Ukraine Krise

Nein, die Ukraine wird nicht aufgeteilt

In sozialen Medien kursiert eine Karte, welche die Aufteilung der Ukraine zeigen soll.

Claudia Spiess, 1. April 2022
Diese Karte zeigt keine aktuell geplante Aufteilung der Ukraine / Screenshot Facebook
Diese Karte zeigt keine aktuell geplante Aufteilung der Ukraine / Screenshot Facebook

Diese soll im polnischen Fernsehen gezeigt worden sein. Demnach würden Teile der Ukraine an Polen, Ungarn, Rumänien und Russland gehen.

Diese Karte taucht in mehreren Beiträgen auf Social Media-Plattformen auf, wie beispielsweise hier auf Facebook.

Facebook Screenshot / angebliche Aufteilung der Ukraine
Facebook Screenshot / angebliche Aufteilung der Ukraine

Die Rede ist hier von einer Invasion Polens in die Ukraine. In einem weiteren Facebook-Beitrag zu dieser Karte wird die Aufteilung beschrieben:

Facebook Screenshot / angebliche Aufteilung der Ukraine
Facebook Screenshot / angebliche Aufteilung der Ukraine

„Aufregung um eine Karte, die im polnischen Fernsehen präsentiert wurde, auf Telewizja Polska S.A., das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Polen
Auf der Karte wird die Ukraine zerstückelt präsentiert, blau-gelb-als Binnenstaat- um Kiew herum, während der Osten und die gesamte Schwarzmeer-Küste rot, also zu Russland zugehörig dargestellt wird.
Der Westen der Ukraine, um die Stadt Lwiw herum, die auf Polnisch Lwow heißt und früher, zu Habsburger Zeiten Lemberg genannt wurde, wird auf dieser Karte gelb dargestellt, also polnisch. Auch Ungarn erhält sein Stück vom ukrainischen Kuchen, nämlich die ungarnsprachigen Gebiete-in grün. Sogar Rumänien-lila-erhält die Bukowina.“

Kopierter Text von Facebook

Der Facebook-Nutzer schreibt von der Ausstrahlung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen Polens: Telewizja Polska S.A. (TVP).
Hier lässt sich tatsächlich ein Beitrag finden, in dem die Karte gezeigt und die Aufteilung der Ukraine thematisiert wird. Dieser Beitrag stammt vom 23.03.2014 und klärt auch über die Hintergründe dieser kartografischen Darstellung auf.

Brief von Wladimir Schirinowski an das polnische Außenministerium

Wladimir Schirinowski, Abgeordneter der Staatsduma, hat 2014 in einem Brief an das polnische Außenministerium angeboten, sich an der Umverteilung der Ukraine zu beteiligen und „das Territorium zurückzugewinnen, das ihm historisch gehörte.“

Ein ähnliches „Angebot“ wurde Ungarn und Rumänien für die Regionen Transkarpatien und Czernowitz gemacht, wie TVP in seinem Beitrag schreibt:

„Das polnische Außenministerium hat ein offizielles Schreiben der Staatsduma mit einem Vorschlag zur Teilung des ukrainischen Staatsgebiets erhalten. Diese Informationen wurden von Journalisten des Nachrichtensenders TVP1 eingeholt.
Der stellvertretende Vorsitzende der Staatsduma und Fraktionsvorsitzende der LDPR, Wladimir Schirinowski, schlägt vor, dass Polen ein Referendum über den Beitritt der fünf westlichen Regionen der Ukraine – Wolhynien, Lwiw, Iwano-Frankiwsk, Ternopil und Riwne – zu unserem Land fordert.
Ein ähnliches „Angebot“ wurde Ungarn und Rumänien für die Regionen Transkarpatien und Czernowitz gemacht. Nur der zentrale Teil der Ukraine würde innerhalb ihrer Grenzen bleiben.
Das Schreiben ist „bizarr“.
Das polnische Außenministerium wertet den Brief als „Kuriosität“. Wladimir Schirinowski wird eine höfliche Antwort erhalten, ohne auf den Inhalt seines Schreibens einzugehen.“

Auszug TVP, 23.03.2014 / übersetzt mit DeepL

Der Vorschlag würde es der Zentralukraine ermöglichen, frei von „unnötigen Spannungen“ zu sein, hieß es in dem Brief weiter, berichtete Reuters am 24. März 2014. Marcin Wojciechowski, der Sprecher des polnischen Außenministeriums, wies den Brief als „völlige Kuriosität“ zurück und bedauerte, dass einige Russen „immer noch an den Molotow-Ribbentrop-Pakt (deutsch-sowjetischer Nichtangriffspakt, auch Hitler-Stalin-Pakt) denken“.
Schirinowski schrieb dazu in seinem Brief: „Es ist nie zu spät, historische Fehler zu korrigieren.“

Der Pressedienst teilte damals auch Interfax mit, dass dazu Briefe an die Botschaften Polens, Ungarns und Rumäniens geschickt worden seien.

Fazit

Die Karte, die derzeit in sozialen Medien geteilt wird, ist nicht aktuell, sondern wurde auf einen Brief von Wladimir Schirinowski hin erstellt, in dem er Polen, Ungarn und Rumänien 2014 Angebote über eine Umverteilung ukrainischer Regionen machte. Diese wurden in der Karte veranschaulicht. Das polnische Außenministerium bezeichnete den Brief als „völlige Kuriosität“.

Die Karte stammt aus einem Beitrag des polnischen Fernsehsenders Telewizja Polska S.A. (TVP) vom 23.03.2014. Ergo besteht hier kein Zusammenhang mit dem aktuellen Krieg in der Ukraine. Auch ist aktuell keine Invasion Polens in die Ukraine geplant.

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Quelle: TVP, Mythdetector, Misbar, Reuters, Interfax



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