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„TUI“ Fake-Gewinnspiel auf Facebook!

Kathrin Helmreich, 20. August 2018
"TUI" Fake-Gewinnspiel auf Facebook!
"TUI" Fake-Gewinnspiel auf Facebook!

Ein einziger Buchstabe verrät, dass es sich hier nicht um TUI handelt!

Noch immer versuchen Betrüger Facebook-Nutzer auf ihre Seiten zu locken, indem sie mit tollen Gewinnspielen ködern. Doch leider erhalten die teilnehmenden Nutzer am Ende gar nichts – im Gegenteil. Oft bezahlen sie in Form von Daten, die sie bei Affiliate-Programmen übermitteln oder die am Ende auch verkauft werden können.

Dieses Gewinnspiel reiht sich in die Fakes ein, denn es soll den Anschein erwecken, der Gewinn käme bzw. wird von TUI verlost:

Screenshot by mimikama.at
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Das Gewinnspiel auf unserer Seite läuft bis Dienstag, den 21.08.2018, 20:00 Uhr.

Wir Wünschen allen Teilnehmern viel Glück!

Dem ist aber nicht so.

Der Faktencheck

[vc_message color=“info“]Hinweis: TUI hat mit diesem Gewinnspiel nichts zu tun. Das Unternehmen wurde selbst Opfer, indem der Name TUI missbräuchlich verwendet wird.[/mk_info]

Abgesehen von dem typischen Muster, nach dem solche Fake-Gewinnspiele aufgebaut sind, gibt es einen entscheidenden Hinweis darauf, dass es sich hier unter keinen Umständen um die echte TUI Seite handeln kann.

Betrachtet man sich nämlich die Webseitenadresse näher, fällt einem folgendes auf:

Screenshot by mimikama.at
Screenshot by mimikama.at

Das “i” von TUI ist eigentlich gar keines, sondern ein kleines L = l.

Woran erkenne ich noch solche Gewinnspiele?

Fake-Gewinnspiele dieser Art erkennt man an typischen Indikatoren: “Drückt auf gefällt mir und ihr kommt in unseren Los-Topf!” sowie “Wer den Beitrag teilt hat eine doppelte Chance!” und dann noch “Die Seite –Name-der-Seite- muss mit Gefällt mir markiert sein!“

Ein wichtiges Merkmal ist es jedoch, wenn folgende Inhalte NICHT VORHANDEN sind:

  • Inhaber der Seite / Ansprechperson
  • Impressum
  • Kontaktmöglichkeit
  • Teilnahmebedingungen
  • Freistellung gegenüber Facebook

Seriöse Unternehmen beschäftigen sich mit dem Thema Gewinnspiele auf Facebook und stellen diese auch korrekt dar. Unter anderem achten seriöse Veranstalter darauf, dass ein Impressum, ein Kontakt sowie Teilnahmebedingungen zur Verfügung stehen, die auch aus rechtlicher Sicht notwendig sind. Aber Vorsicht, denn hin und wieder geben sich die Veranstalter die Mühe und erfinden Impressumsangaben.

Screenshot by mimikama.at
Screenshot by mimikama.at

TUL dein Reisebegleiter mit dem Logo vom Reiseveranstalter TUI… keine weiteren Informationen über den Anbieter, den Veranstalter oder auch Teilnahmebedingungen.

In dem vorliegenden Gewinnspiel um eine Blockhütte hat man sich jedoch nicht die Mühe gegeben. Hier sieht man im Info-Reiter, dass es keinerlei Angaben gibt.

Warum das Ganze?

Merke: Warum gibt / gab es dieses Gewinnspiel?

Natürlich steckt hinter diesen Seiten ein finanzielles Interesse. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie man aus erfolgreich verlaufenden Fakegewinnspielen Profit schlagen kann. Angefangen von eher harmlosen Seitenverkäufen bis hin zu bösen Abofallen ist alles drin. Wir haben bisher bei sehr sehr vielen Fake-Gewinnspielen beobachten können, dass diese Art der Gewinnspiele immer recht ähnlich verlaufen. In einer ersten Stufe verführen sie mit ihrer einfachen Teilnahme. Man soll einen hochwertigen potentiellen Gewinn teilen und liken. Kann jeder, das ist keine Hürde. Damit werden Menschen angelockt.

Möglichkeit „Seitenverkauf” / „Likefarming”

Mit Hilfe dieser Lockveranstaltungen wird dann die Seite “gezüchtet”. Der Seitenbetreiber arbeitet daran, die Fanzahlen in die Höhe zu treiben. Ab einem bestimmten Punkt findet sich diese Seite dann zum Verkauf. Die Fans wundern sich lediglich irgendwann, welche Inhalte sie nach dem Verkauf zu Gesicht bekommen und warum sie diese Seite je gelikt haben.

Möglichkeit „Affiliate”

Ab einer bestimmten Teilnehmerzahl wird die Beschreibung des Gewinnspiels verändert. Die Teilnahmebedingungen bekommen einen Zusatz und meist wird ein Link eingefügt, den man besuchen soll. Dort warten dann irgendwelche Partnerprogramme, über welche der “Veranstalter” Provisionen einsackt. Im harmlosen Fall sind es Partnerprogramme, die dem Teilnehmer einen Haufen Werbung bescheren, im extremen Fall verbirgt sich für die Besucher via Smartphone eine WAP-Billing Abofalle hinter dem Link (bei welcher der Veranstalter natürlich ebenso Provisionen kassiert). Hin und wieder findet man diese hochgezüchteten Facebookseiten dann auch bei eBay zum Verkauf angeboten.

