg zur Verteidigung Kiews. Zum Schutz tragen sie ihre Skateboard-Knieschoner. Sie werden drei Tage lang trainieren, bevor sie in den Kampf ziehen.
Jede Mutter würde bei diesem Bild weinen.“

Sie nennt auch die Quelle des Fotos: „Photo via the BBC’s Jeremy Bowen“, was es einfach macht, das Originalfoto zu finden.

Der Urheber des Fotos

Bei Jeremy Bowen handelt es sich um keinen Unbekannten: Der walisische Journalist und Fernsehmoderator war bereits von 1995 bis 2000 Nahost-Korrespondent der BBC in Jerusalem, seit 2005 ist er Redakteur für den Nahen Osten bei BBC.
Er veröffentlichte exakt dieses Foto auch auf Twitter:

Twitter

Mit dem Laden des Tweets akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Twitter.
Mehr erfahren

Inhalt laden

 
Derzeit befindet sich Bowen in Kiew und berichtet über die dortige Lage. Über die Fotos mit den Jugendlichen schreibt er auf der Homepage der BBC am 4. März:
„Diese jungen Männer haben sich freiwillig gemeldet, um für die Ukraine zu kämpfen. Als wir gestern mit ihnen zusammentrafen, hatten die jungen Leute immer noch das Gefühl von Aufregung, Patriotismus – ja sogar von Unbesiegbarkeit -, das junge Männer, die nicht viel mehr als Jungen sind, schon immer hatten, wenn sie sich für den Krieg melden.
Einige ältere Männer waren auch dabei, und sie wirkten ängstlicher als die 18- und 19-Jährigen.
Die Teenager sahen aus wie Studenten auf einem Campingausflug, nur dass sie Sturmgewehre trugen. Sie sagten, sie bekämen nur eine dreitägige Ausbildung, aber sie wüssten bereits, wie sie ihre Waffen abfeuern und warten können.
Heute Morgen sah ich, wie sie Straßensperren am Rande der Stadt besetzten. Neben leichten Waffen hatten sie auch Molotowcocktails dabei.
Die Ukraine hat eine Berufsarmee, und die Freiwilligen werden höchstwahrscheinlich zur Unterstützung hinter der Front eingesetzt.
Aber wenn Kiew angegriffen wird, könnte sich das schnell ändern – und die Freiwilligen, ob alt oder jung, könnten in die Kämpfe verwickelt werden.“

Fazit

Das Foto stammt von einem renommierten Nahost-Journalisten der BBC, der sich direkt vor Ort in Kiew befindet. Auch fotoforensische Analysen lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass die Fotos von Jeremy Bowen echt sind.


Artikelbild: Jeremy Bowen/BBC

Auch interessant:

In einem Video von 2004 soll der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zu sehen sein, der eine Hetzrede hält. Doch dabei handelt es sich um jemand anderen!

Unabhängige Faktenchecks und Recherchen sind wichtig und richtig. Sie fördern Medienkompetenz und Bildung. 

Ein unabhängiges und für jeden frei zugängliches Informationsmedium ist in Zeiten von Fakenews, aber auch Message Control besonders wichtig. Wir sind seit 2011 bestrebt, allen Internetnutzern stets hochwertige Faktenchecks zu bieten.  Dies soll es auch langfristig bleiben. Dafür brauchen wir jetzt Deine Unterstützung!

Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

weitere mimikama-Artikel