Egal, was da noch passiert: Den angepriesenen Gewinn gibt es nicht! Daher merke Dir: es ist niemand da, der dieses Haus, dieses Wohnmobil, diesen Audi, 100.000 iPhones oder 50.000 PS4 verlost. Nein, es gibt sie nicht, diese ritterlichen Wohltäter des Netzes. Sie sind eher Gaukler, die ihre Nutzer dazu verleiten, brav wie Klickvieh aus der Hand zu fressen.

Die berühmten 3 Schritte

Solche Gewinnspiele laufen in drei Stufen ab. Siehe auch das Fake-Gewinnspiel zum Phantasia Land. Denn bei Fake-Gewinnspielen, die eine starke Viralität haben, handelt es sich um ein Geschäftsmodell. Im Gegensatz zu echten Gewinnspielen, die von Firmen zu Werbezwecken veranstaltet werden, nutzen Fake-Gewinnspielveranstalter das Produkt als Lockvogel.

Den ersten Schritt stellt der Köder dar.

Dieser Köder taucht zumeist in Form einer Statusmeldung auf Facebook, in einer WhatsApp Nachricht oder in seltenen Fällen auch als Instagram-Meldung auf. Diese Köder sind in ihrer Art alle identisch: Sie vermitteln die Hoffnung auf einen Gewinn, den man im Grunde schon in der Tasche hat. Sie verführen durch die Leichtigkeit der Teilnahme und locken auf eine Webseite. Es handelt sich hierbei um den Köder. Der Köder ist der virale Einstieg in den Gewinnspielablauf.

Schritt zwei stellt meist eine Webseite dar,

…die sich als ein vermeintliches Gewinnspiel mit einer Fragerunde ausgibt. Diese Fragerunde ist nicht zwingend immer vorzufinden, da sie zum einen irrelevant ist und auch nur den Charakter eines Gewinnspiels vortäuschen soll. Wir nennen diesen Schritt zwei auch die Brücke. Die Brücke zeigt sich in Form eines Fake- Gewinnspiels, in dieser Brücke wird einem zumeist der Gewinn direkt versprochen, es wird getäuscht und mit gefälschten Elementen gearbeitet. Diese Brücke ist letztendlich auch eine illegale Komponente, da die gegebenen Versprechen nicht eingehalten werden und sich der Aufbau sowie die Darstellung geschützter grafischer Elemente bedient. Das Corporate Design bestehender Firmen und deren Produkte werden gnadenlos ausgenutzt, auf der Brücke gibt man sich auch gerne als die dargestellte Firma aus. Ziel der Brücke:

a) Viralität erzeugen (Beispiel: leite dieses Gewinnspiel an 20 Kontakte weiter)
b) ein Link wird eingebaut, der zu dem vermeintlichen Gewinn führen soll

Den dritten und abschließenden Schritt

…stellt ein sogenanntes Affiliate Programm dar. Man verlässt die Brücke über einen Link, der einen Partnercode beinhaltet, welcher zu einem Provisionsprogramm gehört. Es handelt sich hierbei um ein Affiliate, welches nach Möglichkeit inhaltlich mit dem in der Brücke verlaufenen Fake-Gewinnspiel korreliert. Wir nennen diese abschließende Verlinkung den Ausgang. Merke: Der Ausgang selbst, also die Affiliates, auf die verlinkt wird, ist nicht illegal! Es handelt sich dabei um Geschäftsmodelle, bei denen der jeweilige Anbieter solcher Programme seine Vertriebspartner durch Provisionen vergütet.

Diese Vertriebspartner werden vom Anbieter durch einen Identifikationscode erkannt, so dass jeder neu registrierte Teilnehmer an dem Affiliate Gewinnspiel auch dem Vertriebspartner zugeordnet werden kann. Derjenige, der die Brücke gestaltet, entscheidet übrigens beliebig, welches Partnerprogramm er als Ausgang benutzt. Häufig finden wir auch Systeme vor, welche die Herkunft und die Geräteangaben des Teilnehmers auslesen und somit spezifisch auf unterschiedliche Provisionsprogramme leiten. Daher kann man nie eindeutig sagen, welches Provisionsprogramm am Ende aufgerufen wird, im schlimmsten Fall landet man auf dubiosen WAP-Billing Geschichten oder undurchsichtigen Abo-Serviceleistungen.

Screenshot by mimikama.at

Der Fake zählt!

Daher hat der Verfasser von Köder und Brücke, der durchaus auch der jeweilige Vertriebspartner des Affiliate-Anbieters sein dürfte, ein großes Interesse daran, dass seine Fake-Geschichte im Vorfeld so glaubwürdig wie möglich klingt, gleichzeitig aber auch ein hohes Viralitätspotential besitzt.

Gut gelogen ist daher im Falle von Fake-News, sowie auch Fake-Gewinnspielen, bereits halb gewonnen.


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